
Hinter den Kulissen
Paralympics-Werkstatt arbeitet auf Hochtouren
von Florian Neuhauss, sportschau.de
Manchmal müssen auch die Mechaniker in der Paralympics-Werkstatt passen. Dann wird eine kaputte Prothese auch mal ausgetauscht. Ansonsten arbeitet das Werkstatt-Team in Rio fast rund um die Uhr daran, die Aufträge der Athleten abzuarbeiten.
Mal brauchen Krücken einfach einen neuen Gummifuß, mal müssen Rollstuhlkissen genäht werden. Aber auch Schweißarbeiten und der Bau neuer Prothesen stehen auf dem Plan. 1.589 Reparaturen aller Art haben die Mechaniker in der Werkstatt von Ottobock im Paralympischen Dorf bis Sonntagabend (Ortszeit) schon abgearbeitet. Zahlreiche Athleten sind vorstellig geworden. Deshalb ist es nicht nur wichtig, dass das Team groß, sondern auch sprachlich breit aufgestellt ist. Die 77 Mechaniker kommen aus 29 verschiedenen Ländern und sprechen 26 Sprachen. Weil auch einige Frauen zum Team gehören, kann man auch Athletinnen gerecht werden, die aus religiösen und ethischen Gründen sonst nicht kommen würden.
"Unser Service wird sehr gut angenommen. Dabei kommt es an, dass wir innovativ und flexibel sind", erklärt Peter Franzel im Gespräch mit sportschau.de. Zusammen mit André Müller ist er für die Organisation der Werkstatt zuständig und schildert: "Da beraten sich ein Mexikaner und ein Schwede, dann kommt noch ein Japaner dazu, um das Problem zu lösen." Viele Athleten kommen direkt nach dem Essen vorbei, weil die Werkstatt direkt neben der großen Kantine des Dorfes untergebracht ist. "Normalerweise müssen wir mit unseren Patienten auch psychologisch arbeiten, weil sie mit einem schlimmen Trauma zu uns kommen", sagt der Technische Direktor Julian Napp. "Mit den Sportlern hier ist das anders. Wir helfen ihnen dabei, ihre sportlichen Träume zu erfüllen - das macht viel Spaß."
Neuer Abschnitt
Paralympics
Ein Besuch in der Werkstatt im Paralympics-Dorf
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Irgendwann bricht auch das härteste Aluminium. In diesen und vielen anderen Fällen können sich die Athleten auf die Werkstatt im Paralympischen Dorf verlassen.
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15.000 Ersatzteile hat die Firma Ottobock schon im Mai per Schiff auf den Weg nach Rio geschickt.
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Darunter sind diverse Reifen und Schläuche für Rollstühle, ...
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... verschiedene Stoffe und andere Materialien.
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Nicht zu vergessen sind die 18 Tonnen Ausrüstung, zu der Werkzeug und Werkbänke gehören.
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Zum schweren Gerät gehören Schleifgeräte, ...
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... eine elektronische Säge und ...
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... auch ein Schweißgerät.
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Schon vor der Eröffnungsfeier waren 850 Reparaturen in der Werkstatt zu verrichten. Vom Nähen eines Kissens bis zum Schweißen am Rollstuhl.
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Insgesamt kümmern sich 77 Mechaniker aus 29 Ländern um die zu verrichtenden Arbeiten. In 26 Sprachen kann mit den Athletinnen und Athleten in der Werkstatt gesprochen werden.
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Immer wieder muss auch an Prothesen gearbeitet werden. Hier wurde ein Gipsabdruck von einem Beinstumpf genommen und daraus eine Plastik erstellt.
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Thermoplastik wird dann in einem speziellen Ofen erhitzt und über das Stumpfmodell gestülpt.
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Heraus kommt ein sogenannter Testschaft. Weil dieser durchsichtig ist, lässt sich gut erkennen, wo an der neuen Prothese noch gearbeitet werden muss.
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Am Ende steht dann die einsatzbereite Prothese. Diese hier dient dazu, einer einarmigen Sprinterin beim Schwingen der Arme ein Gegengewicht zum gesunden Arm zu geben.
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Manchmal fragen sich die Mechaniker aber auch, wo sie überhaupt anfangen sollen mit dem Reparieren - und tauschen dann eine Prothese auch einfach aus.
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Schon jetzt stellen sich die Mechaniker auf die kommenden Spiele ein. Kurios: Die Uhren zeigen die gleiche Zeit: Während es im koreanischen Pyeongchang und in Japans Hauptstadt Tokio 1.40 Uhr in der Nacht ist, hängt Rio zeittechnisch genau zwölf Stunden hinterher.
15.000 Ersatzteile, 18 Tonnen Ausrüstung
Drei 40-Fuß-Container wurden schon im vergangenen Mai von Bremerhaven per Schiff nach Rio geschickt. Darin: 15.000 Ersatzteile, zum Beispiel 70 Sprintfedern und 300 Prothesenfüße. Zu den 18 Tonnen Ausrüstung gehören auch Werkbänke und schwere Werkzeuge. Das Werkstatt-Team ist am 25. August angekommen, bis zur Eröffnung des Paralympischen Dorfes am 28. August war alles aufgebaut. Bis zur Eröffnungsfeier am 7. September waren bereits 850 Reparaturen notiert. Neben der Hauptwerkstatt im Dorf gibt es 14 Servicepunkte an den Wettkampfstätten, um schnelle Hilfe geben zu können. Braucht jemand außerhalb der Öffnungszeiten (7 bis 23 Uhr) einen Ansprechpartner, gibt es auch noch ein Notfalltelefon, das Franzel bei sich trägt: "Es hat aber bisher nicht geklingelt."
Versorgung der Athleten seit 1988
Große Leichtathletik-Nationen haben ihre eigenen Mechaniker gleich mitgebracht. Neben Deutschland (Thomas Kipping) unter anderem auch die Niederlande oder die USA. Weil sich die handelnden Personen mittlerweile so lange kennen, haben auch die externen Techniker in der Halle die "Lizenz zum Schrauben", wie es Franzel nennt. Wichtig: Ottobock aus dem niedersächsischen Duderstadt ist seit 1988 bei Paralympics dabei, damals waren die Sprintprothesen neu. Seitdem wurde der Service fortwährend ausgebaut. Für die Athleten ist alles kostenlos - und auch andere Marken werden repariert.
Stand: 12.09.16 09:21 Uhr
Medaillenspiegel
Platz | Land | G | S | B |
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1. |
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107 | 81 | 51 |
2. |
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64 | 39 | 44 |
3. |
|
41 | 37 | 39 |
4. |
|
40 | 44 | 31 |
5. |
|
22 | 30 | 29 |
6. |
|
18 | 25 | 14 |
7. |
|
17 | 19 | 26 |
8. |
|
14 | 29 | 29 |
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