
Marathon-Mann Spyridon Louis
Ein Mann - ein Mythos: Spyridon Louis erfüllt den Griechen ihren Traum vom Sieg im Marathon. Den Bauernsohn aus Maroussi umrankt bis heute eine Vielzahl Anekdoten. So verdankt Louis seinen Start beim Olympia-Marathon am 10. April 1896 mutmaßlich der Fürsprache seines ehemaligen vorgesetzten Offiziers beim Militär. Denn ein Ausscheidungsrennen zwei Wochen vor den Spielen hatte Louis lediglich als Fünfter beendet. In den Wettkampf geht der 23-Jährige, dessen Beruf als Wasserträger angegeben wird, als einer von 13 Griechen - in einem Teilnehmerfeld von 17 Athleten; Motto: Der Sieg bleibt unser.
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Geschichte
Das war Olympia 1896
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Die ersten Spiele der Neuzeit werden 1896 an historischer Stätte ausgetragen: in Athen.
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Eröffnungsfeier der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit im Panathenäischen Stadion.
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Besucher strömen im April 1896 in das frühere Kallimarmaro-Stadion von Athen, das nach dem Umbau für die Olympischen Spiele Panathenäisches Stadion heißt.
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Start zum 100-m-Lauf der Herren.
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Zieleinlauf in geordneten Bahnen im 100-m-Finale von Athen.
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Historischer Sieg: James Connolly (USA) ist erster Olympiasieger der Neuzeit im Dreisprung mit 13,71 m.
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Ein stolzer Sieger: Marathon-Mann Spyridon Louis (Griechenland) euphorisiert das heimische Publikum.
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Die französischen Radrennfahrer Léon Flameng (100 km) und Paul Masson (r./Sprint und 10.000 m) posieren für den Fotografen.
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Diskuswerfer in vorbildlicher Wettkampfhaltung: Der Grieche Panagiotis Paraskevopoulos holt Silber.
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Einer von vier Siegen in Athen: Der Münsteraner Carl Schuhmann, hier beim Pferdsprung, avanciert zum Star der Spiele.
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Zweifacher Sieger am Reck: Hermann Weingärtner aus Frankfurt an der Oder gewinnt im Einzel- sowie im Teamwettbewerb.
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Ringer-Olympiasieger Carl Schuhmann (l.) und sein Final-Gegner, der Grieche Antonios Tsitas.
Allerdings: Die vier auswärtigen Starter sind allesamt erfahrene Mittelstreckler; der Favorit Edwin Flack hat bereits den 800-Meter-Lauf gewonnen. Drei von ihnen setzen sich nach dem Start auch zunächst an die Spitze. Der Franzose Lermusiaux rennt so weit voraus, dass er schon lange vor dem Ziel von den Zuschauern zum Sieger gekürt wird - vorschnell, wie sich herausstellt, denn wenig später bricht er zusammen. Dann führt Flack, doch auch er kollabiert und scheidet aus. Damit ist der Weg frei für Louis, der den Lauf in 2:58:50 Stunden vor Landsmann Haralambos Vasilakos gewinnt - mit gut sieben Minuten Vorsprung und unter den Begeisterungsstürmen der mehr als 70.000 Zuschauer im Stadion, darunter Griechenlands Kronprinz Konstantin, der Louis auf den letzten Metern begleitet.
Golduhr und Pferdekarren als Lohn
Nach dem Rennen schenkt ihm eine Dame eine goldene Uhr, ein Beamter 20.000 Drachmen. Als Geschenk des Königs, bei dem er einen Wunsch frei hat, wählt Louis nach Darstellung seines gleichnamigen Enkels ein Pferd und einen neuen Karren für seine Arbeit. Seine Betreuer, die ihm nach dem Zieleinlauf die Beine massieren wollen, habe sein Opa dem Louis-Enkel zufolge bepöbelt: 'Was macht ihr da? Das ist eine Schande. Lasst mich hier raus, ich will nach Maroussi, um mit meinen Freunden zu feiern."
Als legendär gilt auch die Darstellung, Louis sei nach der Hälfte der Strecke in ein Wirtshaus eingekehrt, habe ein Glas Wein getrunken und angekündigt, alle noch vor ihm liegenden Konkurrenten zu überholen. Richtig sei, so der Enkel, dass es sich um ein Glas Cognac gehandelt habe, das ihm sein zukünftiger Schwiegervater an der Strecke angereicht habe. Fakt ist, dass Louis im März 1940 in seinem Heimatort Maroussi bei Athen starb. Fakt ist auch, dass das Athener Olympiastadion seinen Namen trägt.