Heftiger Niederschlag vor dem Olympiastadion in Tokio © picture alliance Foto: Jae C. Hong

Coronavirus

Olympia-Entscheidung: IOC setzt Frist von vier Wochen

Das Internationale Olympische Komitee will innerhalb der nächsten vier Wochen über eine mögliche Verschiebung der Olympischen Spiele entscheiden. Auch die japanische Regierung zieht diesen Schritt in Betracht.

Das Internationale Olympische Komitee hat erstmals eine Frist in der Diskussion um die Verlegung der Sommerspiele in Tokio genannt. Innerhalb der nächsten vier Wochen soll eine Entscheidung fallen, teilte das IOC in einem offenen Brief an die Athleten nach einer Sitzung des Exekutivkomitees am Sonntag (22.3.2020) mit.

IOC schließt Absage aus

Eine Absage schloss das IOC aus. Diese würde "keines der Probleme lösen oder irgendjemandem helfen", erklärte das IOC und verwies auf "deutliche Verbesserungen in Japan". Zugleich müsse man den "dramatischen Anstieg der Fälle und neuen Ausbrüche von Covid-19" auf verschiedenen Kontinenten berücksichtigen. Bis zum Ablauf der Deadline sollen verschiedene Szenarien für die Spiele erarbeitet und geprüft werden.

Paralympisches Komitee unterstützt IOC-Vorgehen

Das Internationale Paralympische Komitee IPC teilte mit, dass es die IOC-Entscheidung unterstütze. "Die nächsten vier Wochen bieten Zeit, um festzustellen, ob sich die globale Gesundheitssituation verbessert, und bieten gleichzeitig die Möglichkeit, verschiedene Szenarien zu untersuchen, falls die Daten der Spiele geändert werden müssen", erklärte IPC-Präsident Andrew Parsons. Die Paralympics sollen vom 25. August bis 6. September in Tokio stattfinden.

Japans Premierminister Abe auf IOC-Kurs

Auch Japans Premierminister Shinzo Abe hat in seiner Rede vor dem Parlament in Tokio erstmals über die Möglichkeit einer Verschiebung gesprochen. Japan gehe es nach wie vor um den reibungslosen geplanten Verlauf der Spiele, aber wenn dies in der Sorge um die Gesundheit der Teilnehmer schwierig werde, könne die Entscheidung über eine Verschiebung Olympias unvermeidlich sein.

Viel Kritik und ein erster Verzicht

Bisher hatten sowohl das IOC als auch Japan als Ausrichter betont, trotz der Corona-Pandemie am Plan für die vom 24. Juli bis zum 9. August terminierten Spiele festzuhalten. Dieses Spiel auf Zeit hatten weltweit sowohl Athleten als auch Nationale Olympische Komitees und Sportverbände scharf kritisiert. In dem deutschen Säbelfechter Max Hartung hatte zudem bereits der erste Sportler seinen Verzicht auf die Spiele erklärt, sollten sie wie geplant stattfinden.

Zehntausende pilgern zum Olympischen Feuer

Auch in Japan gab es Anlass zur Sorge. Am Sonntagmorgen waren 50.000 Menschen zum Bahnhof Sendai geströmt, um das Olympische Feuer zu bestaunen - trotz der Gefahr, sich mit dem Sars-CoV-2-Virus zu infizieren. Laut Weltgesundheitsorganisation haben sich in Japan bisher knapp tausend Menschen mit dem Virus infiziert. Es gab 35 Todesopfer (Stand: 21.3.2020).

Kekulé: Ein Fest für Viren

Virologen sehen das Problem weniger in der in Asien bereits abflauenden Krise, vielmehr geht es um die 11.000 Sportler plus Journalisten und Gäste, die sich in Tokio versammeln würden. "Es gibt für Viren quasi kein tolleres Fest als so eine Veranstaltung", hatte der Virologe Alexander Kekulé in der Sportschau gewarnt.

Olympia zuletzt vom Zweiten Weltkrieg gestoppt

Eine Olympia-Verschiebung wäre eine historische Entscheidung. Absagen hatte es zuvor schon gegeben. Komplett ausgefallen sind Olympische Spiele zuletzt während des Zweiten Weltkrieges. Die Olympischen Spiele 1940 sollten in Japan stattfinden, Sapporo (Winter) und Tokio (Sommer) gaben die Ausrichterrolle aber wegen des zweiten japanisch-chinesischen Krieges zurück. Als Ersatzschauplätze wollten Garmisch-Partenkirchen und Helsinki einspringen, doch der Zweite Weltkrieg stoppte alle Olympia-Pläne. Auch 1944 (Winter: Cortina d'Ampezzo, Sommer: London) gab es keine Olympischen Spiele.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 23.03.20 08:15 Uhr