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Nachhaltig? Das wird aus den Olympia-Arenen
Schon während der Olympischen Spiele sind viele Plätze in den Arenen leer geblieben. Dabei haben diese allein rund 1,9 der insgesamt 10,7 Milliarden Euro gekostet. Nun sind die Sommerspiele in Rio de Janeiro Geschichte - und den Paralympics droht vor Ort die Bedeutungslosigkeit. Was wird danach aus den Sportstätten?
In Brasilien hat die Fußball-Weltmeisterschaft Spuren hinterlassen, die in zehn Stadien ausgetragen wurde. Wohlgemerkt zwei mehr als von der FIFA gefordert. Jetzt stehen einige wie Mahnmale herum, weil vor Ort nur kleinere Clubs spielen und diese die Arenen, die mehr als 40.000 Zuschauer fassen, nicht mal im Ansatz voll bekommen. Horrende Unterhaltskosten stehen kaum Einnahmen gegenüber. Obwohl die WM gerade einmal zwei Jahre her ist, hat mancherorts bereits der Verfall eingesetzt.
Vor den Olympischen Spielen hat Rio de Janeiros Bürgermeister Eduardo Paes deshalb bereits ein Konzept entwickeln lassen, damit den Anlagen in der Stadt nach Olympia und den Paralympics nicht das gleiche Schicksal droht. Damit war er gut beraten, steckt Brasilien doch mitten in einer tiefen Rezession. Die Kosten von insgesamt 10,7 Milliarden Euro konnten nur mithilfe des Staates und privaten Unterstützern (58 Prozent) geschultert werden. Trotzdem blieben schon während der Spiele viele Plätze - oftmals auch der Großteil - in den Arenen leer. Dabei haben diese allein 1,9 Millarden Euro gekostet. Für die Paralympischen Spiele (7. bis 18. September) wurden bisher lediglich 290.000 der 2,4 Millionen Eintrittskarten verkauft. Zum Vergleich: In London verfolgten insgesamt 2,7 Millionen Zuschauer die Paralympics in den Arenen. Schon jetzt steht fest, dass nicht alle Arenen für den Behindertensport wieder geöffnet werden.
16,25 Millionen Euro, so hatten es Paes und Brasiliens Sportminister Leonardo Picciani einen Tag vor der Olympia-Eröffnungsfeier versprochen, sollen nach den Paralympics in den Umbau der Arenen fließen.
Die Pläne für die Sportstätten im Überblick

Sicht auf den Olympiapark Barra.
Im Olympiapark soll ein großes Leistungssport- und Schulzentrum entstehen. Bisher fehlen in Brasilien professionelle Trainingsbedingungen für olympischen Spitzensport. Zudem sollen mehrere Beachvolleyballfelder und ein Sportlerwohnheim auf dem großen Areal entstehen, dazu ein öffentlicher Park mit Sportanlagen und Radwegen. Insgesamt sollen 60 Prozent des Parks öffentlich genutzt werden, 40 Prozent für Wohnungen und kommerzielle Zwecke. Die Verwaltung des Geländes soll für 25 Jahre ein privater Investor übernehmen.
- Die Arena Carioca 1 soll nach den Spielen unter anderem für Konzerte und Messen genutzt werden. Die Anlage, in der das Basketball-Turnier ausgetragen worden ist, wird von 16.000 auf 6500 Plätze zurückgebaut.
- In der Halle Carioca 2 entsteht ein Zentrum, in dem unter anderem Gewichtheber, Judoka, Wrestler und Tischtennisspieler trainieren sollen. Während Olympia war die 10.000 Plätze fassende Arena Schauplatz der Wettkämpfe im Judo und Ringen.
- Carioca 3 - mit 10.000 Plätzen Ort für die Fecht- und Taekwondo-Wettkämpfe soll in ein Sportgymnasium für 850 Schüler umgebaut werden. Hier soll es Unterricht auch in zehn Sportdisziplinen geben.
- Der Bahnradsport fristete in Rio bisher ein Schattendasein. Deshalb soll das Velodrome mit seinen 5000 Plätzen erhalten bleiben.
- Die Rio-Open sollen eine neue Heimat erhalten - das extra für Olympia gebaute Tennisstadion. Es bietet weiter 10.000 Zuschauern Platz, zur Anlage gehören acht Courts.
- Die Future Arena, in der während Olympia bis zu 12.000 Zuschauer die Handballer spielen sahen, soll ihrem Namen alle Ehre machen: Ihre Bestandteile sollen künftig vier öffentlichen Schulen für je 5000 Schüler Platz bieten.
- Das Schwimmstadion wird geteilt - und dann zwei Schwimmzentren bilden. Wohlgemerkt nicht an Ort und Stelle, sondern in zwei ärmeren Vierteln der Stadt.
