
Michael Johnsons historischer Sieg
Gold über die Viertelmeile hat er schon. Doch Weltmeister Michael Johnson will auch auf der halben Stadionrunde gewinnen. Das schafft er auch, mit einem fantastischen Weltrekord. "Ich wollte in die Geschichte eingehen. Und beim Ausgang der Kurve wusste ich, dass ich noch nie so schnell gelaufen war." So schildert der US-Langsprinter nach seinem Sieg über 200 Meter den Verlauf eines wahrhaft historischen Rennens. 19,32 Sekunden, ein sensationeller Weltrekord, 34 Hundertstel schneller als seine eigene Bestmarke zuvor, eine neue Dimension. "Whoooooosh", titelt die Tageszeitung "Atlanta Journal-Constitution" ebenso knapp wie treffend. Und: Nie zuvor hat ein (männlicher) Athlet bei Olympischen Spielen sowohl die 400 als auch die 200 Meter für sich entschieden. Mit zweimal Gold ist Johnson der Top-Athlet der Spiele von Atlanta; der Französin Marie-José Pérec gelingt derselbe Coup.
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Geschichte
Das war Olympia 1996 in Atlanta
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Das Plakat der Olympischen Spiele von 1996 in Atlanta.
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Es ist der anrührendste Moment der Spiele: Box-Legende Muhammad Ali, schwer von einer langjährigen Parkinson-Krankheit gezeichnet, steht zitternd und strahlend auf dem Podest und entzündet das olympische Feuer.
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Schwungvoll zum Gold: Reck-Olympiasieger Andreas Wecker aus Berlin.
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Der Russe Alexander Popow dominiert die Sprintdistanzen: Gold über 50 m Freistil, Gold über 100 m Freistil, Silber mit der 4 x 100-m-Freistil-Staffel sowie mit der 4 x 100-m-Lagen-Staffel.
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Atlanta sind bereits ihre fünften Spiele, doch eine Goldmedaille bleibt Merlene Ottey erneut verwehrt. Die Läuferin aus der Karibik wird über 100 und 200 Meter jeweils Zweite.
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Der weibliche Leichtathletik-Star in Atlanta: Die Französin Marie-Jose Perec siegt über 200 und 400 Meter. Die "Grande Nation" hat endlich wieder eine Heldin und feiert sie als "die Göttliche".
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In einem spannenden Weitsprung-Finale setzt sich Carl Lewis (USA) durch - sein vierter Weitsprungsieg bei Olympia in Folge und seine insgesamt neunte Goldmedaille.
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Team-Gold bei den Springreitern: Lars Nieberg mit For Pleasure, Franke Sloothaak (Joly), Ludger Beerbaum (Ratina Z) und Ulrich Kirchhoff (Jus de Pommes, v.l.).
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Michael Johnson lässt es krachen: Der US-Star erreicht bei seinem spektakulären Weltrekordlauf über 200 m eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 37,267 km/h.
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"Ich bin stolz auf meine 8.706 Punkte". Zehnkämpfer Frank Busemann (l.) wird hinter Dan O'Brien (USA) überraschend Zweiter.
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Das Attentat auf die Spiele: Am 27. Juli um 01.19 Uhr beendet die Detonation einer Rohrbombe im Olympic Park den olympischen Frieden. Eine Frau stirbt, 111 Menschen werden zum Teil schwer verletzt.
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"The games will go on", erklärt IOC-Generaldirektor Francois Carrard. So geschieht es: Kugelstoß-Weltmeisterin Astrid Kumbernuss aus Neubrandenburg stößt zum Gold.
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69,66 m - mit dem Olympiasieg krönt die Chemnitzerin Ilke Wyludda ihre lange und erfolgreiche Diskuswurf-Karriere.
Konkurrenz fassungslos
"Noch nie in meinem Leben habe ich vor einem Rennen so einen großen Druck gespürt", gibt der diplomierte Marketing-Fachmann nach dem Weltrekord Einblick in sein Innenleben. "Aber ich habe immer gesagt, dass ich den Druck brauche, um Höchstleistungen zu bringen. Ich liebe es, Angst in den Startblöcken zu haben. Und ich hatte wirklich Angst." Nötig ist die Angst nicht. Schon der Zweitplatzierte, der Namibier Frankie Fredericks, kommt mit einem Rückstand von 36 Hundertstel ins Ziel. "Mir fehlen die Worte", meint der Silbermedaillengewinner fassungslos. Der sonst so "coole" Johnson gibt indes alle Zurückhaltung auf, fällt auf die Knie, küsst die Bahn, bricht in Jubel aus und schließt bei der Ehrenrunde seine Eltern in die Arme.
Manager seines Nachfolgers
Schon vier Tage zuvor ist sein 400-Meter-Sieg in 43,49 Sekunden eine Demonstration der Stärke: Der zweitplatzierte Brite Roger Black hat im Ziel fast eine Sekunde Rückstand. Und schon da zeigt Johnson Gefühle. Sonst auch nach Siegen eher nüchtern, schleudert der Mann mit dem unnachahmlich aufrechten Laufstil seine goldenen Rennschuhe ins Publikum. Die Spiele in Atlanta machen den Texaner zum Superstar der Leichtathletik. Immer wiederkehrende Dopinggerüchte weist er energisch zurück: "Wenn man deutlich schneller ist als andere, versuchen sie immer, einem etwas anzuhängen", ist sein Motto. Trotz aller Erfolgserlebnisse hat der Sport für Johnson "wenig mit Spaß zu tun. Es ist ein Geschäft und eine harte Herausforderung, die ganz einfach darin besteht, immer schneller zu laufen als die anderen. Wenn das klappt, dann laufen die Geschäfte außerhalb des Sports. Und das ist mir wichtig. Schließlich will ich nicht mein Leben lang rennen, um meine Rechnungen zu bezahlen."
Das ist auch nicht nötig. Mit fünfmal Olympia-Gold, neun WM-Titeln und den Weltrekorden über 200 und 400 Meter geht Johnson im Alter von 34 Jahren nach der WM-Saison 2001 in den vorläufigen "Ruhestand". Doch der Leichtathletik bleibt er treu: als Manager seines olympischen Nachfolgers Jeremy Wariner.