Geschichte

Legendäre Olympia-Momente

Augenblicke für die Ewigkeit: Spitz wird zum Goldfisch, Ali entzündet die Flamme, Baumann rennt zum Sieg. Erinnerungen an Olympia-Ereignisse, die Sportgeschichte geschrieben haben.

1924: Nurmi gewinnt die "Hitzeschlacht von Colombes"

Vier Läufer sind in Paris im olympischen Geländelauf über 10.000m unterwegs. © picture-alliance/ dpa

1924 ist der Geländelauf zum letzten Mal Teil des Olympia-Programms. Die Strecke von rund zehn Kilometern ist eigentlich keine überdurchschnittlich große Herausforderung für die Athleten. Der 12. Juli des Jahres 1924 ist jedoch ein extrem heißer Tag. In der Sonne werden Temperaturen von 45 Grad Celsius gemessen.

Die Hitze fordert ihren Tribut. Nur 15 von 38 Startern erreichen das Ziel. Am besten mit den Bedingungen kommt Finnlands Jahrhundert-Läufer Paavo Nurmi zurecht. Er siegt mit deutlichem Vorsprung vor seinem Landsmann Ville Ritola. Gemeinsam mit Heikki Liimatainen gewinnen Nurmi und Ritola die Mannschaftswertung für Finnland.

Das Rennen geht als die "Hitzeschlacht von Colombes" in die Geschichte ein. Nurmi verabschiedet sich 1928 von der olympischen Bühne - mit insgesamt neun Goldmedaillen.

1936: Owens begeistert die Massen in Berlin

Jesse Owens (USA) © picture alliance / united archives

Vier Starts, viermal Gold, Publikumsliebling der Zuschauer im Berliner Olympiastadion: Leichtathlet Jesse Owens ist der Star der Spiele 1936 in Deutschland. Die 100 Meter gewinnt er mit eingestelltem Weltrekord von 10,3 Sekunden. Auch die doppelte Distanz sowie die 100-m-Sprintstaffel mit der US-Mannschaft entscheidet Owens für sich.

Legendär wird sein Weitsprung-Duell mit dem Leipziger Luz Long. Owens steht bereits in der Qualifikation vor dem Aus. Long gibt seinem Konkurrenten Tipps und rät ihm zu einem Sicherheitssprung. Dieser gelingt, Owens ist später im Finale nicht mehr zu schlagen. 8,06 Meter bedeuten Weltrekord und Olympiasieg.

Zum Missfallen der nationalsozialistischen Führung präsentieren sich Owens und Long als gute Freunde, die sich während des Wettkampfes angeregt unterhalten und anschließend Arm in Arm durch das Stadion schlendern. Auch das Publikum hat Owens auf seiner Seite. Die Berliner feiern den großartigen Athleten aus den USA stürmisch.

1956: Halla trägt Hans Günter Winkler zum Sieg

Mit "Wunderstute" Halla unterwegs zum Olympia-Gold: Deutschlands Springreit-Legende Hans Günter Winkler. © picture-alliance / dpa

Aufgrund der strengen Quarantäne-Bestimmungen finden die Reitwettbewerbe 1956 nicht in Melbourne, sondern bereits knapp sechs Monate zuvor in Stockholm statt. Hans Günter Winkler, Weltmeister der Jahre 1954 und 1955, gehört zu den Favoriten auf Gold.

Die deutschen Springreiter - mit Fritz Thiedemann auf Meteor, Alfons Lütke-Westhues auf Ala und Winkler auf Halla - sind nach dem ersten Durchgang in Führung; HGW liegt auch in der Einzelwertung vorn. Winklers weitere Teilnahme erscheint allerdings unmöglich. Der Rheinländer hat sich im ersten Umlauf eine schwere Leistenverletzung zugezogen.

Dennoch tritt er, fast besinnungslos vor Schmerz, zum zweiten Durchgang an. "Ich war benommen, als ob mir jemand vor den Kopf geschlagen hätte", erinnert sich Winkler. Umsichtig und routiniert trägt "Wunderstute" Halla ihren Reiter fehlerfrei ins Ziel und sichert Winkler Gold in der Einzel- und Mannschaftswertung.

