14:57 min | 25.08.2021 | Das Erste

Bahnrad: Schindler holt Paralympics-Bronze in der Verfolgung

Bahnrad

Radsportlerin Denise Schindler gewinnt erste deutsche Paralympics-Medaille

Erste Entscheidung in Tokio - und gleich die erste deutsche Medaille: Die ehemalige Rad-Weltmeisterin Denise Schindler hat bei den Paralympics in der Bahn-Verfolgung über 3.000 Meter Bronze gewonnen.

Die 35-jährige Schindler setzte sich am Mittwoch (25.08.2021) im kleinen Finale deutlich gegen die US-Amerikanerin Clara Brown durch. Mit persönlicher Bestzeit von 3:55,120 Minuten überquerte sie die Ziellinie und jubelte frenetisch - über Bronze und die Traumzeit. "Ich bin einfach nur happy und dankbar. Eine 3:55 rauszuhauen, ist der Wahnsinn. Eine Medaille gleich im ersten Rennen - mir sind so viele Steine vom Herzen gefallen", sagte Schindler.

Schwerer Trainingssturz

Dabei hätte ein Stein ihre Paralympics-Teilnahme fast verhindert: Im Training stürzte die gebürtige Chemnitzerin und verletzte sich dabei. "Auf dieser Straße lag ein großer Stein, da bin ich so drübergeballert. Mein Gesicht ist voll eingeschlagen. Ich sah ein bisschen schlimm aus vor einer Woche", sagte Schindler nach dem Rennen im Sportschau-Interview über den Sturz. "Ich glaube, im Endeffekt hat er mich noch mehr motiviert." Den Stein habe sie auf dem Hotelzimmer, die Medaille solle nun daneben einen Ehrenplatz bekommen.

"Magische Schallmauer" durchbrochen

Vor Beginn der Spiele hatte sie im Sportschau-Interview als "oberste Zielstellung" das Knacken der Vier-Minuten-Marke genannt. Schon in der Qualifikation der Startklasse C3 sorgte sie in 3:57,625 Minuten für eine Fabelzeit. Das Finale verpasste sie nur um knapp zwei Sekunden. "Wahnsinn, das war mein großer Traum, darauf habe ich jetzt so lange hingearbeitet, das war irgendwie eine magische Schallmauer, wo man nie drunter kam, und jetzt habe ich es hier geschafft", freute sich Schindler.

04:22 min | 25.08.2021 | Das Erste

Bronze-Gewinnerin Schindler im Sportschau-Gespräch

Denise Schindler gewinnt bei den Paralympics Bronze. Im Sportschau-Gespräch berichtet die Bahnradfahrerin über ihren Erfolg.

Im Kampf um Platz drei steigerte sich die "Killerbiene", wie sie genannt wird, weil sie im Rennen alles aus sich herausholen kann, noch einmal. Sie lag von Beginn an in Führung und war in allen Runden schneller als ihre Kontrahentin.

"Traum wird wahr"

Ein lauter und langer Schrei entfuhr Schindler nach dem Überqueren der Ziellinie. "Der ganze Druck, die ganze Last, das ganze Auf und Ab fiel ab", erklärte Schindler später im Sportschau-Interview. "Ich hatte die letzten anderthalb Jahre viele Probleme, hatte viele Entzündungen am Stumpf", sagte die für den BPRSV Cottbus startende jetzt vierfache Paralympics-Medaillengewinnerin. "Es ist ein Traum, der wahr wird."

Rekordjagd im Velodrom

Überhaupt ging es im Izu Velodrom rasend schnell zu: In der Qualifikation stellte erst die Chinesin Xiaomei Wang eine Bestmarke auf (3:55,781 Minuten), dann konterte Quali-Siegerin Paige Greco aus Australien, die im Finale sogar noch einmal einen oben draufsetzte: Sie gewann Gold in Weltrekordzeit von 3:50,815 Minuten.

Medaille auf der Bahn ist eine Premiere

Für die Diplombetriebswirtin Schindler ist es die erste Paralympics-Medaille auf der Bahn. Auf der Straße sammelte sie bei ihren vergangenen zwei Teilnahmen bereits zweimal Silber und einmal Bronze.

Schindler war als Zweijährige unter eine Straßenbahn gerutscht, ihr Unterschenkel musste amputiert werden. Im Kindergarten und in der Schule wurde sie wegen ihrer Behinderung gehänselt. Es sei "sehr hart" gewesen, so Schindler, die froh ist, den Sport für sich entdeckt zu haben.

Ergebnisse

Radsport Bahn, Einzelverfolgung, 3000 m, C1-3 - Frauen

Gold Flagge Australien AUS Paige Greco
Silber Flagge Volksrepublik China CHN Xiaomei Wang
Bronze Flagge Deutschland GER Denise Schindler
4. Flagge USA USA Clara Brown
5. Flagge Japan JPN Keiko Sugiura

Bahnrad: Kruse und Förstemann steigen aus

Vor Schindlers Erfolg hatten der sehbehinderte Kai-Kristian Kruse und sein Pilot Robert Förstemann bei den Paralympics das Verfolgungsrennen über 4.000 Meter in der Leistungsklasse B auf der Bahn vorzeitig beendet. Das Duo hatte die Aufgabe nach Sportschau-Informationen geplant, das Rennen galt demnach nur Testzwecken. In der vergangenen Woche waren die beiden Deutschen im Training gestürzt, Kruse hat immer noch mit Einblutungen zu kämpfen. Der Fokus der beiden Deutschen liegt auf dem 1.000-Meter-Zeitfahren am Samstag (28.08.2021).

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Paralympics Tokio 2020 | 25.08.2021 | 09:05 Uhr

Stand: 25.08.21 07:21 Uhr