Der russische Hochspringer Andrej Silnow bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking. © imago images / Xinhua

Doping

Russland, Doping und kein Ende: Olympiasieger ertappt

Das letzte aufsehenerregende Urteil vor dem Beginn der Coronavirus-Pandemie hat der Internationale Sportgerichtshof (CAS) am 28. Februar gesprochen: Gegen den chinesischen Schwimmstar Sun Yang wurde eine Dopingsperre von acht Jahren verhängt. Sobald der CAS in Lausanne seine regulären Geschäfte wieder aufnehmen kann, werden wohl als Erstes Akten gewälzt, die mit Dopingvorwürfen gegen Russland zu tun haben.

Russland setzt Tests aus

Wie so viele Dopingkontrollinstanzen weltweit hat auch die russische Antidopingagentur RUSADA ihre Tests vorerst ausgesetzt. Eine Regierungsauflage, denn Präsident Wladimir Putin ordnete als Maßnahme gegen die Corona-Krise eine arbeitsfreie Woche an. Die Kontrollinstanz setze ihre Arbeit aber weiter fort: "Sie können sich voll und ganz auf uns verlassen", versicherte RUSADA-Chef Juri Ganus am Samstag (28.3.2020).

CAS-Anhörung wohl nicht vor Ende Juni

Russland ist momentan darauf bedacht, dass aus Moskau kein falsches Wort zum Thema Doping dringt. Denn die CAS-Anhörung zur Berufung gegen die Sperre für internationale Großereignisse ist noch anhängig. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hatte den russischen Sport wegen der Manipulation von Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor für vier Jahre ausgeschlossen und auch eine Olympia-Sperre verhängt. Wegen der derzeit geltenden Reisebeschränkungen wird die Verhandlung in Lausanne wohl nicht vor Ende Juni beginnen. Die Forderung, das Verfahren öffentlich und damit transparent zu machen, hat der CAS zurückgewiesen.

McLaren-Report: Zwei Olympiasieger ertappt

Da kam es zur Unzeit, dass WADA-Sonderermittler Richard McLaren gerade jetzt weitere schwarze Schafe aus Russland ausfindig gemacht hat. Die unabhängige Integritätskommission AIU des Leichtathletik-Weltverbandes World Athletics teilte am Freitag (27.3.2020) mit, dass Andrej Silnow und Natalja Antjuch auf der Grundlage des McLaren-Reports angeklagt werden. Der Hochsprung-Olympiasieger von Peking und die 400-Meter-Hürden-Olympiasiegerin von London werden sich ebenso vor dem CAS verantworten müssen wie 1.500-m-Läuferin Jelena Sobolewa - eine Wiederholungstäterin - und Hammerwerferin Oxana Kondratjewa, Tochter von Hammer-Weltrekordler Juri Sedych und 100-m-Olympiasiegerin Ljudmila Kondratjewa.

Silnow war auch Funktionär

Alle vier belasteten Athleten sind nicht mehr aktiv, mögliche Sperren hätten nur Symbolcharakter. Allerdings könnten ihnen ihre Medaillen aberkannt werden. Der Fall Silnow ist zudem besonders pikant. Der heute 35-Jährige hatte nach seiner aktiven Karriere als Vizepräsident die Linie im russischen Leichtathletik-Verband mitbestimmt, bis er 2019 nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen ihn zurücktrat. 2016 hatte sich Silnow erfolglos um die Präsidentschaft im damals schon suspendierten Verband beworben. Er unterlag mit 31:36 Stimmen seinem Konkurrenten Dimitri Schljachtin, der wiederum im vergangenen November über die Vertuschungsaffäre um verpasste Dopingtests von Hochsprung-Star Danil Lyssenko stolperte und zurücktrat.

Coe kritisiert Kultur der russischen Leichtathletik

Der Leichtathletik-Weltverband hat die Daumenschrauben für Russland schon vor der CAS-Anhörung weiter angezogen und deutlich gemacht, dass Moskau nicht weiter auf Milde hoffen darf. Mitte März beschloss World Athletics, dass Russland bei den Olympischen Spielen in Tokio nur zehn Leichtathleten als neutrale Sportler entsenden darf. Dazu muss der russische Verband eine Strafe in Höhe von zehn Millionen Dollar (10,6 Millionen Euro) zahlen. Die Hälfte davon wurde zur Bewährung ausgesetzt. "Die vorherigen Maßnahmen haben eindeutig nicht ausgereicht, um die Kultur der russischen Leichtathletik zu verändern", sagte Weltverbands-Präsident Sebastian Coe.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 29.03.20 14:01 Uhr