
Justin Gatlin - Wiederholungstäter, schneller denn je
Steckbrief
in Brooklyn, New York
Größe: 185 cm
Gewicht: 79 kg
Trainer: Dennis Mitchell
Sportliche Eckdaten
9,74 Sek. 100 m (2015)
19,57 Sek. 200 m (2015)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:Silber 2016 (100 m)
Bronze 2012 (200 m)
Gold 2004 (100 m)
Silber 2004 (100 m)
Bronze 2004 (200 m)
Weltmeisterschaften:
2x Silber 2015 (100 m, 200 m)
2x Silber 2013 (100 m, 4x100 m)
2x Gold 2005 (100 m, 200 m)
Justin Gatlin ist bereits zweimal des Dopings überführt worden und war insgesamt fünf Jahre gesperrt. Seit 2010 ist der Doppel-Weltmeister von 2005 wieder dabei und rennt schneller denn je.
Justin Gatlin tauchte mit einem Paukenschlag in der internationalen Sprinterszene auf. 2004 in Athen gewann der damals 22 Jahre junge US-Amerikaner olympisches Gold über 100 m, in 9,85 Sekunden. Damit avancierte der New Yorker zum jüngsten Olympiasieger seit James Hines 1968. Mit der Staffel sammelte er Silber, über 200 m noch Bronze ein. Damals schon im Gepäck des Hallenweltmeisters über 60 m von 2003: ein positiver Dopingtest und eine abgesessene Ein-Jahres-Sperre auf internationaler Ebene. 2001 hatten die Fahnder das damals 19-jährige Talent bei den nationalen Juniorenmeisterschaften mit Amphetaminen erwischt. Mitrennen durfte er bereits nach einem Jahr wieder, weil er das Testergebnis als Resultat einer bis in seine Kindheit zurückreichenden Medikation wegen eines Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms erklären konnte.
Erst 9,77 Sekunden, dann positiv auf Testosteron
Dem olympischen Coup von Athen ließ Gatlin ein Jahr später bei der WM in Helsinki weitere goldene Taten folgen. Er kürte sich über 100 und 200 m zum Weltmeister. Im Mai 2006 egalisierte der frühere Hürdensprinter mit 9,77 Sekunden den Weltrekord von Asafa Powell (Jamaika). Eine Bestmarke, die mittlerweile nicht mehr in seiner sportlichen Vita auftaucht, denn kurze Zeit später wurde öffentlich, dass der Doppel-Weltmeister am 22. April 2006 positiv auf Testosteron getestet wurde. Eine lebenslange Verbannung von den Laufbahnen dieser Welt stand für den Wiederholungstäter an, doch letztlich kam der US-Boy mit vier Jahren davon. Seine Ergebnisse wurden rückwirkend annulliert, somit auch der 9,77-Sekunden-Lauf.
Neuer Abschnitt
Top-Sprinter
Die Schnellsten der Schnellen und ihre Schatten
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Usain Bolt: Weltrekordler mit 9,58 Sekunden (2009). Der jamaikanische Superstar ist der Schnellste von allen und wurde bei keinem seiner zahlreichen Doping-Tests auffällig oder anderweitig beschuldigt.
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Tyson Gay: 9,69 Sekunden (2009). Der US-Amerikaner wird vor der WM in Moskau 2013 positiv auf ein anaboles Steroid getestet. Gay ist voll geständig und kooperiert mit den Behörden, nennt Hintermänner wie seinen damaligen Coach Jon Drummond, der acht Jahre gesperrt wird. Deswegen kommt der US-Sprinter mit nur einem Jahr Sperre davon. Seit Juli 2014 ist Gay wieder dabei.
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Yohan Blake: 9,69 Sekunden (2012). Usain Bolts Trainingspartner wird kurz vor der WM 2009 positiv auf das Stimulanzmittel 4-Methyl-2-hexanamine getestet. Er erreicht zunächst einen Freispruch, da die Substanz nicht auf der Dopingliste der WADA stand. Letztlich kassiert Blake trotzdem eine dreimonatige Sperre, weil sich heraustellt, dass das Mittel eine ähnliche Struktur wie ein verbotener Dopingstoff hat. 2011 in Daegu wird er Weltmeister.