Die Pavillions im naheliegenden Riocentro werden wieder als Messe- und Kongresszentrum genutzt. Der Golfplatz wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Neuer Abschnitt
Erfolge
Die deutschen Medaillengewinner von Rio
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Das Team der deutschen Vielseitigkeitsreiter bricht den Medaillenbann und beschert Deutschland die erste Medaille dieser Olympischen Spiele: Sandra Auffarth, Michael Jung, Ingrid Klimke und Julia Krajewski (v.l.n.r.) freuen sich über Silber im Mannschaftswettbewerb.
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Kurz nach dem Erfolg mit dem Team legt Michael Jung im Einzel nach und verteidigt seinen Olympiasieg von 2012: Gold im Vielseitigkeitsreiten für Jung und Sam.
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Die dritte Medaille für die deutsche Olympiamannschaft holt die Sportschützin Monika Karsch, die Silber im Schießen über 25 Meter mit der Sportpistole gewinnt.
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Judoka Laura Vargas Koch gewinnt für Deutschland Bronze in der Gewichtsklasse bis 70 kg. Im Kampf um Platz 3 besiegt sie die aktuelle Vize-Weltmeisterin Maria Bernbeu aus Spanien.
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Das zweite Gold der Spiele gibt es für den deutschen Doppelvierer der Männer. Hans Gruhne, Karl Schulze, Lauritz Schoof und Philipp Wende (v.l.n.r.) laufen nach 6:06,81 Minuten ins Ziel ein.
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Wie die Männer, so die Frauen: Nur wenige Minuten nach der Goldmedaille für die Männer zieht der Frauen-Doppelvierer nach. Lisa Schmidla, Julia Lier, Carina Baer und Annekatrin Thiele (v.l.n.r) bejubeln ihren Erfolg.
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Den Erfolg der deutschen Schützinnen rundet Barbara Engleder im Dreistellungskampf ab: Die Sportschützin aus Bayern holt Gold und ist danach "total geflasht".
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Knapp am Titel vorbeigeschossen hat die Bogenschützin Lisa Unruh: Die Berlinerin sichert sich Silber und sorgt so für eine Sensation. Ihr Ziel war ein Platz unter den besten Zehn.
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Henri Junghänel behält im Finale eine ruhige Hand und holt die nächste Goldmedaille im Schießen. In der Disziplin Kleinkaliber liegend lässt der 28 Jahre alte Darmstädter seinen Konkurrenten keine Chance.
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2012 mussten sich die deutschen Dressurreiter Großbritannien geschlagen geben. Diese "Schmach" machen Isabell Werth, Dorothee Schneider, Sönke Rothenberger und Kristina Bröring-Sprehe (v.l.n.r.) im Mannschaftswettbewerb in Rio wieder wett: Gold ist wieder zu Hause!
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Bronze-farbener Jubel: Die deutschen London-Olympiasieger Miriam Welte (r.) und Kristina Vogel gewinnen das Duell um Platz drei im Bahnrad-Teamsprint gegen Australien.
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Gold wollten sie haben, Silber bekommen sie: Im olympischen Finale muss sich der deutsche Ruder-Achter Großbritannien geschlagen geben. Maximilian Reinelt und Co. zeigen sich danach als faire Verlierer: "Sie haben uns gezeigt, wo Barthel den Most holt und wie man ein Finale fährt. Sie waren uns körperlich überlegen"
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Vor vier Jahren triumphiert in London Robert Harting im Diskusring, 2016 springt sein Bruder Christoph ganz nach oben aufs Podest. Dieses Gold ist eines der überraschendsten der Spiele von Rio bisher.
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Bei der Diskus-Siegerehrung wird ein weiterer deutscher Athlet geehrt: Im "Windschatten" von Harting wirft Daniel Jasinski die Scheibe auf die Bronzeplatz-Weite.
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Dann ist es wieder an der Zeit für eine Goldmedaille fürs deutsche Team: Christian Reitz gewinnt das Finale mit der Schnellfeuerpistole. Unmittelbar danach zeigt sich, dass sein Medaillenhunger noch nicht gestillt ist: Auch in Tokio 2020 will Reitz wieder dabei sein.
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Angelique Kerber hatte immer wieder den für sie hohen Stellenwert der Olympischen Spiele deutlich gemacht. Auf der Jagd nach Gold ist sie dominant bis ins Finale eingezogen. Doch am Ende muss sie sich einer weltklasse aufspielenden Monica Puig aus Puerto Rico geschlagen geben. Kerber gewinnt also Silber.
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Am Stufenbarren holt die deutsche Turnerin Sophie Scheder überraschend Bronze. Mit einer klasse Übung wird sie knapp vor Elisabeth Seitz Dritte.
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Beim Dressurreiten liefert Isabell Werth auf Weihegold bei der Grand Prix Kür eine insgesamt starke Leistung ab und sichert sich so Silber.
