03:23 min | 23.03.2020 | Das Erste

Seppelt: "Das kann niemand verantworten"

ARD-Sportpolitik-Experte Hajo Seppelt rechnet mit einer Verschiebung der Olympischen Spiele und äußert sich im Mittagsmagazin kritisch über die zögerliche Haltung des IOC.

Corona-Krise

Mögliche Szenarien für eine Olympia-Verschiebung

Herbst 2020, Sommer 2021 oder 2022: Welche Szenarien sind für die Olympischen Spiele in Tokio denkbar? Ein Überblick.

Szenario 1: Verschiebung in den Herbst

Die organisatorisch einfachste Lösung wäre eine Verschiebung in den Herbst. Von den klimatischen Bedingungen wäre das ohnehin eine bessere Variante als der Termin im Sommer. 1964 fanden die Spiele vom 10. bis 24. Oktober in Tokio statt. Doch dass die Corona-Krise nur wenige Monate nach dem derzeitigen Termin (24. Juli bis 9. August) tatsächlich überwunden sein wird, ist nach Meinung zahlreicher Experten so gut wie ausgeschlossen.

Auch würde ein Termin im Herbst den Verlust von Exklusivität bedeuten. Sollte Olympia aus medizinischer Sicht tatsächlich möglich sein, würden auch alle anderen Profi-Sportbetriebe wieder laufen. Dann hätte Olympia Konkurrenz von allen großen Fußball-Ligen in Europa sowie der großen vier Profi-Ligen im US-Sport. Das dürfte vor allem den zahlungskräftigen TV-Anstalten in den USA missfallen.

00:56 min | 23.03.2020 | NDR Info | Autor/in: Udo Schmidt

Tokio rechnet mit Verschiebung der Spiele

Können die Olympischen Sommerspiele in Tokio stattfinden? Der japanische Premierminister deutete erstmals in einer Rede an, über eine Verschiebung nachzudenken.

Szenario 2: Verschiebung auf 2021

Die zurzeit wahrscheinlichste Variante ist wohl die Verschiebung auf den Sommer 2021, so wie es die UEFA mit der Fußball-Europameisterschaft gemacht hat. Bis dahin sollte das Coronavirus eingedämmt sein. Zudem gäbe es noch ausreichend Zeit, Qualifikationswettkämpfe auszutragen.

Allerdings müsste der Sportkalender angepasst werden. So sind beispielsweise für den kommenden Sommer Weltmeisterschaften in den olympischen Kernsportarten Leichtathletik (6. bis 15. August) und Schwimmen (16. Juli bis 1. August) terminiert. Der Leichtathletik-Weltverband hat allerdings bereits erklärt, dass er sich mit den WM-Organisatoren in Eugene (USA) in Gesprächen befinde. Die WM-Aurichter hätten daraufhin versichert, mit ihren Partnern und Interessenvertretern zu beraten, ob Eugene die WM an alternativen Terminen ausrichten könne, "falls sich dies als notwendig erweisen sollte", hieß es.

Szenario 3: Verschiebung auf 2022

Die Verlegung um zwei Jahre in den Sommer 2022 ist ebenfalls eine Möglichkeit. Konkurrenz durch die Fußball-WM droht nicht. Sie findet erst im Winter in Katar statt. Allerdings sind für Ende August die Commonwealth Games geplant. Zudem sollen die European Championships in München ausgetragen werden. Auch stünde das IOC dann vor der Aufgabe Winter- und Sommerspiele innerhalb eines Jahres auszurichten. Neu wäre dieses Szenario indes nicht: Bis 1992 fanden Winter- und Sommerspiele immer im selben Jahr statt.

Kompliziert dürfte jedoch bei einer Verlegung gleich um zwei Jahre ebenfalls die Frage nach den Qualifikationskriterien werden, vor allem bei Einzelsportlern. Wird der aktuelle Stand der Qualifikation praktisch "eingefroren"? Oder müssen Athleten ihre Leistungen neu erbringen beziehungsweise bestätigen? Auch für die Organisatoren in Tokio wäre eine Verschiebung um zwei Jahre eine immense Herausforderung. Schließlich gibt es konkrete Pläne für die Nachnutzung der olympischen Anlagen, vor allem für das olympische Dorf, das nach den Spielen zu einer Wohnanlage umgestaltet werden soll. Eine zweijährige Verzögerung des Projekts hätte also gravierende Folgen für die potenziellen neuen Bewohner.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 23.03.20 10:22 Uhr