
Olympia-Premiere: Ein Dorf für alle (Männer)
Erstmals sind die Sportler 1932 zusammen in einem "olympischen Dorf" untergebracht. Jedenfalls die Männer. Das Dorf mit der Infrastruktur einer Kleinstadt bietet alles, was man(n) braucht: Gemeinschaftsräume, die Post, eine Krankenstation, Sauna und Waschräume. Insgesamt 800 Zweibett-Bungalows liegen rund 130 Meter über der Stadt - mit prächtiger Aussicht auf den Pazifischen Ozean. Kostenpunkt der Anlage: rund 300.000 Dollar. Den Frauen bietet das vornehme "Chapman Park Hotel" im Stadtzentrum alle Annehmlichkeiten. "Downtown" stehen ihnen neben luxuriösen Schlafzimmern auch Suiten zum Plausch zur Verfügung.
Subvention in schwierigen Zeiten
Vor L.A. war es üblich, dass sich die Sportler beziehungsweise ihre Delegationen selbst um die Unterkünfte kümmern. Das entfällt diesmal. Simpler Hintergrund für das neue Angebot: Die Organisatoren wollen den Europäern die Teilnahme erleichtern. In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten der Depression hätten sich viele Sportler eine private Unterbringung gar nicht leisten können. Mit insgesamt 1332 Aktiven kommen dennoch so wenige Teilnehmer wie seit 1904 nicht mehr.
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Geschichte
Das waren die Spiele 1932
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Wie ein Relief mutet das offizielle Plakat zu den X. Olympischen Spielen in Los Angeles an, die vom 30. Juli bis 14. August ausgetragen werden.
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Im mit mehr als 105.000 Zuschauern vollbesetzten Olympiastadion werden die Sommerspiele eröffnet.
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Die Reproduktion einer Aufnahme aus dem Jahre 1932 zeigt das in den Hügeln von Los Angeles errichtete olympische Dorf.
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Der Deutsche Franz Miller gilt Anfang der 30er-Jahre als bester Starter der Welt.
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Der farbige US-Sprinter Thomas Edward Tolan gewinnt die Goldmedaille über 100 m in der Zeit von 10,3 Sekunden.
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Die Medaillengewinner des 1.000-m-Sprints der Männer: Radrennfahrer Jacobus van Egmond (Niederlande) siegt vor Louis Chaillot (Frankreich) und Bruno Pellizzari (Italien).
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Der finnische Läufer Paavo Nurmi als Zuschauer bei den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles. Er war vor Beginn wegen der Verletzung des Amateurstatuts lebenslang gesperrt worden.
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Goldmedaillengewinner über 100 m Kraul: der Japaner Yasuji Miyazaki
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Der Start zum Marathonlauf am 7. August im Olympiastadion. Es siegt der Argentinier Juan Carlos Zabala in 2:31:36 Stunden.
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Der kanadische Hochspringer Duncan McNaughton beim Überqueren der Latte. Der Goldmedaillengewinner überspringt 1,97 Meter - genau wie Robert van Osdel aus den USA und Simeon Toribio von den Philippinen, die Silber und Bronze holen.
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Die 21-jährige Amerikanerin Mildred "Babe" Didrikson ist der weibliche Star der Spiele. Das Multitalent wird zweimal Olympiasiegerin und holt Silber im Hochsprung.
Geschlechtertrennung vollzogen
Die Idee des "Olympischen Dorfes" setzt sich schnell durch. Mit wenigen Ausnahmen: 1952 wird die Mannschaft der Sowjetunion bei ihrem ersten olympischen Auftritt separat untergebracht, um politische Spannungen zu vermeiden. 1976 halten sich die Leichtathleten der DDR - ebenso wie die der Bundesrepublik und der USA - außerhalb des Olympischen Dorfes in einem Ausweichlager auf, um unangemeldeten Anabolikakontrollen zu entgehen.
Auch die Trennung von Männern und Frauen wird bei den folgenden olympischen Turnieren beibehalten, wenngleich die Zäune zwischen den Dörfern für echte Olympioniken nicht wirklich ein Hindernis sind.