Geschichte

Olympia: Skandale, Fehlurteile, Boykotte

Olympische Spiele prägen nicht nur strahlende Sieger und faire Verlierer. Immer wieder gibt es auch Skandale, umstrittene Urteile und politisch motivierte Entscheidungen.

1908: Halswelle ohne Konkurrenz zum Olympiasieg

400-m-Sieger Wyndham Halswelle (Großbritannien) - allein im Ziel bei der Wiederholung des Finals über die Stadionrunde © Getty Images

1908 in London gewinnt der Schotte Wyndham Halswelle in London Gold über die 400 Meter, Konkurrenten hat er im Endlauf nicht. Wie kommt es zu dieser einmaligen Situation? Halswelle und drei US-Amerikaner stehen zwei Tage zuvor im 400-m-Finale. Die Nordamerikaner gehen mit harten Bandagen zu Werke. Gelaufen wird noch nicht in vorgegebenen Bahnen, deshalb kommt es immer wieder zu Köperkontakt. John Carpenter blockt in der letzten Kurve Halswelle - nach US-Regeln ein erlaubtes Manöver.

Doch in London gelten die Regeln des britischen Verbandes. Deshalb wird Carpenter nach seinem vermeintlichen Sieg disqualifiziert und das Finale neu angesetzt. Carpenters Landsmänner William Robbins und John Taylor boykottieren allerdings die Wiederholung des Endlaufes. Halswelle geht allein auf die Stadionrunde und kommt nach exakt 50,0 Sekunden ins Ziel. Sein Sieg ist die einzige Entscheidung in der Olympia-Geschichte, in der ein Athlet sich ohne Gegner die Goldmedaille sichert.

1932: Jahrhundertläufer Nurmi darf nicht starten

Der finnische Läufer Paavo Nurmi als Zuschauer bei den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles. © picture-alliance / dpa

Neun Gold- und drei Silbermedaillen hat Finnlands Lauflegende Paavo Nurmi bereits in seiner Sammlung, als er die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Los Angeles 1932in Angriff nimmt. Über 10.000 Meter und im Marathon will der große Schweiger an den Start gehen. Doch der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) will Nurmi nicht starten lassen. Durch eine zu hohe Reisekostenabrechnung habe er den Amateurstatus verletzt. Da in Sigfrid Edström ein Schwede IAAF-Präsident ist, vermuten viele eine politisch motivierte Entscheidung.

Nurmi reist trotzdem in die USA und trainiert sogar im Athletendorf für die Wettbewerbe. Doch selbst die Fürsprache seiner Gegner ändert nichts an seinem Startverbot. Nurmi ist bei den Spielen von Los Angeles nur Zuschauer und zieht sich verbittert vom aktiven Sport zurück. Später erklärt er, dass er den Marathon seiner Meinung nach mit fünf Minuten Vorsprung gewonnen hätte.

1956: "Das Blutspiel von Melbourne"

Der ungarische Spieler Ervin Zador (l) wird im Wasser von einem UdSSR-Spieler angegriffen und so verletzt, dass Blut aus einer Wunde am rechten Auge fließt. © picture-alliance / dpa

Um Sport geht es am allerwenigsten, als im Halbfinale des olympischen Wasserball-Turniers 1956 Titelverteidiger Ungarn auf die UdSSR trifft. Zwei Wochen zuvor haben sowjetische Truppen bei ihrem Einmarsch in Budapest die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Da befinden sich die Sportler bereits auf dem Weg nach Melbourne, voller Sorge um das Schicksal ihrer Angehörigen.

Im Schwimmstadion von Melbourne knistert die Spannung. Die meisten Zuschauer schlagen sich auf die Seite der Ungarn, die schnell mit 4:0 in Führung gehen. Fünf Minuten vor Schluss dann ein Ellenbogen-Check eines sowjetischen Spielers gegen den Ungarn Ervin Zador, dessen Augenbraue aufplatzt. Blut fließt über Zadors Gesicht. Schwimmbecken und Zuschauerränge verwandeln sich in ein Tollhaus. Die Fäuste fliegen, Chaos bricht aus. Aus Angst vor weiterer Eskalation beendet der Schiedsrichter das Spiel beim Stand von 4:0 für Ungarn vorzeitig.

