Leichtathletik Olympiasieger Ray Ewry (USA) © picture-alliance/ dpa

Ray Ewry - Olympiasieg nach Kinderlähmung

Im Alter von fünf Jahren erkrankt Raymond Clarence Ewry an Kinderlähmung. Ein Leben im Rollstuhl? Nicht mit ihm. Als ein Arzt ihm Hoffnung macht, die Beine doch wieder bewegen zu können, beginnt der Junge zu trainieren - ehrgeizig und mit eisernem Willen. Der Erfolg bleibt nicht aus: Langsam gelingen die ersten Schritte. Mit 20 kann er wieder richtig gehen. An der Purdue-Universität in seiner Heimatstadt Lafayette/Indiana schließt er sich den Leichtathleten an und erkennt bald seine große Stärke: Springen aus dem Stand.

Geschichte

Das war Olympia 1900

Dreifach-Triumph in Paris

Und Ray hat einen Traum: Olympia. Am 16. Juli 1900 hat er ihn verwirklicht. Bei den Spielen in Paris geht Ewry dreimal an den Start - und gewinnt dreimal. Im Hochsprung aus dem Stand erreicht er Weltrekord mit 1,65 Meter - und legt 13 Zentimeter Abstand zum Zweitplatzierten. Im Weitsprung aus dem Stand kommt er auf 3,30 Meter, im Dreisprung aus dem Stand auf 10,58 Meter. "The Human Frog", der menschliche Frosch, wie Ewry seit dem historischen Dreifach-Triumph genannt wird, dominiert fortan die Standsprünge - noch jahrelang. Auch bei den Spielen 1904 und 1908, bei denen er wiederum alle Sprungwettbewerbe aus dem Stand gewinnt.

Weltrekord für die Ewigkeit

Zählte man seine beiden Siege bei den Zwischenspielen in Athen 1906 hinzu, hätte er insgesamt zehn Goldmedaillen gewonnen, mehr als die Superstars Mark Spitz und Carl Lewis. Doch auch ohne die Erfolge von 1906 gehört der Leichtathlet zu den erfolgreichsten Olympioniken aller Zeiten. Ewrys Weltrekord im Standweitsprung aus dem Jahr 1904 (3,47 Meter) hatte bis 1938 Bestand - so lange der Wettbewerb ausgetragen wurde. Ewry, der nach seinem Studium als Wasserbauingenieur in New York arbeitete, starb am 29. September 1937 an den Folgen einer Knochentuberkulose.

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Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr