02:13 min | 28.07.2021 | Das Erste

Radsport-Direktor Moster bittet für rassistische Äußerung um Entschuldigung

Radsport

Nach Rassismus-Eklat bei Olympia: BDR mahnt Sportdirektor Moster ab

Nach der Suspendierung durch den Radsport-Weltverband reagiert nun auch der Bund Deutscher Radfahrer auf die rassistische Äußerung von Patrick Moster während eines Olympia-Rennens: Der BDR mahnte den Funktionär ab und entbindet ihn bis auf Weiteres von allen internationalen Aufgaben.

Wie der BDR am Montag (02.08.2021) mitteilte, habe sich das Präsidium intensiv mit dem Verhalten des Radsportdirektors beim Einzelzeitfahren der Männer am vergangenen Mittwoch (28.07.2021) auseinandergesetzt.

Moster hatte bei den Spielen in Japan den deutschen Fahrer Nikias Arndt mit den Worten "Hol die Kameltreiber, hol die Kameltreiber, komm" angefeuert. Vor Arndt waren der Eritreer Amanuel Ghebreigzabhier und der Algerier Azzedine Lagab im Kampf gegen die Uhr auf die Strecke gegangen. Moster hatte nach dem Rennen um Entschuldigung für seine Äußerungen gebeten, die im Livestream auf sportschau.de klar zu hören waren und die Reporter Florian Naß sofort mit den Worten "Sowas hat im Sport überhaupt nichts verloren. Das ist absolut unterirdisch. Pardon, da fällt mir nichts ein" kommentierte.

Entbindung von den internationalen Aufgaben

Folgende Entscheidungen sind laut Verband getroffen worden: Moster wird bis auf Weiteres von seinen internationalen Aufgaben entbunden, außerdem wird er eine schriftliche Abmahnung erhalten, was auch zu einer Kürzung seines Gehalts führt.

Außerdem wird der BDR die beiden Sportler aus Eritrea und Algerien sowie Vertreter ihrer Verbände nach Deutschland einladen. Der Bund Deutscher Radfahrer kündigte zudem an, alle seine Ausbildungsinhalte in der Trainer- und Funktionärsausbildung zu überprüfen und diese gegebenenfalls anzupassen beziehungsweise zu aktualisieren.

BDR hält Moster sein bisher tadelloses Verhalten zugute

Der BDR erwähnte in seiner Mitteilung auch, dass es von Moster bisher kein einziges in diese Richtung gehendes Fehlverhalten gegeben habe und dass sich der Sportdirektor bei der Integration von Asylbewerbern durch den Radsport engagiert habe.

Moster selbst wiederholte seine Bitte um Entschuldigung: "Ich bedauere mein Verhalten nach wie vor zutiefst. Unmittelbar nach der Veranstaltung habe ich noch im Mannschaftshotel versucht, meine Bitte um Entschuldigung den beiden Sportlern persönlich zu übermitteln, was wegen deren Abreise leider nicht mehr möglich war. Ich habe dies nach meiner Rückkehr nachgeholt."

Viel Kritik für zögerliches Verhalten von DOSB und BDR

Einen Tag nach dem Vorfall bei dem Olympia-Rennen war Moster vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) aus Tokio zurück nach Deutschland geschickt worden. Offenbar hatte das Internationale Olympische Komitee in dem Fall zuvor Druck gemacht. Unmittelbar nach dem Vorfall hatten DOSB und BDR nämlich auf die Entschuldigung Mosters verwiesen und von unmittelbaren Konsequenzen abgesehen, die dann erst am Tag danach ausgesprochen wurden. "Diese Form einer rassistischen Formulierung ist nicht akzeptabel und widerspricht den Werten des olympischen Geistes", sagte DOSB-Chef Alfons Hörmann im Interview mit der Sportschau. Für die verzögerte Reaktion war der DOSB von vielen Seiten kritisiert worden - auch aus den Reihen der eigenen Fahrer.

Der Radsport-Weltverband UCI hatte Moster danach bis auf Weiteres suspendiert. Dessen Äußerungen stünden im Gegensatz zu den Anstandsregeln des Weltverbandes, sie seien diskriminierend gewesen und stellten somit eine Verletzung der Regularien dar.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia Tokio 2020 | 02.08.2021 | 02:00 Uhr

Stand: 02.08.21 16:21 Uhr