Die Bilder von Zadors Verletzungen gehen um die Welt, die internationale Presse berichtet vom "Blood in the Water Match". Ungarn verteidigt später mit einem 2:1 über Jugoslawien seinen Titel. Zahlreiche Spieler kehren nach dem Olympiasieg aber nicht mehr in ihre Heimat zurück.

1972: UdSSR stößt die US-Basketballer vom Thron

Szene aus dem olympischen Basketball-Finale 1972: Die UdSSR schlägt die USA. © picture-alliance / Sven Simon Foto: Sven Simon

Seit 1936 ist Basketball olympische Sportart und die Domäne der USA. Alle sieben Olympia-Turniere haben die Amerikaner gewonnen, obwohl sie nicht mit den Profis aus der NBA, sondern mit Nachwuchsspielern antreten. 1972 verlieren die Vereinigten Staaten in München den Status der Unbesiegbarkeit. Die UdSSR dominiert das Finale, gerät nach einem Ballverlust aber fünf Sekunden vor dem Ende mit 49:50 in Rückstand.

Es folgen die dramatischsten Minuten der olympischen Basketball-Geschichte. Den Sowjets wird nach einer Auszeit bedeutet, dass sie noch drei Sekunden Zeit für den entscheidenden Korb haben. Der Verzweiflungswurf verfehlt sein Ziel deutlich. Die US-Spieler feiern den vermeintlichen Sieg, Zuschauer stürmen das Feld. Beendet ist die Partie allerdings nicht. Das Schiedsgericht spricht der UdSSR noch einmal drei Sekunden Zeit zu, da die Uhr zuvor nicht auf drei, sondern nur auf eine Sekunde gestellt worden war. Doch wie sollen die Sowjets in dieser kurzen Zeit zum Korberfolg kommen?

Sie werfen den Ball vom eigenen direkt unter den gegnerischen Korb, wo Alexander Below seinen Gegenspieler überspringt und tatsächlich innerhalb der vorgegebenen Spielzeit trifft - 51:50, die UdSSR ist Olympiasieger. Die USA protestieren erfolglos gegen die Wertung und bleiben am nächsten Tag der Siegerehrung demonstrativ fern.

1976: Rugby-Stars lösen Olympia-Boykott aus

Südafrika ist in den Siebzigerjahren aufgrund seiner Apartheid-Politik international geächtet. Auch Sportbeziehungen zu anderen Ländern gibt es kaum. Die Rugby-Nationalmannschaft ist jedoch noch nicht vollkommen isoliert. 1976 reisen die "All Blacks" - Neuseelands berühmtes Nationalteam - zu einer Tour nach Südafrika. Es hagelt Proteste. Zahlreiche afrikanische Nationen fordern Neuseelands Ausschluss von den Sommerspielen in Montreal.

Das IOC lehnt mit der Begründung ab, Rugby sei kein olympischer Sport. 22 afrikanische Länder boykottieren deshalb die Spiele in Montreal. Vor allem das Niveau der Langstrecken-Wettbewerbe in der Leichtathletik leidet unter dieser Entscheidung.

1976: Fünfkämpfer manipuliert seinen Degen

Ein Kampfrichter prüft bei den Olympischen Sommerspielen in Montreal 1976 den Degen des sowjetischen Modernen Fünfkämpfers Boris Onischtschenko (r.). © picture-alliance / dpa

Dass Sportbetrüger mitunter eine bemerkenswerte Fantasie entwickeln, um sich unerlaubte Vorteile zu verschaffen, dokumentiert der Fall des sowjetischen Modernen Fünfkämpfers Boris Onischtschenko. In Montreal manipuliert der damals 38 Jahre alte Athlet seinen Degen. Im Mannschaftswettkampf wundern sich die Briten, warum in den Fecht-Duellen mit Onischtschenko die elektronische Trefferlampe aufleuchtet, obwohl der Polizeimajor aus Kiew seinen Gegner erkennbar nicht getroffen hat.

