01:39 min | 24.03.2020 | Das Erste

Kommentar: Entscheidung richtig, aber zu spät

Die Entscheidung, die Olympischen Spiele auf 2021 zu verschieben, ist richtig, hätte aber früher kommen müssen, meint Gerd Gottlob, NDR Sportchef und ARD-Olympia-Teamchef in seinem Kommentar.

IOC

Olympische Spiele in Tokio auf 2021 verschoben

Die Olympischen Spiele finden nicht in diesem Sommer, sondern erst 2021 in Tokio statt. Offiziell kam das IOC einer Bitte Japans nach. Zuletzt hatte es aber massiven Druck von Sportlern gegeben, Olympia aufgrund der Corona-Pandemie zu verschieben.

Die Olympischen Spiele in Tokio werden nicht wie geplant vom 24. Juli bis zum 9. August dieses Jahres stattfinden. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) beschloss am Dienstag (24.03.20), dass die Spiele wegen der Corona-Pandemie nun spätestens im Sommer 2021 ausgetragen werden sollen. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.

"Den Zeitrahmen haben wir noch nicht diskutiert. Es ist ein schwieriges Puzzle mit vielen Teilen", sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Als Grund für die beschleunigte Entscheidung zu einer Verschiebung nannte Bach die jüngsten Entwicklungen der Corona-Krise auf mehreren Kontinenten. So gebe es "alarmierende Zahlen in Südamerika und Ozeanien".

Paralympics ebenfalls erst im kommenden Jahr

Nach Angaben der Gouverneurin der Präfektur Tokio, Yuriko Koike, sollen die Wettkämpfe in einem Jahr weiter als "Tokio 2020" bezeichnet werden. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe erklärte, dass er und die Organisatoren in Tokio um eine Verschiebung gebeten hätten. "Ich habe vorgeschlagen, die Spiele um ein Jahr zu verschieben, und Präsident Bach hat dem zu 100 Prozent zugestimmt", so Abe.

Auch die Paralympischen Spiele, die vom 25. August bis 6. September ausgetragen werden sollten, werden auf 2021 verschoben.

UMFRAGE

Die Entscheidung, Olympia zu verschieben ist...

94,5%

richtig 

6914 Stimmen
1,4%

falsch 

99 Stimmen
4,2%

voreilig getroffen worden 

305 Stimmen

IOC: Gesundheit aller schützen

In einer offiziellen Erklärung hieß es: "Unter den gegenwärtigen Umständen und auf der Grundlage der heute von der WHO bereitgestellten Informationen sind der IOC-Präsident und der japanische Premierminister zu dem Schluss gekommen, dass die Spiele der XXXII. Olympiade in Tokio auf einen Zeitpunkt nach 2020, jedoch nicht später als im Sommer 2021 verschoben werden müssen, um die Gesundheit der Athleten, aller an den Olympischen Spielen Beteiligten und der internationalen Gemeinschaft zu schützen."

Druck von Sportlern und Verbänden

Offiziell kam das IOC also einer Bitte Tokios nach. Doch in den vergangenen Tagen war der Druck auf die "Herren der Ringe" immer größer geworden. Viele Sportler und Nationale Olympische Komitees hatten aufgrund der Corona-Pandemie eine Verlegung gefordert, zuletzt die USA, die traditionell die größte Olympia-Mannschaft stellen. Unter diesen Umständen war der ursprüngliche Termin in diesem Jahr nicht mehr zu halten.

DOSB begrüßt Entscheidung

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der zuletzt ebenfalls für einen neuen Termin plädiert hatte, erklärte: "Die nunmehr schnelle und klare Entscheidung zur Verschiebung der Olympischen und Paralympischen Spiele ist ein richtiger und enorm wichtiger Schritt für den internationalen Sport und die gesamte Weltgemeinschaft. Das hilft vor allem den Athleten, indem es den Trainings- und Qualifikationsdruck in dieser schwierigen Phase nimmt."

Novum in der Olympia-Geschichte

Die Verschiebung um ein Jahr ist ein Novum in der olympischen Geschichte. Seit den ersten Spielen der Neuzeit in Athen 1896 gab es lediglich insgesamt fünf Absagen während der Weltkriege: 1916 in Berlin, 1940 (Winter: Sapporo, Sommer: Tokio) sowie 1944 (Winter: Cortina d'Ampezzo, Sommer: London).

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 24.03.20 14:50 Uhr