Einem Boxer wird der Handschuh zugebunden. © imago images/Reporters

Boxen

Sechs Boxer bei Olympia-Quali mit Corona infiziert?

Das europäische Qualifikationsturnier der Boxer inmitten der Corona-Krise war von Anfang an umstritten und wurde letztlich abgebrochen. Sechs Teilnehmer sollen sich dort infiziert haben.

Erst mit Zuschauern, dann ohne und schließlich der Abbruch: Das europäische Qualifikationsturnier der Boxer in London vor knapp zwei Wochen sorgte für Aufsehen. Mitten in der Corona-Krise duften zwei Tage lang sogar noch Fans in die Halle kommen, ehe es unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiterging. Schließlich wurde das Turnier abgebrochen.

Türkischer Verband übt scharfe Kritik

Für drei Mitglieder der türkischen Delegation hatte die Veranstaltung allerdings wohl Folgen: Zwei Boxer und deren Cheftrainer sollen sich in London mit dem Corona-Virus infiziert haben. "Während die Welt extreme Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus ergriffen hat, bin ich verblüfft, dass eine IOC-Taskforce und die britische Regierung das Turnier zugelassen haben, obwohl viele von uns Bedenken hatten", wurde Verbandspräsident Eyup Gozgec in der englischen Zeitung "Guardian" zitiert: "Es war unverantwortlich. Und das Ergebnis ist, dass nun drei Teammitglieder positiv getestet worden sind. Alle sind in Behandlung und zum Glück in gutem Zustand."

Neben den drei Türken sollen sich drei Delegationsmitglieder aus Kroatien bei der Qualifikation mit dem Corona-Virus infiziert haben. Sie seien direkt nach der Rückkehr aus London positiv getestet worden, berichteten kroatische Medien. Betroffen sind zwei Boxer und ein Trainer.

Verbände fordern Erstattung von Kosten

Gozgec verlangte eine Erstattung der Kosten vom IOC und eine Neuansetzung des Turniers am Anfang des kommenden Jahres. Wie der türkische Verband wartet auch der Deutschen Boxsport-Verbandes noch auf eine Rückzahlung von rund 40.000 Euro vom IOC für die Buchung ungenutzter Zimmer. "Wir benötigen das Geld, weil das Qualifikationsturnier fortgesetzt werden soll", sagte Geschäftsführer MIchael Müller.

IOC weist Vorwürfe zurück

Das Internationale Olympische Komitee war Ausrichter der Qualifikation, da der Box-Weltverband nach diversen Skandalen zurzeit suspendiert ist. Das IOC teilte am Donnerstag (26.03.20) mit, dass es "sich keiner Verbindung" zwischen dem olympischen Box-Turnier und eines positiven Coronavirus-Tests bewusst sei. In der Stellungnahme betont das IOC, es sei "nicht möglich, die Quelle der Infektion zu kennen".

Viele Teilnehmer seien vor Beginn des Wettkampfes am 14. März in unabhängig organisierten Trainingslagern in Italien, Großbritannien und in ihren Heimatländern gewesen "und sind vor einiger Zeit nach Hause zurückgekehrt". Außerdem habe es zum Zeitpunkt der Europa-Qualifikation in London keine staatlichen Beschränkungen oder Ratschläge für öffentliche Veranstaltungen gegeben, so das IOC.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 27.03.20 09:10 Uhr