Eine Untersuchung löst das Rätsel: Onischtschenko hat an seiner Waffe einen zusätzlichen Kontaktknopf angebracht, den er mit dem Ringfinger betätigen kann. So löst er das Trefferlicht beim Gegner aus. Die Gaunerei wird entdeckt, das Team der UdSSR disqualifiziert und Onischtschenko lebenslang gesperrt.

1980: Spiele in Moskau - Der Westen schaut nur zu

Olympiabesucher fordern bei den Winterspielen 1980 in Lake Placid einen Boykott der Sommerspiele von Moskau. © imago sportfotodienst

Eine reine Sportveranstaltung frei von Politik ist Olympia nie, auch Boykotte einzelner Nationen gibt es bereits vor den Spielen 1980 in Moskau. Doch der Kalte Krieg treibt die Instrumentalisierung Olympias auf die Spitze. Ende 1979 marschieren sowjetische Truppen in Afghanistan ein, die USA nehmen die Invasion zum Anlass, ihre Teilnahme an den Spielen in Moskau abzusagen. 63 Nationen schließen sich den USA an, auch die Bundesrepublik schickt keine Athleten in die UdSSR. Nur 81 Staaten nehmen an den Olympischen Spielen 1980 teil, die geringste Zahl seit Melbourne 1956.

1984: Gegenboykott des Ostblocks

Die Antwort der Sowjetunion auf den Boykott der USA folgt vier Jahre später. Los Angeles hat den Zuschlag für die Sommerspiele 1984 erhalten. Zwischen den Supermächten gibt es Spannungen um Akkreditierungen und Visa, die Sowjets monieren mangelnde Sicherheitsgarantien. Zweieinhalb Monate vor der Eröffnungsfeier verkündet die UdSSR ihren Teilnahme-Verzicht. 18 Staaten, unter ihnen auch die DDR, schließen sich dem Boykott an. Rumänien, Jugoslawien und China schicken hingegen Athleten in die USA, insgesamt nehmen 6.797 Sportler aus 140 Nationen an den Wettbewerben teil.

1988: Ben Johnson schockt die Sportwelt

Ben Johnson jubelt über seinen 100-m-Sieg bei Olympia 1988. Später wird er wegen Dopings disqualifiziert. Carl Lewis (2.v.r.) erhält Gold. © picture-alliance / Sven Simon

Ein Blick in Richtung der Gegner und eine Geste des Triumphs: Ben Johnson gewinnt 1988 den 100-Meter-Sprint und stellt einen Fabelweltrekord auf. Nach 9,79 Sekunden stoppt die Uhr in Seoul. Noch nie zuvor ist ein Duell auf der Tartanbahn derart angeheizt worden wie der Zweikampf zwischen dem Kanadier Johnson und US-Star Carl Lewis.

Ein Jahr vor den Spielen in Korea hat Johnson sich in Rom den WM-Titel in Weltrekordzeit von 9,83 Sekunden vor Lewis geholt und lässt den großen Rivalen auch bei Olympia klar hinter sich. Zwei Tage nach dem Rennen ist die Sportwelt geschockt: Johnson wird des Dopings überführt und disqualifiziert. Es ist der wohl spektakulärste Dopingfall der Sportgeschichte.

Die Olympischen Spiele haben im Streben nach Größe und Profit endgültig ihre Unschuld verloren. Lewis erhält später nachträglich Olympia- und WM-Gold. Doch auch hinter seinen Leistungen stehen Fragezeichen. Kurz vor den Spielen in Seoul sollen positive Dopingtests des Superstars vertuscht worden sein.

1988: Verprügelt und dennoch Olympiasieger

Boxer Park Si-Hun (Südkorea) wird 1988 umstritten zum Olympiasieger im Halbmittelgewicht erklärt. Roy Jones Jr. (USA) kann das Urteil nicht fassen. © imago sportfotodienst

Roy Jones Jr. gilt als einer der besten Boxer aller Zeiten, sein erster Auftritt im internationalen Rampenlicht endet indes mit einem Skandal. Der US-Amerikaner reist als 19-Jähriger zu den Spielen 1988 in Seoul. Jones dominiert seine Gewichtsklasse - das Halbmittelgewicht bis 71 kg - fast nach Belieben. Im Finale boxt er gegen den südkoreanischen Lokalmatator Si-Hun Park, der bereits zuvor von einigen umstrittenen Punktrichterentscheidungen profitiert hat.