Auch 1960, 1964 und 1972 wird Winkler mit der Mannschaft Olympiasieger, Legendenstatus erreicht er aber durch seinen Erfolg in Stockholm.

1960: Armin Hary krönt sich zum Sprintkönig

Der deutsche Super-Sprinter Armin Hary Sieger des 100-m-Laufes. © ullstein bild - Schirner X

Ein deutscher Sprinter der schnellste Mann der Welt? Heute undenkbar, 1960 alles andere als eine Sensation. Armin Hary ist ein unbequemer Charakter, aber mit Talent wie kaum ein Zweiter gesegnet. Mit 16 wechselt er vom Fußball zur Leichtathletik und stellt die Sprintwelt auf den Kopf. Wenige Wochen vor den Spielen 1960 in Rom läuft der Saarländer in Zürich die 100 m als erster Mensch in handgestoppten 10,0 Sekunden.

Damit ist er in der "Ewigen Stadt" einer der Favoriten. Das Finale entwickelt sich zur Nervenschlacht. Zwei Fehlstarts verursachen die Läufer, am Ende des Rennens muss das Zielfoto entscheiden. Hary gewinnt hauchdünn vor dem US-Amerikaner Dave Sime. Gemeinsam mit Bernd Cullmann, Walter Mahlendorf und Martin Lauer holt Hary auch über 4 x 100 Meter Gold - in Weltrekordzeit von 39,5 Sekunden.

Nur ein Jahr später beendet Hary nach einer Verletzung und Streitigkeiten mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband seine Laufbahn.

1968: Bob Beamons Sprung in neue Dimensionen

Der US-Amerikaner Bob Beamon beim Weitsprung während der Olympischen Spielen in Mexiko 1968 © picture-alliance / dpa

Ein Sprung katapultiert am 18. Oktober 1968 die Leichtathletik in eine neue Dimension. Der US-Amerikaner Bob Beamon läuft im olympischen Weitsprung-Finale von Mexiko-City zu seinem ersten Versuch an - sechs Sekunden später landet er ganz am Ende der Sprunggrube.

Die elektronische Messung kann die Weite nicht erfassen, mehr als 15 Minuten dauert es, bis per Maßband Beamons unglaubliche Leistung erfasst ist: 8,90 Meter, 55 Zentimeter weiter als der bisherige Weltrekord seines Landsmannes Ralph Boston. Die Zuschauer in Mexiko starren fast ungläubig auf die Anzeigetafel und brechen dann in lauten Jubel aus.

Beamon selbst kann das Ergebnis zunächst nicht einordnen. Er ist mit dem metrischen System nicht vertraut. Als ihm "29 feet, 2 1/2 inches" gesagt wird, bricht er weinend zusammen. 23 Jahre hat sein Rekord Bestand, erst 1991 übertrifft ihn Mike Powell bei der WM in Tokio um fünf Zentimeter.

1968: "Black Power" in Mexiko-City

Die Amerikaner Tommie Smith (M., Goldmedaille) und John Carlos (r., Bronzemedaille) demonstrieren während der Olympischen Spiele 1968 bei der Siegerehrung für den 200-m-Lauf der Männer für die "Black Power"-Bewegung. © picture-alliance/ dpa

Die Sprintwettbewerbe der Leichtathleten dominieren 1968 in Mexiko wieder die US-Amerikaner. Tommie Smith gewinnt in Weltrekordzeit von 19,83 Sekunden Gold über die 200 Meter. Sein Landsmann John Carlos wird Dritter.

Die Siegerehrung nutzt das Duo zu einer politischen Demonstration. Smith und Carlos recken ihre schwarzbehandschuhte Faust in den Himmel - das Zeichen der "Black-Power"-Bewegung gegen die Diskriminierung der Schwarzen in den USA. "Wenn wir einen Olympiasieg holen, sind wir Amerikaner, wenn nicht, schimpfen sie uns 'Neger'", begründen die Anhänger von Martin Luther King ihre Aktion.

