02:16 min | 27.07.2021 | Das Erste

Boxer Abduljabbar hat noch viel vor bei Olympia

Boxen

Box-Schwergewichtler Abduljabbar: "Ich will die Nummer eins werden"

von Bettina Lenner

Schwergewichtler Ammar Riad Abduljabbar kam über Umwege zum Boxen. Nun ist er der letzte verbliebene Deutsche im olympischen Boxturnier - und hat große Ambitionen.

Das Grinsen breit, die Faust geballt - so sieht ein Sieger aus. Der 25-Jährige strotzt vor Selbstvertrauen: "Ich bin nicht hier, um nur dabei zu sein. Ich will die Goldmedaille holen", sagt der Olympia-Debütant, und es klingt verflixt überzeugend. Gerade hat der Schwergewichtler den Peruaner Jose Maria Lucar Jaimes im ersten olympischen Boxfight seiner jungen Karriere einstimmig mit 5:0 nach Punkten besiegt. Nun sollen in Tokio noch viele Auftritte folgen. "Der erste Kampf ist immer der schwerste. Der Gegner war nicht einfach. Ein Kämpfer, genau wie ich. Aber ich glaube an mich und weiß, was ich kann", so Abduljabbar nach seinem Erfolg am Dienstag (27.07.2021).

Trainer gratuliert via Video-Botschaft: "Stolz auf dich"

Trainer Christian Morales hat sich daheim in Hamburg die Nacht um die Ohren geschlagen und ist der erste Gratulant: "So, Digga, der erste Sieg ist drin. Jetzt geht's um die Medaille. Gib' Gas, Junge", sagt der Coach via Video-Botschaft über die ARD, und Abduljabbar ballt wieder die Faust. "Ich bin so stolz auf dich, du wirst das packen. Hol' dir einfach das, was dir zusteht."

Aus dem Irak nach Deutschland

Nicht viele hatten Abduljabbar den Sprung nach Japan zugetraut. Erst mit 15 Jahren hatte er mit dem Boxen begonnen, nachdem seine Familie aus dem Irak nach Deutschland gezogen war. Weil sein Bruder Mukhtar ein Loch im Herzen hatte und ihm im Irak nicht geholfen werden konnte, machte sich sein verzweifelter Vater auf den Weg. "Allein und zu Fuß. Sechs Monate hat er gebraucht. Mein Bruder wurde in Deutschland operiert. Er wurde gerettet, und es geht ihm gut", berichtet der 25-Jährige.

"Deutschland ist meine Heimat. Deutschland hat meinen kleinen Bruder gerettet. Er wäre sonst tot. Ich bin ein stolzer Deutscher. Ich bin Deutschland dankbar. Es ist mir eine große Ehre, etwas für dieses Land zu leisten." Ammar Riad Abduljabbar

Dem Vater zuliebe zum Boxen

Der Vater holte die Familie nach, die 2010 in Hamburg ein neues Zuhause fand. Dort ging Ammar Riad Abduljabbar zum Boxen, "weil mein Vater es liebt. Er wollte als Kind boxen. Aber im Irak war das unmöglich." Im selbst habe dieser Sport zunächst nicht besonders gefallen. "Aber ich wollte ihm später einen Gefallen tun und bin in Hamburg zum Boxen gegangen. Ich dachte, du wirst Hamburger Meister, dann kann Vater stolz auf dich sein. Und danach hörst du auf."

Es sollte anders kommen. Hamburger Meister, norddeutscher Meister, deutscher Meister - die Leidenschaft fürs Boxen wuchs analog zum Erfolg. Nun ist es sein Leben.

Quereinsteiger mit ungewöhnlicher Technik

Abduljabbar ist ein Quereinsteiger im Boxen. Eine Sportschule besuchte er nie. Ursprünglich war er im Halbschwergewicht zu Hause. Aber: "Ich hatte immer Probleme mit den 81 Kilo. Meist hatte ich 86, 87 und musste Gewicht machen." Im Schwergewicht (bis 91 Kilogramm) überragen fast alle Gegner den 1,80 Meter großen deutschen Meister. Für ihn kein Problem. "Ich mache meinen Nachteil zum Vorteil. Ich bin klein, muskulös. Ich kann marschieren und marschieren, und ich bin schneller als die anderen, kann besser Druck machen."

Von einigen werde Abduljabbar wegen seines Stils als Freizeitsportler belächelt, erzählt Morales: "Aber es ist nicht sinnvoll, ihm jetzt technisches Boxen beibringen zu wollen, dann würde man ihn seiner Stärken berauben. So, wie er ist, ist er gut."

Im Viertelfinale gegen den Weltmeister

Die Gegner boxen ungern gegen den Hamburger. Sein unorthodoxer Boxstil mit eingezogenem Kopf, immer im Vorwärtsgang mit schnellen Schlägen aus der Nahdistanz, behagt ihnen nicht. Eine der größten Stärken des boxerischen Spätstarters ist aber seine Mentalität. "Ich bin ein Krieger. Auch wenn mein Körper sagt, ich kann nicht mehr, kann ich einfach nicht aufgeben", betont er.

Qualitäten, die er nun auch im Viertelfinale am Freitag (30.07.2021) in die Waagschale werfen will - und auch muss. Denn in Welt- und Europameister Muslim Gadschimagomedow (Russland) wartet ein harter Brocken. Abduljabbar schreckt das nicht: "Ich muss richtig hart gegen ihn kämpfen und werde alles geben. Ich will die Nummer eins werden."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia Tokio 2020 | 27.07.2021 | 08:00 Uhr

Stand: 27.07.21 10:52 Uhr

Medaillenspiegel

Aktueller Medaillenspiegel
Platz Land G S B
1. Flagge USA USA 39 41 33
2. Flagge Volksrepublik China CHN 38 32 18
3. Flagge Japan JPN 27 14 17
4. Flagge Großbritannien GBR 22 21 22
5. Flagge Russisches Olympisches Komitee ROC 20 28 23
6. Flagge Australien AUS 17 7 22
7. Flagge Niederlande NED 10 12 14
8. Flagge Frankreich FRA 10 12 11
9. Flagge Deutschland GER 10 11 16
Stand nach 339 von 339 Entscheidungen.

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