
Blanka Vlasic - Leuchtende Höhen, deprimierende Tiefen
Steckbrief
in Split
Größe: 193 cm
Gewicht: 75 kg
Verein: ASK Split
Trainer: Josko Vlasic, Bojan Marinovic
Sportliche Eckdaten
2,08 m (2009/NR)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:Silber 2008
Weltmeisterschaften:
Silber 2015
Silber 2011
Gold 2009
Gold 2007
Europameisterschaften:
Gold 2010
Überragend! So könnte man Blanka Vlasic mit einem Wort beschreiben. Sportlich ist die Kroatin mit zehn Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften eine Ausnahmekönnerin - und dank ihrer Körpergröße von 1,93 m auch sonst nicht zu übersehen. Mit ihrer Bestleistung von 2,08 m liegt sie in der ewigen Bestenliste nur einen Zentimeter hinter Weltrekordlerin Stefka Kostadinowa.
Die Hochspringerin Blanka Vlasic ist ein sehr gläubiger Mensch. Und so war es keine große Überraschung, dass die Kroatin nach ihrem ersten Zwei-Meter-Sprung im Freien seit mehr als einem Jahr Anfang Juli 2014 in Paris ein Stoßgebet gen Himmel schickte. "Ich danke Gott, dass er mir die Möglichkeit gegeben hat zurückzukommen", sagte sie. "Ich war nicht sicher, ob es richtig ist, ein Comeback zu wagen." Bitter für die Kroatin: Kurz vor der EM in Zürich folgte der nächste Rückschlag. Wegen eines entzündeten Bandes im rechten Knie musste Vlasic auf einen Start verzichten. Ihre Rückkehr auf die große Bühne konnte sie erst ein Jahr später bei der WM in Peking feiern - mit 2,01 m holte sie im "Vogelnest" Silber.
Neuer Abschnitt
Hochsprung
Blanka Vlasic - Glamourgirl mit Kämpferherz
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Blanka Vlasic gehört zu den erfolgreichsten und konstantesten Hochspringerinnen der Leichtathletik-Geschichte. Die Kroatin hatte in ihrer Karriere aber auch schon einige Rückschläge zu verkraften.
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Vlasic (r.) betritt die große Leichtathletik-Bühne mit 16 Jahren. Bei Olympia in Sydney belegt sie Platz 17. Vier Jahre später hält sie bei der Hallen-WM in Budapest Bronze in der Hand.
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Zwei-Meter-Sprünge zeigt sie schon im Jahr 2003. Bei ihren zweiten Olympischen Spielen 2004 in Athen verbessert sie sich aber nur leicht im Vergleich zu ihrem Debüt - Platz elf. Zwei Jahre später holt sie bei der Hallen-WM 2006 in Moskau Silber.
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Der Durchbruch gelingt ihr ein Jahr später mit einem spektakulären Sprung. Beim Super Grand Prix in Stockholm gewinnt sie mit einer Höhe von 2,07 m. Nur zwei Zentimeter fehlen ihr noch zur bulgarischen Weltrekordlerin Stefka Kostadinowa.
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Einen Monat später fließen Tränen des Glücks bei der Kroatin. In Osaka wird sie erstmals Weltmeisterin.
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Sie reist als Favoritin zu ihren dritten Olympischen Spielen in Peking 2008. Sie liefert im "Vogelnest" einen hochklassigen Wettkampf ab und überspringt im zweiten Versuch 2,05 m, ...
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... doch zu Gold reicht es nicht, denn die Belgierin Tia Hellebaut meistert diese Höhe schon im ersten Anlauf und wird Olympiasiegerin.
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Ein Hochsprung-Spektakel gibt es ein Jahr später auch bei der WM in Berlin. Vlasic muss sich nicht nur des Angriffs der Russin Anna Tschitscherowa (r.) erwehren.
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Das Publikum, das dem kroatischen Glamourgirl sonst so zugeneigt ist, feuert vor allem Lokalmatadorin Ariane Friedrich (r.) an.
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Doch Vlasic behält die Nerven, springt 2,04 m und damit zwei Zentimeter höher als Tschitscherowa und Friedrich, für die Bronze bleibt.
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Auch bei der Europameisterschaft 2010 in Barcelona muss sich Friedrich (r.) mit Bronze begnügen. Vlasic jubelt erneut über Gold.
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2011 findet Vlasic bei der WM in Daegu ihre Meisterin in Tschitscherowa.
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Während sich Tschitscherowa in London 2012 auch als Olympiasiegerin feiern lässt, steckt Vlasic in einer von Krankheiten und Verletzungen verursachten Krise.
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Nach 20 Monaten Pause kehrt sie im WM-Jahr 2013 zurück und gewinnt das Diamond-League-Meeting in New York mit einer Höhe von 1,94 m. "Ich bin hier. Ich bin kein Phantom. Ein Traum ist wahr geworden", sagt sie.
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Vier Wochen später siegt sie auch beim internationalen Hochsprung-Meeting im badischen Bühl und überquert erstmals seit zwei Jahren wieder die zwei Meter.
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Kurz darauf plagen sie erneut Schmerzen im zweimal operierten linken Fuß und sie sagt schweren Herzens ihren WM-Start in Moskau ab. Wieder folgen sieben Monate Pause.
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Die gläubige Christin meldet sich im Februar 2014 zurück, überspringt beim Hallen-Meeting in Prag 2,00 m und schickt danach ein Stoßgebet gen Himmel.
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Zweimal bestätigt Vlasic im EM-Jahr diese Höhe: beim Diamond-League-Meeting in Paris (Foto) und in London.
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Voller Optimismus blickt Vlasic nach diesem neuerlichen Comeback in die Zukunft. Umso bitterer, dass die Kroatin kurz vor Beginn der EM in Zürich ihren Start wegen Knieproblemen absagen muss.
