Laura Ludwig bei den Beachvolleyball-Meisterschaften in Timmendorf © imago images / Beautiful Sports

Beachvolleyball

Ludwig: "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben"

Beachvolleyballerin Laura Ludwig musste nach der Olympia-Verschiebung ein Tief überwinden. Inzwischen hat die 34-Jährige neue Motivation geschöpft, wie sie im Interview verrät.

Laura Ludwig hat im Beachvolleyball alle großen Titel gewonnnen. Europameisterin, Weltmeisterin und Olympiasiegerin ist die 34-Jährige vom Hamburger SV geworden. Mit ihrer aktuellen Partnerin Margareta Kozuch wollte Ludwig bei den Sommerspielen in Tokio noch einmal um olympisches Edelmetall spielen. Doch aufgrund der Corona-Krise wurden die Spiele auf 2021 verlegt. "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", sagt die Mutter eines fast zweijähriges Sohnes, die Gedanken an ein mögliches Karriereende inzwischen verworfen hat.

Laura Ludwig, wie präsent ist Ihnen eigentlich noch das legendäre olympische Finale von Rio de Janeiro 2016, das sie vor tausenden giftigen brasilianischen Fans zusammen mit Kira Walkenhorst gewonnen haben?

Laura Ludwig: Es ist tatsächlich wieder sehr präsent geworden. Ich habe mir das Finale letztens erst angeguckt, weil es so schöne Emotionen hochbringt. Nach der Bekanntgabe, dass die Olympischen Spiele in Tokio verschoben werden, war ich erst mal ganz schön aufgeschmissen und in einer Art Loch. Da hat mir das Finale noch mal viel Mut und Zuspruch gegeben. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Haben Sie in einer stillen Minute mal darüber nachgedacht, dem Sport den Rücken zu kehren?

Ludwig: In einer ganz stillen Minute bestimmt. Wir hatten als Familie natürlich andere Gedanken und Pläne, was nach Olympia 2020 passieren soll. Das hat sich jetzt erst mal verschoben. Als die Nachricht kam, dass es ein Jahr länger dauert, wollte ich die ersten zwei, drei Tage gar nicht darüber nachdenken und habe mich mit meinem Sohn abgelenkt. Weil in mir dann auch mal aufgebrodelt ist: Ach, vielleicht lässt du es einfach. Das ist hin und wieder aufgeploppt, aber zum Glück auch schnell wieder vergangen. Beachvolleyball und Sport generell ist einfach ein sehr großer Teil in meinem Leben - wenn nicht sogar mit der wichtigste.

Mit ihrer neuen Partnerin Margareta Kozuch war es ja auch ein bisschen sowas wie ein Wettlauf gegen die Zeit. Inwiefern kann das jetzt auch ein Vorteil sein, dass Sie dieses Extra-Jahr noch haben?

Ludwig: Das ist uns nach unserem kleinen Loch ziemlich schnell bewusst geworden, dass wir das auch als Geschenk nehmen können. Dass wir mehr Zeit bekommen haben, weiter an kleinen Details zu arbeiten. Das ist zwar manchmal hart und nervenzerreibend, aber diese Detailarbeit hat uns immer viel gebracht. Andererseits ist es auch schade, weil wir eine gute Vorbereitung hatten und sehr viel dazugelernt haben - das können wir jetzt nicht zeigen. Da müssen wir uns noch gedulden. Wir hoffen, dass wir wieder zur Anfang der Saison, wann sie auch immer startet, mit unserem Können aufblitzen können.

Sie sind es als Beachvolleyballerinnen gewohnt, um die Welt zu reisen und zum Beispiel in Südafrika oder auf den Kanaren ihr Lager aufzuschlagen. Wo und wie trainieren Sie aktuell?

Ludwig: Der Fokus liegt jetzt auf Athletik, Bewegung und Kraft. Das können wir alleine machen. Und zweimal die Woche treffen wir uns im Kraftraum, was schön ist, weil wir uns dann immer mal wieder sehen. Das tut gut. Und wir werden auch wieder vermehrt draußen am Olympiastützpunkt Hamburg trainieren, es sind schon Courts aufgebaut. Was das Reisen angeht: Da müssen wir einfach geduldig bleiben und abwarten.

Die deutsche Beach-Tour wurde komplett abgesagt. Wie schade ist das für Sie?

Ludwig: Sehr schade, vor allem in Hinblick darauf, dass wir keine andere Tour haben werden. Es steht in den Sternen, ob wir in diesem Jahr überhaupt noch internationale Turniere spielen können. Ich hoffe ja noch auf die deutschen Meisterschaften in Timmendorf (4. bis 6. September, Anm. d. Red.).

Das Interview führte Fabian Wittke, NDR Hörfunk

Dieses Thema im Programm:

Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 01.05.20 10:34 Uhr