17:41 min | 31.08.2021 | Das Erste

Paralympics - Radsportler feiern edlen Tag

Radsport Straße

Paralympics: Zeyen und Majunke krönen erfolgreichen deutschen Rad-Tag mit Gold

Jana Majunke und Annika Zeyen haben zum Auftakt der Straßenradsport-Wettkämpfe Goldmedaillen gewonnen. Es waren die Höhepunkte eines sehr erfolgreichen deutschen Zeitfahr-Tages. Vico Merklein hatte schon die Silbermedaille über 24 km gewonnen. Sowohl Kerstin Brachtendorf als auch Michael Teuber waren zuvor mit Bronzemedaillen belohnt worden. Am japanischen Nachmittag ließen dann Steffen Warias, Matthias Schindler und Angelika Dreock-Käser weitere Medaillen folgen.

Gefahren wurde auf dem Fuji International Speedway, einer Motorsport-Rennstrecke. Und Zeyen setzte sich im Handbike im Zeitfahren über 16 km souverän gegen ein Feld von zehn Konkurrentinnen durch. Lag sie nach der ersten Acht-km-Runde noch auf Rang zwei, war sie im zweiten Abschnitt nicht mehr zu halten und lag am Ende mit ihrer Zeit von 32:46,97 Minuten 44 Sekunden vor der zweitplatzierten Francesca Porcellato aus Italien. Renata Kaluza aus Polen wurde Dritte.

Nach Gold im Basketball auch Gold mit dem Handbike

Die 36-jährige Zeyen war erst 2019 zum Paracycling gewechselt, nachdem sie zuvor als Rollstuhlbasketballerin jahrelang große Erfolge hatte feiern können. 2012 in London gewann sie mit dem deutschen Team die Goldmedaille, 2008 in Peking und 2016 in Rio jeweils Silber. Im Paracycling gewann die querschnittsgelähmte Bonnerin gleich in ihrem ersten Jahr 2019 WM-Gold im Straßenrennen.

Für Traum von Tokio Hochzeit verschoben

Für den Traum vom Gold in einer weiteren Sportart hatte Zeyen sogar ihre für den Sommer geplante Hochzeit verschoben. Der Plan ging auf. "In zwei verschiedenen Sportarten Gold zu gewinnen, ist unglaublich. Das kann man nicht toppen", sagte Zeyen, die als Brand Manager für das Internationale Paralympische Komitee (IPC) arbeitet.

Brachtendorf schafft Bronze über 24 km

Die 49 Jahre alte Brachtendorf hatte mit Rang drei als Erste die Erwartungen mehr als erfüllt. Sie brauchte - 19 Tage nach einer Gefäß-Operation - für die 24 km 38:34,49 Minuten. Gold gewann Großbritanniens Paralympics-Legende Sarah Storey (36:08,90). Für sie war es der insgesamt 16. Sieg bei Paralympischen Spielen.

"Ich bin vor drei Wochen aus dem Trainingslager direkt in den Operationssaal. Da war im Kopf eigentlich schon alles abgesagt", sagte die Cottbuserin: "Und jetzt steh ich hier und habe eine Medaille. Das ist unfassbar. Ich kann es gar nicht glauben. Es war schließlich ein Verschluss der inneren Beckenaterie, nicht einfach nur ein Bänderriss oder Bruch." Brachtendorf war ein Stent eingesetzt worden.

Teuber ebenfalls Dritter, Gold knapp verpasst

Deutschlands Fahnenträger Michael Teuber wurde wenige Minuten später in der Klasse C1 über 16 km ebenfalls Dritter. In einem sehr engen Rennen lag er nur gute fünf Sekunden hinter dem Sieger Michael Astaschow (Russisches Paralympisches Komitee). 2008, 2012 und 2016 hatte Teuber im Zeitfahren Gold gewonnen. Pierre Senska hatte als Vierter knapp anderthalb Minuten Rückstand auf seinen Teamkollegen.

Da er von dem 21 Jahre jüngeren Russen Astaschow und dem aus einer anderen Klasse heruntergestuften US-Amerikaner Aaron Keith geschlagen wurde, war der inkomplett querschnittgelähmte Teuber zufrieden. "Ich habe nach 21 Jahren bei den Paralympics die ersten Bronze-Medaille geholt, denn die anderen waren fünf goldene und eine silberne", sagte er lachend: "Gold und Silber sind wertvoller, keine Frage. Aber ich bin stolz, dass ich so stark gefahren bin. Wenn ich auf die Leistungsdaten schaue, bin ich das beste Rennen meines Lebens gefahren. Deshalb nehme ich Bronze gerne mit."