Der zweitplatzierte Australier Peter Norman solidarisiert sich mit dem US-Duo und trägt eine Plakatte des "Olympic Project for Human Rights". Das IOC, das politische Demonstrationen während der Wettkämpfe untersagt, ist empört. Noch bevor Smith und Carlos suspendiert werden können, verlassen sie das Olympische Dorf. Während Carlos seine Leichtathletik-Karriere fortsetzt, beendet Smith seine Laufbahn sofort.

1972: Der "Kran von Schifferstadt" schultert das "Riesenbaby"

Der Deutche Ringer Wilfried Dietrich (unten) schultert den US-Amerikaner Chris Taylor bei den Spielen 1972. © picture-alliance / dpa

Wilfried Dietrich befindet sich bei den Spielen 1972 in München im Alter von 38 Jahren im Herbst seiner Karriere. Der hochdekorierte Ringer - Olympiasieger 1960 in Rom, Weltmeister 1961 - bleibt in seiner Heimat zwar ohne Medaille, sorgt jedoch für einen der spektakulärsten Momente der Ringer-Geschichte.

Im griechisch-römischen Stil trifft Dietrich in Runde eins auf Chris Taylor, gegen den er zuvor im Freistil gescheitert war. Der US-Amerikaner bringt mehr als 200 kg auf die Waage und wird deshalb "Riesenbaby" genannt. Wie ist ein solcher Koloss zu bezwingen? Der Pfälzer zeigt es eindrucksvoll. Am Ende des Kampfes weiß jeder, warum Dietrich der "Kran von Schifferstadt" genannt wird. Er umfasst Taylor, hebt ihn tatsächlich hoch und schultert ihn mit einem spektakulären Überwurf. Ein Bild, das um die Welt geht.

Zu einem Happy End werden die Spiele in München jedoch nicht. Nach einer umstrittenen Niederlage gegen den Rumänen Victor Dolipschi tritt Dietrich nicht mehr an. Seine internationale Karriere findet ein unrühmliches Ende.

1972: Ulrike Meyfarth springt zu Gold

Sensationssiegerin in München: Die 16 Jahre alte Ulrike Meyfarth holt Gold und im Hochsprung mit (eingestelltem) Weltrekord von 1,92 m. © picture-alliance / dpa

16 Jahre und 123 Tage ist Ulrike Meyfarth alt, als sie 1972 in München sensationell Hochsprung-Gold mit Weltrekord gewinnt. Die 80.000 Zuschauer im Olympiastadion können kaum fassen, was sich vor ihren Augen abspielt.

Meyfarth überspringt alle Höhen im ersten Versuch und hat nur noch die Weltrekordhalterin Ilona Gusenbauer aus Österreich und Jordanka Blagojewa (Bulgarien) zur Gegnerin. Die junge Deutsche hat ihre persönliche Bestleistung bereits um vier Zentimeter auf 1,88 m gesteigert, als die Latte auf 1,90 m gelegt wird. Im zweiten Versuch meistert die Schülerin aus der Nähe von Köln die Höhe - das ist der Sieg. Anschließend legt sie noch einen drauf und egalisiert mit 1,92 m Gusenbauers Weltrekord.

Bis heute ist Meyfarth die jüngste Leichtathletik-Olympiasiegerin in einer Einzeldisziplin. Zwölf Jahre nach ihrem Triumph von München holt sie 1984 in Los Angeles zum zweiten Mal Gold.

1972: Mark Spitz wird in München zum Goldfisch

Der US-amerikanische Schwimmer Mark Spitz bei den Olympischen Schwimm-Wettbewerben in der Münchner Olympiahalle auf dem Weg zum Goldmedaillengewinn über 200 m Schmetterling. © picture-alliance / dpa

Wenn er ins Becken steigt, verlässt er es als Sieger in Weltrekordzeit. Was Mark Spitz 1972 im Schwimmstadion von München zeigt, hat die Sportwelt noch nicht gesehen. Sieben Mal Gold, sieben Mal Bestzeit lautet die Bilanz des 22 Jahre alten Kaliforniers.

