
Suzanne Lenglen - "die Göttliche"
"Wenn man die Gegnerinnen kurz abfertigt, erwirbt man sich eine Aura der Unbesiegbarkeit, die die Moral der Spielerinnen, auf die man später noch trifft, untergräbt", erläutert die französische Millionärstochter ihre Strategie, zu der ihr Vater ihr geraten habe. Der - bestechend einfache - Tipp des Herrn Papa sagt viel über die Dominanz der damals berühmtesten Tennisspielerin aus, die wegen ihrer anmutigen Spielweise und ihres außergewöhnlichen Auftretens schnell "die Göttliche" genannt wird. Die Vorrundenspiele 1920 gewinnt die Französin mühelos, bis zum Halbfinale gibt sie nur einen einzigen Satz ab.
"Nur" Bronze im Doppel
"Im ersten Satz des Finales musste ich mich zum ersten Mal bei diesem Turnier richtig anstrengen und gewann 6:3", notiert Lenglen in ihrem Bericht für die französische Sportzeitung "L'Equipe". Den zweiten Satz (und olympisches Gold) gewinnt die 21-Jährige dann wieder mit 6:0 gegen die Britin Dorothy Holman. Lenglen siegt anschließend auch im gemischten Doppel an der Seite ihres bereits 37 Jahre alten Partners Max Decugis, dem ältesten Tennisspieler des Turniers. Im Frauen-Doppel reicht es zusammen mit Elisabeth d'Ayen "nur" zu Bronze.
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Geschichte
Das waren die Spiele 1920
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Ein junger Diskuswerfer steht im Mittelpunkt des Plakats der VII. Olympischen Spiele. Sie finden vom 7. Juli bis zum 12. September 1920 im belgischen Antwerpen statt.
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Eröffnung der Spiele im Olympiastadion von Antwerpen - erstmals mit der olympischen Fahne im Mittelpunkt.
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Die Fahnenträger mit den Flaggen von insgesamt 29 Teilnehmerstaaten beim Einzug in die Arena.
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Jungspunde unter sich: die 15-jährige Aileen Riggin (USA/l.), die Gold im Kunstspringen holt, und der 14-jährige Schwede Nils Skoglund, der Silber im Turmspringen gewinnt.
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In Siegerpose: der englische Boxer Harry Mallin - Goldmedaillengewinner im Mittelgewicht.
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Gold über 100 und Silber über 200 Meter: Leichtathlet Charles William Paddock (USA).
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Ugo Frigerio, der italienische Sieger über 3.000 m Gehen (13:14,2 min) und 10.000 m Gehen (48:06,2 min).
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Marathon-Sieger Hannes Kolehmainen (Finnland/2:32:35 Std.) beim Einlauf ins Stadion.
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Schwungvoll und anmutig: Suzanne Lenglen (Frankreich), die dominierende Spielerin im Tennis.
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Lenglen holt Gold im Tennis-Einzel und im Mixed mit ihrem Landsmann Max Decugis.
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Das dänische Turner-Team bei einer zeitgenössischen Übung.
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1920 letztmals olympische Disziplin: das Tauziehen.
Legendäre Erfolge - früher Tod
Suzanne Lenglen gilt als einer der ersten Superstars im weißen Sport. Ihren weißen Pelzkragen, das kurzärmelige Shirt und ihr gewagtes Dekolleté empfinden nicht wenige Zeitgenossen als beinahe skandalös. Zu ihren Leistungen auf dem Platz gibt es aber keine zwei Meinungen. Noch vor den Spielen in Antwerpen ist sie 1920 die erste Spielerin, die in Wimbledon in allen drei Konkurrenzen (Einzel, Doppel und Mixed ) den Titel holt. Lenglen gewinnt die Grand-Slam-Turniere von Wimbledon und Paris je sechsmal allein im Einzel.
"Die Göttliche" wird allerdings nur 39 Jahre alt. Sie stirbt am 4. Juli 1938 in Paris an Leukämie. Bis heute trägt der Siegerpokal des Damenturniers bei den French Open ihren Namen.