Eine Hinweistafel auf die Olympischen Spiele steht in Tokio. © imago images/UPI Photo

Korruptionsverdacht

Olympia-Vergabe: Zahlungen werfen neue Fragen auf

Gab es im Vorfeld der Olympia-Vergabe an Tokio im Jahr 2013 Stimmenkäufe? Ein Verdacht besteht schon längere Zeit, nun wurden weitere fragliche Zahlungen bekannt.

Die Spekulationen um mögliche Stimmenkäufe bei der Vergabe der Olympischen Spiele an Tokio haben neue Nahrung erhalten. Laut Nachrichtenagentur "Reuters" hat die Agentur Dentsu des einflussreichen Sportvermarkters Haruyuki Takahashi umgerechnet 7,5 Millionen Euro vom damaligen Bewerbungskomitee erhalten, um Stimmen für Tokio zu sichern. Die japanische Hauptstadt hatte sich 2013 bei der Vergabe gegen Istanbul und Madrid durchgesetzt.

Takahashi bestätigte, dass er dem skandalumwitterten ehemaligen Chef des Leichtathletik-Weltverbandes, Lamine Diack, Geschenke gemacht habe. Dies sei jedoch kein verbotener Vorgang gewesen, betonte Takahashi, der zurzeit auch Mitglied der Geschäftsleitung im Olympia-Organisationskomitee ist.

Skandal-Funktionär Diack steht im Fokus

Trotzdem wirft der Vorgang neue Fragen auf. Denn Diack soll über Jahre als Strippenzieher bei der Vergabe großer Sportereignisse gewirkt haben und ist in mehrere Skandale verwickelt. Die französische Staatsanwaltschaft ermittelt seit Langem gegen den Senegalesen, der in Paris unter Hausarrest steht. Involviert sein soll auch dessen Sohn Papa Massata, der sich in den Senegal abgesetzt hat.

Die französischen Behörden werfen den Diacks Korruption in mehreren Fällen vor. Es geht dabei unter anderem um die Olympia-Vergaben nach Rio und Tokio sowie die Vergabe der Fußball-WM 2022 nach Katar.

Ex-Spitzenfunktionär musste 2019 zurücktreten

Schmiergeld soll über eine in Singapur ansässige Briefkastenfirma mit dem Namen Black Tidings geflossen sein. Papa Massata Diack wird mit ihr in Verbindung gebracht. Die französischen Ermittler hatten herausgefunden, dass vor der Olympia-Vergabe an Tokio umgerechnet 1,8 Millionen Euro vom japanischen Bewerberkomitee an Black Tidings geflossen waren.

Dies führte zum Sturz des mächtigen Funktionärs Tsunekazu Takeda: Er war Präsident des Japanischen Olympischen Komitees sowie Chef der IOC-Marketingkommission. Nachdem die französische Justiz im Januar 2019 Ermittlungen wegen aktiver Korruption gegen Takeda eingeleitet hatte, trat er im Juni desselben Jahres von seinen Posten zurück. Ein Fehlverhalten hat er jedoch stets abgestritten.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 01.04.20 10:59 Uhr