Schon vier Jahre zuvor, in Mexiko 1968, gilt Spitz als potenzieller Superstar der Spiele. Doch trotz vollmundiger Ankündigungen reicht es "nur" zu zweimal Staffel-Gold und zwei Bronzemedaillen. In München hält ihn niemand auf. Spitz ist im und außerhalb des Beckens eine beeindruckende Erscheinung. Sein Stil ist der Perfektion nahe, sein Gespür für die Vermarktung der Erfolge auch. Nach seinem Premieren-Erfolg in München schwenkt der Mann mit dem markanten Bart (verbotenerweise) die Schuhe seines Ausrüsters vor den Fernsehkameras.

Nach den Spielen beendet er seine Karriere, um sich der Vermarktung seines Erfolgs zu widmen. Die sieben Wettkampftage im München haben ihn zur Legende werden lassen.

1976: Comanecis perfekte Übung

Die rumänische Schwebebalken-Turnerin Nadia Comaneci © picture alliance / united archives

Ihr Name wird mit Perfektion verbunden: Nadia Comaneci. 14 Jahre ist die Rumänin alt, und wiegt bei 1,42 m Körpergröße gerade einmal 39 kg, als sie 1976 in Montreal Turngeschichte schreibt.

Ihre Übung am Stufenbarren bewerten die Kampfrichter mit der höchsten zu vergebenden Note: der 10,0. Vier Jahre zuvor in München hatte Olga Korbut (UdSSR) eine ähnlich brillante Vorstellung gezeigt. Damals konnten sich die Kampfrichter (zum Unmut der Zuschauer) nicht zur "Traumnote" durchringen.

Die elektronische Anzeige ist mit Comanecis Ergebnis überfordert. Zweistellige Resultate können nicht dargestellt werden, deshalb blinkt eine 1,0 auf den Ergebnistafeln. Auch auf dem Schwebebalken gelingt Comaneci eine makellose Übung, wieder erhält sie die 10,0. Drei Goldmedaillen gewinnt die Rumänin in Montreal, vier Jahre später in Moskau kommen zwei weitere dazu.

1992: Das "Dream Team" verzaubert Olympia

Karl Malone, John Stockton, Charles Barkley und "Magic" Johnson feiern den Olympiasieg 1992. © imago sportfotodienst

Die olympische Bewegung hat sich 1992 endgültig vom Amateur-Statut verabschiedet und gestattet den Basketball-Profis der USA, an den Spielen in Barcelona teilzunehmen. Die Zuschauer im Palau Blau Grana bekommen eine Ansammlung von Superstars zu sehen, wie es sie wohl in keinem Mannschaftssport je gegeben hat.

Ein werbewirksamer Name ist auch schnell gefunden: "Dream Team". Elf der zwölf US-Profis werden später von der nordamerikanischen Profiliga NBA in die Auswahl der "50 besten NBA-Spieler aller Zeiten" gewählt. Wie erwartet dominieren Michael Jordan, Magic Johnson, Larry Bird, Charles Barkley und Co. das Turnier nach Belieben. Der Finalsieg gegen Kroatien mit 32 Punkten Vorsprung ist das knappste Resultat der US-Amerikaner.

Dem Basketball und speziell der NBA beschert der Auftritt des Dream Teams einen großen Popularitätsschub.

1992: Dieter Baumann Olympiasieger über 5.000 Meter

Verzückt entrückt: Dieter Baumann bejubelt seinen größten Sieg - Gold in Barcelona über 5000 Meter © picture-alliance / dpa

"Jetzt muss er innen durch, die Lücke wäre da", ruft ARD-Reporter Gerd Rubenbauer 50 Meter vor dem Ziel des olympischen 5.000-Meter-Laufs in Barcelona.

Er, das ist der Schwabe Dieter Baumann, der mit den Afrikanern um den Sieg wetteifert. Ginge es nur nach den persönlichen Bestzeiten, wäre Baumann gegen seine Konkurrenten ohne Chance. Doch Meisterschaftsrennen sind von Taktik geprägt. Schon vier Jahre zuvor in Seoul hat Baumann mit Rang zwei über die gleiche Distanz alle überrascht.