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Erst bei der WM 2015 in Peking kehrt die Kroatin auf die große Bühne zurück. Und wie ...
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... Mit 2,01 m gewinnt sie Silber. Lediglich ein Fehlversuch bei 1,92 m kostet Vlasic die Chance auf Gold.
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Die Titelträgerin von 2007 und 2009 ist trotzdem glücklich und setzt endlich mal wieder zu einem ihrer Tänzchen an, mit denen sie gelungene Sprünge feiert.
"Ich neige dazu, eine Drama Queen zu sein"
Davor hatte die in Split geborene Hochspringerin zuletzt bei der EM 2010 in Barcelona ganz oben auf dem Treppchen gestanden. Auf Olympia in London 2012 und die WM 2013 in Moskau hatte Vlasic verzichten müssen - nach einer Odyssee mit Verletzungen und Krankheiten. Zu dieser Zeit zweifelte die Kroatin schon am Sinn ihres Tuns. Eine permanente Ungeduld kam dazu. "Ich neige dazu, eine Drama-Queen zu sein, wenn es nicht läuft, wie ich es mir wünsche", gab sie zu.
Nur ein Zentimeter fehlt zum Weltrekord
Vlasics lange Leidensgeschichte hatte kurz nach der WM 2011 in Daegu begonnen, wo sie sich der höhengleichen Russin Anna Tschitscherowa (2,03 m) geschlagen geben musste und Silber gewann. Einer Knochenabsplitterung im linken Knöchel folgte Anfang 2012 eine Achillessehnen-Operation. Die Wunde infizierte sich, im April musste Vlasic erneut unters Messer. Olympia in London fand ohne die zweitbeste Hochspringerin der Geschichte statt. Mit einer Bestleistung von 2,08 m (aufgestellt 2009) rangiert Vlasic nur einen Zentimeter hinter Weltrekordhalterin Stefka Kostadinowa aus Bulgarien.
Publikum als klatschendes "Bodenpersonal"
Blanka Vlasic ist nach der marokkanischen Stadt Casablanca benannt, in der ihr Vater in ihrem Geburtsjahr 1983 die Mittelmeerspiele gewann. Die Frau mit Modelqualitäten - sie war schon auf dem Cover der "Cosmopolitan" - wurde eine der schillerndsten Leichtathletinnen dieses Jahrtausends. Ihr großes Plus ist neben ihrer stattlichen Größe von 1,93 Meter ihre Erfahrung sowie ihre außergewöhnliche Fähigkeit, das Publikum als klatschendes "Bodenpersonal" mit auf ihre Flugreisen zu nehmen, während sie selbst die Ruhe in Person ist. Große Sprünge macht Vlasic schon seit mehr als einem Jahrzehnt: Als 16-Jährige gab sie in 2000 in Sydney ihr Olympia-Debüt (17.) und wurde im selben Jahr erstmals Junioren-Weltmeisterin (1,91 m). 2001 sprang sie bei der WM in Edmonton bereits auf Rang sechs (1,94). Doch auf den großen Durchbruch musste sie warten: Zwei Jahre später wurde sie bei der WM in Paris Siebte (1,95), 2004 belegte sie bei den Olympischen Spielen in Athen Platz elf (1,89).
Historische "Niederlage" in Peking 2008

Blanka Vlasic holt bei Olympia in Peking 2008 Silber.
Ganz oben angekommen ist die Ausnahmespringerin erst 2007: Anfang August stieß Vlasic in Stockholm mit 2,07 m in eine neue Dimension vor. Anschließend gewann sie souverän Gold bei der WM in Osaka (2,05). Nach 32 Siegen nacheinander galt Vlasic auch bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking als Goldfavoritin, musste sich im Finale aber Tia Hellebaut geschlagen geben. Die Belgierin übersprang bereits im ersten Anlauf 2,05 m, Vlasic benötigte zwei Versuche. "Zum ersten Mal bei Olympia haben 2,05 Meter nicht zu Gold gereicht. Tia und ich haben Geschichte geschrieben, das ist etwas, worauf man stolz sein kann", sagte sie über den denkwürdigen Wettkampf.
Nervenkrieg mit Friedrich 2009 in Berlin
Bei den Welttitelkämpfen 2009 in Berlin präsentierte sich Vlasic auf den Punkt topfit. Im Nervenkrieg mit Ariane Friedrich blieb sie cool und verteidigte mit 2,04 m ihren WM-Titel. Nur wenige Tage später rundete sie die Saison 2009 mit ihrem 2,08-m-Versuch in Zagreb ab. Auch die folgende Saison hätte für die Weltleichtathletin des Jahres 2010 kaum erfolgreicher laufen können: In Arnstadt lieferte sie mit 2,06 m einen persönliche Bestleistung in der Halle ab. Danach verteidigte sie ihren Titel bei der Hallen-WM in Doha (2,00) und gewann die Freiluft-EM in Barcelona (2,03).
Achillessehne als Achillesferse
Vlasic' Karriere ist nicht nur ein ewiger Kampf gegen andere, sondern auch einer gegen sich selbst. Verletzungen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Laufbahn der Kroatin, die gelungene Sprünge gerne mit einer Tanzeinlage feiert. Das Olympia-Jahr 2016 macht da keine Ausnahme: Wegen einer chronischen Reizung an der Achillessehne entschloss sich die 32-Jährige im Februar zu einer Operation, um möglichst viel Zeit für die Vorbereitung auf Rio zu haben. Es ist wahrscheinlich die letzte Möglichkeit für sie, ihrer Medaillensammlung doch noch das fehlende Olympia-Gold hinzuzufügen.
Hochsprung
Stand: 24.06.16 12:09 Uhr