Anita Wlodarczyk

Anita Wlodarczyk - Die 80-Meter-Frau aus Polen

Land: Polen Flagge Polen

Steckbrief

geb. am: 08.08.1985
in Rawicz
Größe: 178 cm
Gewicht: 95 kg
Verein: RKS SKRA Warszawa
Trainer: Krzystof Kaliszewski

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
82,98 m (2016/WR)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
Gold 2016
Gold 2012

Weltmeisterschaften:
Gold 2017
Gold 2015
Silber 2013
Gold 2009

Europameisterschaften:
Gold 2016
Gold 2014
Gold 2012
Bronze 2010


Diskus oder Hammer? Anita Wlodarczyk konnte sich lange nicht entscheiden. Mittlerweile hat die Polin allerdings das Hammerwerfen zu ihrer Paradedisziplin gemacht - zum Leidwesen ihrer Konkurrentinnen.

Der 1. August 2015 war ein historischer Tag für den Hammerwurf. Als erste Frau in der Geschichte dieser Disziplin durchbrach Anita Wlodarczyk die 80-Meter-Marke. Sagenhafte 81,08 m warf die Polin im heimischen Cetniewo und verbesserte ihren eigenen Weltrekord von Ende 2014 (79,58) um eineinhalb Meter. "Ich habe lange auf diesen Moment gewartet. Es ist ein unglaubliches Gefühl, als erste Frau über 80 Meter geworfen zu haben", jubelte Wlodarczyk. Für die dominierende Athletin war es bereits der vierte Weltrekord ihrer Karriere, dem im Olympia-Jahr 2016 weitere folgen sollten. Schon Ende Juni 2015 hatte die Polin beim Meeting "Rzuty przez Odre", bei dem die Werfer ihre Wettkampf-Geräte über die Oder schleudern, 79,83 m erzielt. Diese Bestmarke wurde aber nicht als Weltrekord anerkannt. Bei der WM in Peking durchbrach sie die 80-m-Schallmauer weitere zweimal und holte sich mit 80,85 m zum zweiten Mal nach 2009 den Titel.

Leistungsexplosion nach dem Abschied vom Diskus

Dabei sah es lange gar nicht danach aus, dass Wlodarczyk den Sprung in die Weltspitze überhaupt schaffen könnte: Die in der westpolnischen Stadt Rawicz geborene Tochter eines Radsportlers und einer Leichtathletin war zunächst zweigleisig unterwegs, als Diskus- und Hammerwerferin. Erst als sich Wlodarczyk 2008 endgültig vom Diskus verabschiedete - ihre persönliche Bestleistung liegt bei 52,26 m - wurde sie im Hammerwerfen schnell besser. Innerhalb von 14 Monaten, zwischen Juni 2008 und August 2009, verbesserte die 1,78 Meter große Athletin ihre persönliche Bestleistung im Hammerwurf von respektablen 72,80 m auf großartige 77,96 m. Diese Weite im WM-Finale von Berlin bedeutete ihren ersten Weltrekord.

Verletzung beim Gold-Jubel von Berlin

Hammerwerferin Anita Wlodarczyk feiert ihren WM-Titel in Berlin 2009. © imago/East News

Hammerwerferin Anita Wlodarczyk feiert ihren WM-Titel in Berlin 2009.

Der Titelgewinn 2009 hatte für die Polin allerdings ein kurioses Nachspiel: Bei ihrem Siegesjubel im Olympiastadion knickte sie unglücklich um. Die bittere Folge: Das Ende der Saison, eine Operation und zwei Monate Trainingsrückstand in der Vorbereitung auf die EM in Barcelona. In der katalanischen Metropole peilte Wlodarczyk den zweiten großen Titelgewinn ihrer Karriere an. Allerdings: Eine Rückenverletzung verhinderte zuvor ihren Start bei den nationalen Meisterschaften. "Anita wird nicht nach Barcelona fahren, wenn sie nicht in der Lage ist, um die Goldmedaille zu werfen", kündigte ihr Coach daraufhin trotzig an. Die Polin trat an, war aber immer noch gehandicapt. Trotzdem warf sie den Hammer noch weit genug, um mit 73,56 m hinter Betty Heidler und Tatjana Lysenko Bronze zu gewinnen. Bei der WM in Daegu 2011 belegte die Polin mit für ihre Verhältnisse bescheidenen 73,56 m nur den fünften Platz.

Lysenko positiv - Wlodarczyk Olympiasiegerin

Im Olympia-Jahr 2012 holte sie sich zunächst ohne große Mühe EM-Gold. Für den Triumph in Helsinki reichten ihr schon 74,29 m. Nach dem überraschenden Qualifikations-Aus von Heidler legte sie im Finale einen "Start-Ziel-Sieg" hin: Vom ersten Versuch an lag sie in Führung, baute sie aus und fuhr den Erfolg souverän ein. Bei den Spielen in London ließ sie Heidler erneut hinter sich, musste allerdings auf dem Treppchen Lysenko den Vortritt lassen, ebenso wie bei der WM 2013 in Moskau. In Abwesenheit der starken Russin sprang für die Polin bei den Europameisterschaften 2014 in Zürich abermals Gold heraus. Olympiasiegerin von London darf sich Wlodarczyk mittlerweile trotzdem nennen. Siegerin Lysenko wurde bei Nachtests des Dopings überführt, das Gold ging an die Polin.

2016: Ein Jahr der absoluten Dominanz

2016 wurde ein ganz spezielles Jahr. Los ging es mit einer Siegesserie in Ostrau, Halle, Forbach, Samorín, Montreuil-sous-Bois und Stettin - und zwar jeweils mit Weiten, die in der Saison noch keine andere Athletin geworfen hatte. Alles andere als ihr drittes EM-Gold in Amsterdam wäre folglich eine Riesenüberraschung gewesen. Und so schnappte sie sich mit einer Weite von 78,14 m erwartungsgemäß den Titel. Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro war die Konkurrenz einmal mehr chancenlos. Die Polin siegte nicht nur, sondern überbot mit 82,29 m ihren eigenen Weltrekord um satte 1,21 m.

Bestand hatte der Rekord allerdings nur 13 Tage - dann verbesserte ihn Wlodarczyk daheim in Warschau auf 82,98 m. Auch dabei trug sie den Handschuh ihrer verstorbenen Freundin, der polnischen Hammerwurf-Olympiasiegerin von 2000, Kamila Skolimowska. Sie war 2009 während eines Trainingslagers in Portugal an den Folgen eines Blutgerinnsels gestorben. Die Wurfhandschuhe sind seither Wlodarczyks Talisman: "Sie sind mein ständiger Begleiter bei jedem Wettkampf - und das werden sie auch bleiben".

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 01.08.17 10:48 Uhr