Dieses Mal wird es sogar Gold: Baumann nutzt tatsächlich die Lücke auf der Innenbahn und zieht mit einem unwiderstehlichen Sprint an seinen Gegnern vorbei zum Olympiasieg.

1996: Muhammad Ali rührt die Zuschauer zu Tränen

Der ehemalige Schwergewichts-Boxweltmeister Muhammad Ali entzündet während der Eröffnungszeremonie für die Olympischen Sommerspiele in Atlanta das olympische Feuer. © picture-alliance / dpa

Die Spiele von Atlanta 1996 empfinden viele Beobachter als steril und seelenlos. Die Eröffnungsfeier bleibt allerdings in Erinnerung. Der von der Parkinson-Krankheit schwer gezeichnete Muhammad Ali entzündet die Flamme im Olympiastadion.

Berühmt ist der "Größte aller Zeiten" vor allem wegen seiner Kämpfe als Profi. Einem breiten Publikum wird er 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom bekannt. Unter seinem Geburtsnamen Cassius Clay erkämpft Ali sich die Goldmedaille im Halbschwergewicht. Seine Eleganz und Schlaggenauigkeit beeindrucken schon damals.

Der Olympiasieg ist für Ali der Beginn einer einzigartigen Karriere, die ihn zum wohl bekanntesten Sportler aller Zeiten werden lässt.

2000: Cathy Freeman hält dem Druck stand

Die australische 400-m-Doppelweltmeisterin Cathy Freeman bei der Eröffnungsfeier in Sydney 2000 mit der Fackel in der Hand © ullstein bild - Reuters

Sport und Symbolik gehören seit jeher zusammen. Bei den "Millennium-Spielen" in Sydney repräsentiert 400-Meter-Läuferin Cathy Freeman nicht nur Australiens Ambitionen in der Leichtathletik, sondern auch die Hoffnung auf Versöhnung zwischen Ureinwohnern und Weißen.

Bei der Eröffnungsfeier entzündet Freeman die Olympische Flamme. Auch zehn Tage später sind die Augen einer ganzen Nation auf Freeman gerichtet. Die Weltmeisterin ist Favoritin im Finale über 400 Meter. Im grünen Ganzkörperanzug und mit Laufschuhen in den Farben ihres Volkes geht die 27-Jährige an den Start und hält dem Druck stand.

Mit einer knappen halben Sekunde Vorsprung gewinnt Freeman Gold, die 100.000 Zuschauer im Stadion rasen vor Begeisterung. Freeman sinkt zu Boden und kämpft mit den Tränen. Anschließend feiert sie ihren Sieg mit der australischen Fahne sowie der Flagge der Aborigines.

2008: Matthias Steiner und ein Gänsehautmoment

Matthias Steiner freut sich über seine Medaille. © AP Photo Foto: Andres Leighton

Matthias Steiners Sieg im Superschwergewicht der Gewichtheber bei den Spielen in Peking 2008 rührt nicht nur die Zuschauer in Deutschland zu Tränen. Der Wettkampf der starken Männer ist an Dramatik kaum zu überbieten.

Steiner muss in seinem letzten Versuch 258 kg stoßen, um Gold im Zweikampf zu gewinnen. Noch nie hat er eine solche Last in einem Wettkampf gestemmt. Dem gebürtigen Österreicher gelingt die Sensation, überwältigt von seinem Triumph springt er wie von Sinnen über die Plattform.

Noch emotionaler wird die Siegerehrung. Steiner zeigt ein Foto seiner ein Jahr zuvor tödlich verunglückten Frau. Tränen fließen nicht nur beim Olympiasieger, sondern auch bei vielen Zuschauern. Vier Jahre später in London sorgt Steiner erneut für einen Gänsehautmoment, als er stürzt und ihn die Hantelstange im Genick trifft. Er muss den Wettkampf abbrechen, trägt zum Glück aber keine bleibenden Schäden davon.

