02:52 min | 25.03.2020 | Das Erste | Autor/in: Barbara Jung

Japan bringt das größte Opfer

Japan und Tokio, die Ausrichterstadt der Olympischen Spiele, trifft die Olympiaverschiebung hart. Die Kosten liegen insgesamt im Milliardenbereich. Viele Händler befürchten Verluste.

IOC

Wo ist im Super-Sportjahr 2021 Platz für Olympia?

Die Taskforce hat übernommen. Nachdem sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) und Gastgeber Japan auf eine Verlegung der Sommerspiele ins kommende Jahr verständigt haben, heißt es "Here we go" (Los geht's). Das Krisenteam soll möglichst schnell Antworten auf die drängendsten Fragen finden - zuvorderst: Wann findet Olympia 2021 überhaupt statt?

Viele Funktionäre und Athleten hatten sich bereits zur Olympia-Verschiebung geäußert, da schaltete sich am Mittwoch (25.03.2020) auch noch Donald Trump in die Diskussion über Für und Wider ein. Der US-Präsident gratulierte dem japanischen Premierminister Shinzō Abe standesgemäß via Twitter zu einer "sehr weisen Entscheidung". Trump war sich bereits sicher, dass "Olympia im Jahr 2021 ein großartiger Erfolg" werde. Und er freue sich schon jetzt, dabei zu sein.

Terminkalender platzt aus allen Nähten

Für "Here we go", das Gremium besteht aus Mitgliedern der IOC-Koordinierungskommission sowie vom Organisationskomitee Tokio 2020, hingegen hat die Arbeit gerade erst begonnen. Zunächst gilt es, einen neuen Termin zu finden. In enger Abstimmung mit den Sportverbänden, von denen viele im kommenden Jahr längst Pläne für Großveranstaltungen gemacht haben. Auch ohne Olympia und Paralympics platzt der Sport-Terminkalender bereits aus allen Nähten. Die Ansage des IOC, die Spiele "spätestens im Sommer 2021" auszutragen, lässt viel Spielraum für Spekulationen - und Olympische Frühjahrsspiele möglich erscheinen.

Groß-Veranstaltungen im Super-Sportjahr 2021
ZeitraumEventOrt
14. - 31. JanuarHandball-WMÄgypten
18. - 31. JanuarAustralian Open/TennisMelbourne
7. FebruarSuper Bowl/American FootballTampa/USA
24. Mai - 7. JuniRoland Garros/TennisParis
11. Juni - 11. JuliFußball-EM der MännerZwölf Städte in UEFA-Mitgliedsländern
28. Juni - 11. JuliWimbledon/TennisLondon
2. - 25. JuliTour de France/RadsportFrankreich
7. Juli - 1. August (soll verlegt werden)Fußball-EM der FrauenEngland
16. Juli - 1. AugustSchwimm-WMFukuoka/Japan
6. - 15. AugustLeichtathletik-WMEugene/USA
30. August - 13. SeptemberUS-Open/TennisNew York
2. - 19. SeptemberBasketball-EMDeutschland, Georgien, Italien, Tschechien

Im Sommer reiht sich ein Event ans nächste

Ab Ende Mai und dem Beginn der French Open im Tennis reiht sich eine Großveranstaltung an die nächste. Mehrere Events überlappen sich bereits, wie Wimbledon, die Fußball-EM der Männer und die Tour de France der Radprofis. Letztere findet zudem nach jetzigem Stand teilweise zeitgleich mit der Schwimm-WM statt. Durch die Verlegung der EM der Männer sollen die Fußballerinnen, deren Europameisterschaft ursprünglich vom 7. Juli bis 1. August geplant war, einen neuen Termin erhalten.

Würden die Olympischen Spiele einfach um ein Jahr verschoben (24. Juli bis 9. August), müssten neue Termine für die Leichtathletik- und die Schwimm-WM gefunden werden. Auch die Fußballerinnen würden eigentlich in diesem Zeitfenster spielen. In allen drei Sportarten werden bei Olympia auch Medaillen vergeben.

Zudem gilt es, die Termine der Para-Athleten zu bedenken. So soll im nächsten Sommer zum Beispiel eigentlich die Para-Leichtathletik-WM im japanischen Kobe ausgetragen werden. Allerdings wurde bisher kein genauer Zeitraum kommuniziert. Die Paralympics sollten in diesem Jahr ursprünglich vom 25. August bis 6. September stattfinden.

Olympia zur japanischen Kirschblüte?

Die Lösung für die Terminprobleme im Sommer könnte eine Verlegung ins Frühjahr 2021 sein. Im April oder Mai ist es in Tokio deutlich kühler als im schwülheißen August. Ohnehin gilt Japan zur Kirschblüte als besonders reizvoll. Von Mitte März bis Ende Mai blühen im Land der aufgehenden Sonne die Kirschbäume. Vom Süden bis rauf in den hohen Norden breitet sich traditionell alljährlich Volksfeststimmung in ganz Japan aus.

Bach: "Alle Optionen liegen auf dem Tisch"

"Es ist nicht beschränkt auf die Sommermonate. Alle Optionen bis zum Sommer 2021 liegen auf dem Tisch", hat IOC-Präsident Thomas Bach wohlweißlich bereits angekündigt. Am Donnerstag (26.03.2020) wollen sich die olympischen Krisenmanager, die Bach um ihre Aufgabe "nicht beneidet", in einer gemeinsamen Telefonschalte mit allen 33 internationalen Sportfachverbänden abstimmen. "Das ist der erste Schritt. Dann müssen wir schauen, welche Optionen wir haben", sagte der 66-Jährige. "Ich denke, wir sollten so schnell wie möglich zu einer Lösung kommen. Aber erste Priorität hat die Qualität dieser Entscheidung." Bach sprach von "enormen Herausforderungen", die in Zeiten des Home Office nicht einfacher zu regeln sein.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 26.03.20 09:32 Uhr