Das Publikum peitscht Park nach vorne, doch Jones ist schneller, technisch besser und trifft deutlich häufiger. Park wird in der zweiten Runde sogar vom Ringrichter angezählt. Als der finale Gong erklingt, sind sich alle Experten einig: Roy Jones Jr. ist Olympiasieger. Es folgt eines der größten Skandal-Urteile der Box-Geschichte. Park gewinnt mit 3:2-Richterstimmen. Der Südkoreaner schaut ungläubig und fast entschuldigend zu Jones und kann sein Glück kaum fassen. Der US-Amerikaner bricht in Tränen aus. Auch die Wahl zum besten Boxer des Turniers kann ihn nicht trösten.

Anschließend wechselt Jones ins Profilager, wo er mehr als ein Jahrzehnt Triumphe feiert. Die drei Punktrichter, die Park zum Sieger machen, werden nach den Spielen in Seoul suspendiert.

2004: Flucht vor den Doping-Fahndern

Die griechischen Sprinter Kostas Kenteris und Ekaterina Thanou © Picture Alliance

2004 kehrt Olympia zurück an den Ort seiner Entstehung - nach Athen. Die sportlichen Hoffnungen der Hellenen liegen auf den Sprintern Kostas Kenteris (200-m-Olympiasieger von Sydney) und der amtierenden 100-m-Europameisterin Ekaterina Thanou. Doch noch vor der Eröffnung haben die Spiele ihren ersten Skandal - in dessen Zentrum: Kenteris und Thanou.

Am Abend vor der Eröffnungsfeier erscheint das Duo nicht zu einer Dopingprobe. Die Athleten erhalten eine Frist von zwei Stunden, um die Kontrolle nachzuholen. Auch diese verpassen Kenteris und Thanou. Die Sprinter befinden sich nach einem angeblichen Motorradunfall im Krankenhaus. Kenteris und Thanou müssen auf einen Start in ihrer Heimat verzichten und werden später für zwei Jahre gesperrt. Thanou setzt ihre Karriere fort und ist für die Spiele in Peking 2008 vom griechischen Verband nominiert. Das IOC verweigert ihr jedoch die Startberechtigung.

2008: Wie alt sind Chinas Turnerinnen?

Die Turnerinnen Jiang Yuyuan (l.), He Kexin (beide China) und Koko Tsurumi (Japan/r.) © imago sportfotodienst

Chinas Turnerinnen gewinnen 2008 in Peking Medaille um Medaille. Was die Gastgeber begeistert, sorgt bei den Konkurrenten für Argwohn. Sind die Chinesinnen tatsächlich schon 16 Jahre alt, wie es das Reglement des IOC fordert? Vor allem die zweifache Goldmedaillen-Gewinnerin He Kexin wirkt deutlich jünger. Sie ist 1,42 m groß und wiegt lediglich 33 kg. Es gibt Indizien, dass He Kexin und ihre Teamkollegin Jiang Yuyuan zwei Jahre älter gemacht wurden, doch bewiesen wird die vermeintliche Manipulation nicht.

2008: Taekwondo-Kämpfer attackiert Kampfrichter

Skandal bei Olympia 2008:
Taekwondo-Kämpfer Angel Valodia Matos tritt Kampfrichter Chakir Chelbat. © imago sportfotodienst

Taekwondo-Kämpfer Angel Valodia Matos tritt Kampfrichter Chakir Chelbat.

Angel Valodia Matos aus Kuba siegt bei der Olympia-Premiere des Taekwondo 2000 in Sydney in der Klasse bis 80 kg. Acht Jahre später in Peking gehört er ebenfalls zu den Favoriten und kämpft sich bis ins Halbfinale. Dort liegt er gegen Arman Chilmanov aus Kasachstan mit 3:2 in Führung, verletzt sich dann jedoch am Fuß.