2008: Usain Bolt sprintet zum Fabel-Weltrekord

Usain Bolt © AP Foto: David Phillip

Dass Usain Bolt 2008 Olympia-Gold in Peking gewinnt, ist keine Sensation. Auch dass er seinen eigenen Weltrekord auf 9,69 Sekunden verbessert, keine vollkommen unerwartete Leistung.

Doch wie der Jamaikaner das 100-Meter-Finale gewinnt, bleibt jedem Zuschauer in Erinnerung. Obwohl Bolt schlecht aus dem Startblock kommt, übernimmt er nach der Hälfte des Rennens die Führung und scheint seinen Gegnern trotz eines offenen Schnürsenkels davonzufliegen. Bereits zehn Meter vor dem Ziel beginnt er mit dem Jubel. Trotzdem läuft er schneller als je ein Mensch zuvor.

Die Experten rätseln: Wie schnell hätte Bolt sein können, wäre er mit vollem Tempo ins Ziel gelaufen? Er zeigt es ein Jahr später bei der WM in Berlin. Auf unglaubliche 9,58 Sekunden verbessert Bolt seine Bestmarke. In Peking holt der Sprinter aus Jamaika auch Gold über die 200 Meter und mit der 4 x 100-m-Staffel - wieder jeweils mit Weltrekord. Allerdings wird ihm das Staffelgold wegen eines Dopingvergehens seines Teamkollegen Nesta Carter später wieder aberkannt.

2016: Ohne Sattel zum Olympiasieg

Bahnsprinterin Kristina Vogel feiert ihren Olympiasieg in Rio de Janeiro. © dpa Foto: Felix Kästle

"Kristina ist unser bester Mann" - so lautet das ebenso simple wie bewundernde Fazit von Nationaltrainer Detelf Uibel nach den Bahnrad-Wettbewerben 2016 in Rio de Janeiro. Gemeint ist Kristina Vogel, die im Rio Olympic Velodrome Gold und Bronze gewinnt.

Als erste Deutsche wird die Erfurterin Olympiasiegerin im Sprint - und das obwohl ihr im Finale ein nie dagewesenes Malheur passiert. Als Vogel den Zielsprint anzieht, bricht die Sattelstütze ihrer Hightech-Maschine. Unbeeindruckt bringt Vogel den Sieg über die Ziellinie - erst dort fällt der abgebrochene Sattel zu Boden. Nach London sind es die letzten Olympischen Spiele für Vogel. Seit einem Trainingsunfall im Juni 2018 ist sie querschnittsgelähmt.

2016: Phelps tritt ab - mit fast 30 Medaillen

US-Schwimmer Michael Phelps lässt sich feiern. © DPA Picture Alliance Foto: Patrick B. Kraemer

28 Medaillen bei Olympischen Spielen - mit dieser Bilanz ist Michael Phelps wohl auf Jahrzehnte unantastbar. Als 15-Jähriger startet der Ausnahmeschwimmer aus den USA in Sydney 2000 seine olympische Karriere. Damals geht das "Greenhorn" noch leer aus.

Bei den folgenden Sommerspielen bis 2016 scheffelt er haufenweise Medaillen, vorzugsweise goldene aus olympischen Schwimmbecken. Besonders bemerkenswert ist sein letzter Auftritt bei den Spielen in Rio de Janeiro. Phelps hatte nach London seinen Rücktritt erklärt, entschließt sich zwei Jahre später jedoch zu einem Comeback.

Nach seinem Rücktritt vom Rücktritt spricht er zunächst dem Alkohol derart zu, dass er sich noch 2014 für sechs Wochen in eine Entzugsklinik einweisen lässt. Geläutert und hochmotiviert kehrt er in den Sport zurück mit nur einem Ziel: beim "Showdown" in Rio noch einmal abzuräumen. Es gelingt ihm, als sei er nie rausgewesen, als würden keine 16 Jahre zwischen seinen ersten und seinen letzten Spielen liegen.

Mit weiteren fünf Gold- und einer Silbermedaille tritt Phelps in Rio endgültig von der Schwimmbühne ab.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr