
"Babe" Didrikson - Verdächtige Vielseitigkeit
Eigentlich hat sich US-Girl Mildred Didrikson gleich für fünf Leichtathletik-Wettbewerbe qualifiziert. So stark wie sie ist, wäre also fünfmal Edelmetall möglich. Frauen dürfen laut Regelwerk aber nur an drei Disziplinen teilnehmen. Didrikson muss eine Auswahl treffen. Den olympischen Funktionären ist das außerordentlich vielseitige "Wunderkind" aber auch prinzipiell ein Dorn im Auge: Denn die 21-Jährige, die schon als Jugendliche im Werfen und Rennen unschlagbar ist und außerdem als Boxerin, Tennisspielerin und im Baseball überzeugt, erregt das Misstrauen der "hohen Herren". Insbesondere mit ihren Verbindungen zum Profisport: Didrikson spielt im männlichen Baseballteam der Brooklyn Dodgers, wo sie zu Ehren der Baseball-Legende Babe Ruth den Spitznamen "Babe" erhält.
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Geschichte
Das waren die Spiele 1932
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Wie ein Relief mutet das offizielle Plakat zu den X. Olympischen Spielen in Los Angeles an, die vom 30. Juli bis 14. August ausgetragen werden.
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Im mit mehr als 105.000 Zuschauern vollbesetzten Olympiastadion werden die Sommerspiele eröffnet.
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Die Reproduktion einer Aufnahme aus dem Jahre 1932 zeigt das in den Hügeln von Los Angeles errichtete olympische Dorf.
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Der Deutsche Franz Miller gilt Anfang der 30er-Jahre als bester Starter der Welt.
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Der farbige US-Sprinter Thomas Edward Tolan gewinnt die Goldmedaille über 100 m in der Zeit von 10,3 Sekunden.
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Die Medaillengewinner des 1.000-m-Sprints der Männer: Radrennfahrer Jacobus van Egmond (Niederlande) siegt vor Louis Chaillot (Frankreich) und Bruno Pellizzari (Italien).
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Der finnische Läufer Paavo Nurmi als Zuschauer bei den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles. Er war vor Beginn wegen der Verletzung des Amateurstatuts lebenslang gesperrt worden.
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Goldmedaillengewinner über 100 m Kraul: der Japaner Yasuji Miyazaki
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Der Start zum Marathonlauf am 7. August im Olympiastadion. Es siegt der Argentinier Juan Carlos Zabala in 2:31:36 Stunden.
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Der kanadische Hochspringer Duncan McNaughton beim Überqueren der Latte. Der Goldmedaillengewinner überspringt 1,97 Meter - genau wie Robert van Osdel aus den USA und Simeon Toribio von den Philippinen, die Silber und Bronze holen.
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Die 21-jährige Amerikanerin Mildred "Babe" Didrikson ist der weibliche Star der Spiele. Das Multitalent wird zweimal Olympiasiegerin und holt Silber im Hochsprung.
Geteilter Sieg, gemeinsamer Weltrekord
Nach ihrer phänomenalen Qualifikation für die Spiele - bei der sie sechs von acht Disziplinen gewinnt und allein mehr Punkte holt als ein komplettes Damen-Team - geht sie im Coliseum von Los Angeles dreimal an den Start und holt Gold im Speerwerfen und über 80 m Hürden (mit Weltrekord von 11,7 Sekunden). Im Hochsprung-Finale überquert sie ebenso wie ihre Teamkollegin Jean Shiley die Weltrekordhöhe von 1,65 m. Im Stechen scheitern beide an 1,67 m. Dann entscheidet die Jury, Didrikson aufgrund ihres "Western-Roll"-Sprungstils - mit dem Kopf zuerst über die Latte - auf Rang zwei zu setzen: Silber statt Gold für einen Weltrekord.
Von der Leichtathletik zum Golf
Nach dem Ende ihrer Leichtathletik-Karriere sucht Didrikson eine neue sportliche Herausforderung - und findet sie beim Golf, erneut mit überragendem Erfolg. So gewinnt sie - als erste Amerikanerin - die Britischen Amateur-Golfmeisterschaften der Damen. Nach der Heirat mit Profi-Ringer George Zaharias avanciert sie zur überragenden Akteurin im internationalen Frauen-Golf. 1956 stirbt die Tochter eines norwegischen Schiffszimmermanns im Alter von 45 Jahren in Galveston/Texas an Darmkrebs. Ihr zu Ehren ist am Colosseum von Los Angeles - dem Olympiastadion von 1932 und 1984 - eine Gedenktafel angebracht.