Merklein fährt auf Rang zwei

Vico Merklein - seit einem Motorradunfall mit 20 Jahren querschnittsgelähmt - fuhr mit seinem Handbike im Zeitfahren über 24 Kilometer in 43:41,06 Minuten auf einen starken zweiten Rang. Der Paralympics-Sieger von Rio 2016 im Straßenrennen musste sich lediglich dem Österreicher Walter Ablinger geschlagen geben, der knapp zwei Sekunden schneller war als der 44-jährige Deutsche. Dritter wurde der Spanier Luis Garcia Marquina (43:48, 68).

Schindler bleibt ohne Medaille

Nicht aufs Siegerpodest schaffte es Denise Schindler. Die "Killerbiene", wie sie genannt wird, kam in der Startklasse C1-3 nur auf den neunten Platz - eine kleine Enttäuschung. Schließlich hatte sie in Rio vor fünf Jahren noch Silber gewonnen. Schindler hatte auf der Bahn in der Einzelverfolgung Bronze gewonnen und damit die erste deutsche Medaille bei den Paralympics in Tokio geholt.

Eskau fährt auf Rang fünf

Multitalent Andrea Eskau hat ihre 16. Medaille bei den Paralympischen Spielen überraschend verpasst. Nachdem sie nach der ersten von drei Zeitfahr-Runden auf der ehemaligen Formel-1-Strecke am Fuße des Fuji noch geführt hatte, wurde die Handbikerin aus Magdeburger mit viereinhalb Minuten Rückstand auf Siegerin Oksana Masters aus den USA Fünfte. In dieser Disziplin hatte die 50-Jährige 2016 Silber und 2012 Gold geholt. Insgesamt hat Eskau, die auch im Winter als Biathletin und Langläuferin startet, schon acht Mal Para-Gold gewonnen.

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Warias holt Silber knapp vor Schindler

In der zweiten Tages-Session holten am japanischen Nachmittag Steffen Warias und Matthias Schindler im Zeitfahren der C3-Klasse weitere Medaillen für das deutsche Rad-Team. Zwar kamen sie im 24-km-Rennen an den siegreichen Briten Benjamin Watson (35:00,82 Minuten) nicht heran, belegten unter 14 Teilnehmern aber Rang zwei (Warias, 35:57,41) und drei (Schindler, 36:17,95).

Für den 36 Jahre alten Warias, der zwei Klumpfüße hat, war es die dritte Paralympics-Medaille, nach Gold 2016 und Silber 2012 jeweils im Straßenrennen nun die erste im Zeitfahren. Für den drei Jahre älteren Polizisten Schindler, der inkomplett querschnittsgelähmt ist, war es der erste Start überhaupt in einem Paralympics-Rennen.

Majunke schafft souveräne Gold-Fahrt

Anschließend ließen Jana Majunke und Angelika Dreock-Käser das deutsche Lager nochmals jubeln. Im Zeitfahren der T1-2-Klasse über 16 km fuhr Majunke von Beginn an ein souveränes Rennen und lag mit ihrem Dreirad zu jedem Zeitpunkt in führender Position. Letztlich gewann die 31-Jährige aus Cottbus, die mit einer spastischen Lähmung geboren wurde, die Konkurrenz in einer Zeit von 36:06,17 Minuten.

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Dreock-Käser widmet Bronze ihrem verstorbenen Mann

Dreock-Käser lag zur Hälfte der Distanz auf dem Silberrang, musste diesen letztlich aber noch an die Australierin Carol Cooke abgeben. Die 53-Jährige, die 2009 einen Schlaganfall erlitt und seither in ihrer Bewegungskoordination gestört ist, hielt mit einer Zeit von 36:53,88 aber sicher den Bronze-Platz. Dreock-Käsers Mann war vor vier Wochen gestorben. "Ihm widme ich meine Medaille", sagte sie. "Er ist in meinem Herzen dabei. Er hat sich so gewünscht, dass ich hier dabei bin."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Paralympics Tokio 2020 | 31.08.2021 | 09:05 Uhr

Stand: 31.08.21 11:03 Uhr