Schwimmen

Wellbrock als Gejagter: "Ich kann es genießen"

Schwimmer Florian Wellbrock setzt eine Duftmarke für Tokio. Im Olympia-Podcast der ARD spricht er über seine Rolle als Favorit und das Coronavirus als Worst-Case-Szenario.

51:56 min | 24.02.2020 | NDR 2 | Autor/in: Cassalette, Moritz / Wittke, Fabian

ARD Olympia-Podcast: #8 Gefragt und gejagt

Florian Wellbrock schwimmt schon wieder auf der Erfolgswelle und grüßt die Konkurrenten. In Tokio bebt die Erde. Und zittert Tokio vor dem Coronavirus?

Kaum ein deutscher Sportler kann derzeit so entspannt in Richtung Tokio blicken wie Florian Wellbrock. Der Doppelweltmeister vom SC Magdeburg hat das Olympia-Ticket für seine Paradedisziplin, die zehn Kilometer im Freiwasser, in der Tasche. Zudem unterbot er schon im Februar die Norm für die Beckenwettbewerbe über die langen Freistilstrecken. Vor allem die 14:46,61 Minuten, die der gebürtige Bremer Anfang Februar in der Elbe-Schwimmhalle in Magdeburg über 1.500 Meter hinlegte, waren eine Kampfansage an die Konkurrenz. Es freut mich schon mal, dass ich so einen Gruß rund um die Welt schicken konnte mit der Zeit", sagt Wellbrock im ARD Olympia-Podcast "Go To Tokio To Go". "Ich weiß, dass die ganze 1.500-Meter-Welt so ein bisschen auf mich schaut, und ich jetzt momentan der Gejagte bin. Aber gerade verspüre ich eigentlich weniger Druck. Ich kann es genießen."

Coronavirus als Worst-Case-Szenario

Nach Platz drei beim Freiwasser-Weltcup in Doha über zehn Kilometer ist Wellbrock ins Höhentrainingslager gereist. Vier Wochen schuften in der Sierra Nevada in Spanien sind angesagt. Er hofft, dass er dort nicht nur seine blendende Form konservieren kann, sondern auch gesund bleibt. "Also erstmal bin ich sehr, sehr froh, dass ich diesen Winter nicht krank war. Die letzten zwei Jahre war ich im Winter immer krank", sagt er. Mit gemischten Gefühlen beobachtet er daher die Meldungen über das neue Coronavirus. "Ich war gerade in Doha, bin jetzt in Spanien - mit dem Flugzeug quer durch die Welt. Da muss man schon aufpassen. Ich kann mir nicht erlauben, mir das Coronavirus einzufangen. Das wäre das Worst-Case-Szenario vor den Olympischen Spielen." Mit Blick auf die Sommerspiele in Tokio habe er aber keine Bedenken: "Ich hoffe, dass sie es bis dahin wieder in den Griff bekommen."

Auch Freundin Sarah Köhler hat die Norm

Schwimmer Florian Wellbrock (l.) mit seiner Freundin Sarah Köhler © imago images / Camera 4

Gelten als neues Traumpaar im Schwimmen: Florian Wellbrock und Sarah Köhler.

Angenehm für Wellbrock ist, dass auch seine Freundin Sarah Köhler die Olympia-Norm über 800 und 1.500 Meter schon in der Tasche hat. Die beiden gelten als die einzigen Medaillenhoffnungen des Deutschen Schwimm-Verbandes in Tokio und als neues Traumpaar des Schwimmens seit Britta Steffen und Paul Biedermann. Passend dazu lässt Wellbrock sich von jenem Management betreuen, das schon Steffen/Biedermann vermarktet hat.

Bis jetzt hat der Schwimmer mit dem tätowierten Sinnspruch unter dem linken Schlüsselbein ("Genieß dein Leben ständig, du bist länger tot als lebendig.") das Mehr an Trubel wie bei der Bambi-Verleihung im November gut weggesteckt. Aber ein gestiegener Bekanntheitsgrad geht auch mit Veränderungen einher. "Er muss sich natürlich ein bisschen anpassen an dieses Ganze, was um ihn herum ist. Er kann sicherlich nicht mehr so offen agieren, wie er es vorher gemacht hat", sagt sein Trainer Bernd Berkhahn über den 22-Jährigen. "Und er ist an sich ja auch vom Alter her ein bisschen erwachsener geworden."

Pappbett, Mensa-Essen, rappelvoller Pool

Berkhahn ist klar, dass Wellbrocks Anspannung steigen wird, je näher die Spiele rücken. "Olympische Spiele bedeutet, man ist mit jemandem zusammen im Appartement auf einem Pappbett. Und man kriegt Essen, was man vielleicht nicht mag in der Mensa", sagt der Coach. "Man muss viel laufen und man fährt mit dem Bus mit vielen anderen Sportlern. Man kommt zu einem Pool, der randvoll ist, man kann sich nicht vernünftig einschwimmen. Olympische Spiele sind von den Bedingungen her nie optimal ."

Seinen Job sieht Berkhahn darin, seinen Schützling auf alle Eventualitäten vorzubereiten und ihm die Nervosität zu nehmen. Aber er wird auch dafür sorgen, dass Wellbrocks ausgeprägtes Selbstbewusstsein bis Tokio vielleicht noch ein bisschen größer wird: "Wenn man als Weltmeister hinfährt, dann sollte man eigentlich schon sagen, dass die Chancen ganz gut sind."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 24.02.20 10:18 Uhr