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Asafa Powell: 9,72 Sekunden (2008). Ebenso wie Gay wurde der Jamaikaner kurz vor der WM 2013 in Moskau positiv getestet. Bei dem ehemaligen Weltrekordler finden die Fahnder das Stimulanzmittel Oxilofrin. Im Gegensatz zu Gay bestreitet Powell allerdings, wissentlich gedopt zu haben und zieht bis vor das Internationale Sportgericht CAS, das seine ursprünglich 18-monatige Sperre auf ein halbes Jahr verkürzt. Seit Juli 2014 läuft der Jamaikaner wieder mit, fast so schnell wie zu seinen Weltrekord-Zeiten.
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Justin Gatlin: 9,74 Sekunden (2015). Eigentlich ist der US-Amerikaner in puncto Doping Wiederholungstäter. Lebenslang gesperrt ist er trotzdem nicht. 2001 wird Gatlin positiv auf Amphetamine getestet, "wegen außergewöhnlicher Umstände" aber nur für ein Jahr gesperrt. Das ist der Grund, warum er 2006 bei seinem zweiten positiven Test, dieses Mal auf Testosteron, nicht als Wiederholungstäter behandelt wird und mit acht und nach einem Gang vors Gericht mit vier Jahren Sperre davonkommt. Seit 2010 ist er wieder auf den Sprintbahnen unterwegs, schneller denn je. Im Mai 2015 steigerte er sich auf 9,74 Sekunden.
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Nesta Carter: 9,78 Sekunden (2010). Carters Name fällt bereits 2013 im Zuge des positiven Dopingtests von Asafa Powell. Nachgewisen wird ihm nichts. Dafür aber Anfang 2017. Bei nachträglichen Analysen der Olympischen Spiele 2008 in Peking wird Carter positiv auf das Dopingmittel Methylhexanamin getestet. Jamaika verliert daraufhin das Staffel-Gold.
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Maurice Greene: 9,79 Sekunden (1999). Der Mexikaner Angel Guillermo Heredia, Kronzeuge der US-Justiz im Balco-Skandal, gibt 2008 vor Gericht an, dass Greene ihm 10.000 Dollar für Dopingmittel gegeben habe. Der dreimalige Weltmeister gibt die Überweisung zu, will allerdings für Mitglieder seiner Trainingsgruppe bezahlt haben. Eine Sperre oder Sanktionen gibt es nicht.
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Steve Mullings: 9,80 Sekunden (2011). 2004 wird der damals 28 Jahre alte Jamaikaner wegen Dopings mit Methyltestosteron zwei Jahre gesperrt. 2011 geht der Staffel-Weltmeister von Berlin 2009 den Fahndern erneut ins Netz: positiv getestet auf die maskierende Substanz Furosemid. Die Quittung ist eine lebenslange Sperre.
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Richard Thompson: 9,82 Sekunden (2014). Der Sprinter aus Trinidad und Tobago läuft seit Jahren in der Weltspitze. Einen positiven Test des olympischen Silbermedaillengewinners von 2008 in Peking gibt es nicht.
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Christian Coleman: 9,82 Sekunden (2017). Diese Zeit, mit gerade einmal 21 Jahren, war ein Paukenschlag im Juni 2017. Der junge US-Amerikaner ist schneller als Usain Bolt in diesem Alter. Positive Befunde: Fehlanzeige.
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Zwei Fabelzeiten zweier prominenter Ex-Kollegen von Bolt und Co. wurden aus den offiziellen Ergebnislisten getilgt, weil sie nur mithilfe verbotener Mittel zustande gekommen sind.