Da er nicht vor dem Ende der vorgegebenen Behandlungszeit wieder kampffähig ist, wird Matos von Kampfrichter Chakir Chelbat (Schweden) disqualifiziert. Der Kubaner protestiert lautstark und lässt sich zu einer unglaublichen Aktion hinreißen. Als Chelbat das Urteil verkündet, tritt Matos den Kampfrichter ins Gesicht. Die Folge: Disqualifikation sowie eine lebenslange Sperre.

2012: Heidlers verschwundene Hammer-Weite

Betty Heidler diskutiert mit Kampfrichter. © dpa-bildfunk Foto: Kerim Okten

Die Spiele 2012 gehören zu den bestorganisierten der Geschichte, doch die Londoner Kampfrichter bekleckern sich nicht mit Ruhm. Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf wird fälschlicherweise disqualifiziert, ein Boxer zum Sieger erklärt, obwohl er mehrfach am Boden liegt, beim Fechten dehnt sich eine verbleibende Sekunde ins schier Unendliche.

Die Hauptdarstellerin einer weiteren Groteske ist Betty Heidler. Die Hammerwerferin hat in ihrem vorletzten Versuch sehr weit geworfen und tritt freudstrahlend aus dem Ring. Doch dann muss der Kampfrichter, der die Weitenmessung vornimmt und den Wert bereits ans System geschickt hat, hektisch seinen Arbeitsplatz verlassen, weil bereits der Hammer der folgenden Starterin angeflogen kommt. Und Heidler traut ihren Augen nicht, als die etwa vier Meter kürzere Weite der nach ihr werfenden Konkurrentin hinter ihrem Namen auftaucht. Sie protestiert.

Eine hektische und zunächst vergebliche Suche nach der verschwundenen Weite beginnt. Heidler darf zum Trost einmal zusätzlich werfen - doch das bringt nichts sein. Während sich die Chinesin Zhang Wenxiu bereits als Bronzemedaillengewinnerin feiern lässt, werden die Kampfrichter doch noch fündig: Aus den Tiefen des Computers taucht Heidlers Weite auf: 77,12 Meter. Die erst nach langem Bangen gewonnene Bronzemedaille ist mittlerweile übrigens auch nicht mehr in Heidlers Besitz. Weil Siegerin Tatjana Lysenko gedopt war, hat Heidler 2016 nachträglich noch Silber bekommen.

2016: Lavillenie und das unfaire Publikum

Stabhochspringer Renaud Lavillenie bei der Siegerehrung während derr Olympischen Spiele 2016. © dpa Foto: Bernd Thissen

So leidenschaftlich die Cariocas - so werden die Einwohner von Rio de Janeiro genannt - sind, so unfair verhalten sie sich während Olympia 2016 auch gegenüber Konkurrenten von brasilianischen Sportlern. Besonders krass trifft es den französischen Stabhochspringer Renaud Lavillenie. Immer wenn sich der Olympiasieger von London im Finale auf seinen nächsten Sprung konzentrieren will, wird er von den Zuschauern ausgebuht und ausgepfiffen.

Ihre Motivation: Sie wollen ihren Landsmann Thiago Braz da Silva siegen sehen. Und so kommt es schließlich auch: Mit einer übersprungenen Höhe von 6,03 m wird da Silva der erste brasilianische Olympiasieger im Stabhochsprung. Lavillenie überquert 5,98 m und wird Zweiter. Während IOC-Präsident Thomas Bach ein "schockierendes Verhalten der Zuschauer" verurteilt, beklagt sich Lavillenie zurecht über das unfaire Verhalten des Publikums, wählt aber einen völlig unpassenden Vergleich zu Jesse Owens und Olympia 1936.

Dafür entschuldigt er sich zwar, dennoch bekommt er die Quittung bei der Siegerehrung, wo er erneut lautstarke Unmutsäußerungen über sich ergehen lassen muss. Beim Franzosen fließen Tränen, den Zuschauern zeigt er provokativ den erhobenen Daumen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr