01:50 min | 18.03.2020 | Das Erste | Autor/in: Barbara Jung

Japan und IOC halten unbeirrt an Olympia fest

Japan und IOC halten trotz der Corona-Pandemie an Olympia in Tokio fest. Kritiker sagen, dass Premierminister Shinzo Abe die Zahl der Corona-Infizierten klein hält, um die Spiele zu retten.

Corona-Krise

Olympia soll warten: Sportler plädieren für Verschiebung

Olympia ja oder nein: Für viele Sportler würde ein Lebenstraum zerplatzen, wenn die Sommerspiele nicht stattfinden könnten. Doch den meisten ist klar, dass in der Corona-Krise andere Prioritäten gelten.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sieht sich harscher Kritik gegenüber. Zum jetzigen Zeitpunkt seien "keine drastischen Entscheidungen erforderlich", hatte das Exekutivkomitee nach einer Telefonkonferenz mit den Sommersportverbänden erklärt. Nun räumte das IOC ein, dass es am Dienstag (17.3.2020) keine "ideale Lösung" gegeben habe. Man sei aber in dieser schwierigen Situation auf das Verständnis aller angewiesen: "Deshalb setzen wir auf die Verantwortung und Solidarität der Athleten." Doch manche Sportler sind mit ihrer Geduld bereits am Ende.

Beachvolleyball-Star Ludwig: Fair ist zurzeit nichts

Beachvolleyball-Olympiasiegerin Laura Ludwig, die vor vier Jahren mit Kira Walkenhorst in Rio Gold gewonnen hatte, glaubt nicht an Chancengleichheit, sollten die Spiele in Tokio tatsächlich stattfinden. "Fair ist gerade gar nichts. Wir müssen alle Notlösungen finden", sagte sie im NDR Interview: "Ich hoffe nur dass die Entscheider frühzeitig sagen: Es findet statt oder nicht. Ich weiß aber auch, dass es immer am Geld liegt. Die Hauptsache aber ist, dass es eine klare Linie gibt." Eine konkrete Forderung, die Spiele abzusagen, wolle sie aber nicht an das IOC richten.

Auch Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul steht dem Festhalten an der Austragung mit großer Skepsis gegenüber. "Ich fände das schwierig. Alleine schon aus dem Fairness-Gedanken heraus", sagte der 22 Jahre alte Mainzer der "Allgemeinen Zeitung Mainz".

Werth: Hinhaltetaktik von IOC und Japanern

Deutlicher äußerte sich Isabell Werth. "Das ist eine unverständliche und überhaupt nicht nachvollziehbare Hinhaltetaktik vom IOC und den Japanern", sagte die weltbeste Reiterin. "Sie sollten sich am Fußball und an der Formel 1 ein Beispiel nehmen und jetzt sagen: 'Olympia im Juli wird nichts'", meinte die sechsmalige Dressur-Olympiasiegerin.

Röhler: Ausgangslage für alle auf null setzen

Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler sprach sich ebenfalls gegen ein Festhalten am geplanten Termin für die Sommerspiele aus: "Eine Vorbereitung unter normalen Umständen ist nicht möglich. In manchen Ländern gibt es derweil keine Einschränkungen. Da gibt es einfach unterschiedliche Voraussetzungen. Deshalb würde ich mich über eine Verschiebung der Olympischen Spiele freuen, um die Ausgangslage für alle auf null zu setzen", sagte Röhler dem "Sportbuzzer". 

Das Beharren des IOC auf der Austragung der Spiele vom 24. Juli bis 9. August sieht Röhler, der der Athletenkommission im Weltverband World Athletics angehört, "kritisch": "In vielen Verbänden wurden die Qualifikationskriterien bereits vereinfacht, weil in der Leichtathletik die wenigsten schon qualifiziert sind. Ich sehe allerdings derzeit keine Grundlage für einen fairen sportlichen Vergleich." Dem 28-Jährigen ist durchaus bewusst, dass eine vorläufige Absage Tokio hart treffen würde. "Ich weiß allerdings auch, was finanziell an den Spielen hängt. Auch emotional wäre es für die Japaner ein herber Schlag", sagte Röhler.

Hartung in Quarantäne: Keiner weiß, was im Juli sein wird

Säbelfechter Max Hartung hält es dagegen für richtig, dass das IOC abwartet: "Heute kann niemand sagen, was im Juli sein wird. Wir Athleten hoffen, in Tokio antreten zu können", sagte der Präsident der Vereinigung Athleten Deutschland im Interview mit "Funke Sport". Hartung muss derzeit in seiner Wohnung in Köln bleiben, weil seine Freundin Kontakt mit einer corona-infizierten Person hatte. Der 30-Jährige hatte bereits auf die "Nebenwirkungen" einer Olympia-Verschiebung oder -Absage hingewiesen: "Für die Athleten geht es ja neben der sportlichen Perspektive auch um wirtschaftliche und rechtliche Aspekte. Was passiert mit meinem Sponsorenvertrag, wenn die Spiele ausfallen? Falle ich aus der Sportförderung? Bin ich weiterhin im Olympiakader?", schrieb Hartung in einem Gastbeitrag für die Düsseldorfer "Rheinische Post" und ergänzte: "Werden die Spiele tatsächlich abgesagt, droht ganz vielen Athleten eine ganz, ganz große Unsicherheit."

Pflieger: Verschiebung wäre das Beste

Marathonläufer Philipp Pflieger wollte sich in Tokio den Traum von seinen zweiten Olympischen Spielen nach Rio erfüllen. Doch wie vielen seiner Kollegen kann er die Norm nicht erfüllen, weil alle Rennen abgesagt sind. Der 32-Jährige plädiert dafür, die Sommerspiele nicht wie geplant stattfinden zu lassen. "Ich halte eine Verschiebung um ein bis zwei Jahre inzwischen nicht nur für realistisch, sondern für das Beste", sagte der Regensburger, der für das LT Haspa Marathon Hamburg antritt. "Es gibt aktuell weltweit einfach wesentlich gravierendere Probleme, als dass der internationale Sportkalender eingehalten wird. So tragisch das auch im Einzelfall für Sportler in einem Olympia-Jahr sein kann. Das ist vielleicht schwer zu akzeptieren und dennoch leicht zu verstehen."

Bulmahn: Verschieben. Vielleicht auf 2022

400-Meter-Läuferin Linda Bulmahn vom VfL Eintracht Hannover sieht es genauso: "Ich glaube, dass die Fußball-Europameisterschaft in diesem Jahr der erste Schritt war, um nachzuziehen", sagte sie dem "Sportbuzzer". "Ich finde, dass die Spiele verschoben werden sollten. vielleicht auf 2022." Das IOC könne es sich nicht leisten, dass sich während Olympia auch nur ein einziger Sportler infiziere. "Alleine im olympischen Dorf wären so viele Athleten auf einem Haufen, dass die Ansteckungsgefahr sehr hoch wäre."

Stefanidi: Sorgen um die Gesundheit

Stabhochsprung-Olympiasiegerin Katerina Stefanidi ging mit dem IOC ebenfalls hart ins Gericht. "Das IOC möchte, dass wir weiterhin unsere Gesundheit, die Gesundheit unserer Familien und die öffentliche Gesundheit aufs Spiel setzen", schrieb die Griechin bei Twitter und wies auf die Ansteckungsgefahr hin, die durch den Alltag im Training gegeben sei.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 19.03.20 09:23 Uhr