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Zum einen ist da Tim Montgomery. 2005 wird der US-Amerikaner im Zuge des Balco-Skandals vom Internationalen Sportgerichtshof CAS wegen der Einnahme von Steroiden und Wachstumshormonen für zwei Jahre gesperrt. Seine Weltrekordzeit von 9,78 Sekunden von 2002 wird ihm aberkannt. 2008 gibt Montgomery zu, bereits bei Olympia 2000 gedopt zu haben. Wegen Geldwäsche und Heroinhandel landet er 2008 im Gefängnis. Seit 2012 ist er wieder ein freier, nach eigenen Angaben geläuterter Mann. Bis heute besteht der Ex-Sprintstar allerdings darauf, bei seinem Rekordlauf "clean" gewesen zu sein.
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Und auch Ben Johnson ist nicht mehr Teil dieser illustren Runde. Bei den Olympischen Spielen in Seoul sorgt der Kanadier für einen der größten Skandale der Leichtathletik-Geschichte. Zwei Tage nach seinem Weltrekord-Goldlauf in 9,79 Sekunden wird der gebürtige Jamaikaner des Dopings mit dem anabolen Steroid Stanozolol überführt. Vier Jahre bekommt Johnson aufgebrummt und wird nach seinem Comeback 1993 erneut erwischt, dieses Mal mit Testosteron. Die Folge ist eine lebenslange Sperre und die Annullierung seiner Ergebnisse.
Harting contra Gatlin
Im Juli 2010 kam Gatlin zurück, heimste 2012 Bronze über 100 m und zweimal Silber bei den Weltmeisterschaften ein Jahr später in Moskau (100 m, 4x100 m) ein. Dass der US-Amerikaner zumindest wieder für den Weltverband dazugehört, zeigte seine Aufnahme in die IAAF-Kandidatenliste zur Wahl des Welt-Leichtathleten 2014. Die Verbandsoffiziellen hatten die Rechnung aber wohl ohne die anderen Athleten gemacht. Diskus-Olympiasieger und -Weltmeister Robert Harting forderte die IAAF auf, ihn von der Liste wieder zu streichen. Der Titel ging letztlich an den französischen Stabhochspringer Renaud Lavillenie. Harting feierte allerdings auch einen Sieg, da der Weltverband entschied, dass zukünftig keine Athleten mit Dopingvergangenheit mehr gewählt werden können.
Schneller denn je unterwegs
Gatlin war verärgert über die Debatte um seine Vergangenheit und betonte, dass er seine Strafe verbüßt habe. Und die Zwangspause scheint Gatlin besser gemacht zu haben , denn mittlerweile ist er sogar schneller unterwegs, als zu seinen Doping-Zeiten: Im Mai 2015 schraubte er seine persönliche Bestleistung auf 9,74 Sekunden und ist wieder der härteste Konkurrent für Usain Bolt. Beim Saisonhöhepunkt in Peking verpasste Gatlin über 100 m die Goldmedaille mit nur einer Hundertstelsekunde Rückstand auf den Jamaikaner. Eine weitere Silbermedaille gewann Gatlin im WM-Finale über 200 Meter, wenn gleich mit deutlicherem Abstand von fast zwei Zehntel-Sekunden auf Weltmeister Bolt.
Abo auf Silber
Seither scheint Gatlin auf Silber abonniert: Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio kam Gatlin dem jamaikanischen Überläufer über 100 m erneut gefährlich nahe und sprintete in 9,89 Sekunden zu Silber - Zwölf Jahre nach seinem Olympiasieg in Athen. In der WM-Saison 2017 hat sich der mittlerweile 35-jährige Gatlin schon mal auf Betriebstemperatur gebracht und lief die 100 m mehrmals souverän unter zehn Sekunden. Doch auch wenn der US-Amerikaner weitere Medaillen bei großen Meisterschaften einheimsen wird, in die Hall of Fame der IAAF wird er es nicht schaffen. Auch hier will der Weltverband zukünftig keine Leichtathleten mit Dopingvergangenheit mehr haben.
Stand: 01.08.17 12:42 Uhr