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Ebenfalls auf das Podium schafft es Kristina Bröring-Sprehe, die mit Desperados Bronze erkämpft und damit für einen erfolgreichen Tag des deutschen Pferdesports sorgt.
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Beim Ringen im Mittelgewicht (bis 85 kg) gewinnt Denis Kudla überraschend die Bronzemedaille.
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Sebastian Brendel wiederholt seinen Erfolg: Nach Gold in London 2012 holt er auch in Rio den Olympia-Titel über 1000 m im Canadier-Einer.
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Vom Erfolg geküsst: Die Kanutinnen Franziska Weber (l.) und Tina Dietze gewinnen Silber im Kajak-Zweier über die 500 m.
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Endlich Gold! Der Turner Fabian Hambüchen krönt seine einzigartige Karriere mit einem Olympiasieg am Reck.
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Nach Bronze im Teamsprint setzt Bahnradfahrerin Kristina Vogel im Einzelsprint noch einen drauf und gewinnt Gold in der Königsdisziplin.
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Endlich eine Medaille für den Wasserspringer Patrick Hausding: Zweimal musste er sich bei diesen Olympischen Spielen bereits mit dem undankbaren vierten Platz zufrieden geben. Im Einzelspringen vom 3-Meter-Brett hat er es endlich aufs Treppchen geschafft und freut sich über seine Bronzemedaille.
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Die deutschen Tischtennisspielerinnen Ying Han, Xiaona Shan und Petrissa Solja (v.l.n.r.) spielen ein überragendes Turnier und müssen sich am Ende nur den Favoritinnen aus China geschlagen geben. Sie dürfen sich über die Silbermedaille im Mannschaftswettbewerb freuen.
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Christian Ahlmann, Ludger Beerbaum, Meredith Michaels-Beerbaum und Daniel Deußer (v.l.) präsentieren stolz ihre Bronzemedaillen. Es ist die insgesamt sechste Medaille für die deutschen Reiterinnen und Reiter in Rio.
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Dreifacher Jubel über Platz drei: Bastian Steger (l.), Timo Boll (M.) und Trainer Jörg Roßkopf freuen sich - gemeinsam mit Dimitrij Ovtcharov (nicht im Bild) über Bronze im Tischtennis-Teamwettbewerb. Der nötige Sieg gelingt gegen Südkorea.
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Am Ziel ihrer Träume: Laura Ludwig (l.) und Kira Walkenhorst gewinnen Gold im Beachvolleyball. Im Stadion am Strand der Copacabana besiegen sie das brasilianische Duo Agatha/Barbara glatt in zwei Sätzen - und schreiben damit Geschichte: Zum ersten Mal gewinnt ein europäisches Frauen-Duo olympisches Beach-Edelmetall.
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Überragendes Kanuten-Duo: Die amtierenden Weltmeister Marcus Groß (r.) und Max Rendschmidt erreichen im Kajak Zweier über 1000 Meter knapp, aber letztlich doch hochverdient den ersten Platz.
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Im Spiel um Platz drei bei den Hockey-Herren sichert Torwart Nicolas Jacobi (r.) der deutschen Mannschaft mit einem entschärften Ball beim Penaltyschießen die Bronzemedaille.
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Bronze bei den 49ern holen die beiden Segler Erik Heil und Thomas Plößel. Zur Feier des Tages nehmen sie ein Bad in der Bucht.
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Deutschlands Hockey-Damen siegen im Spiel um Platz drei mit 2:1 gegen Neuseeland und sichern sich Bronze.
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Sein Halbfinale gegen den Kubaner Lorenzo Sotomayor Collazo kann Boxer Artem Harutyunyan nicht gewinnen. Dennoch freut er sich anschließend über die Bronzemedaille, die ihm sicher ist.
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Im Fußball-Finale der Frauen haben die deutschen Spielerinnen gegen Schweden lange alles im Griff. Am Ende wird es noch einmal etwas knapp, aber letztlich gewinnt die Elf von Bundestrainerin Silvia Neid verdient mit 2:1 - das erste Olympia-Gold für deutsche Fußballfrauen ist perfekt.
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Zitterpartie: Der deutsche Kanute Ronald Rauhe kommt im Kajak-Einer-Rennen über 200 m zeitgleich mit dem Spanier Saul Craviotto (Hintergrund) ins Ziel. Am Ende gibt es zwei dritte Plätze - und damit Bronze für Rauhe.
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Mit einem unglaublichen Schlusssprint gewinnen die deutschen Kanuten Sebastian Brendel (r.) und Jan Vandrey Gold im Canadier-Zweier über 1000 Meter.
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Die deutschen Kanutinnen schaffen es im Kajak-Vierer überraschend auf Platz zwei hinter den Favoritinnen aus Ungarn. Die Freude bei Sabrina Hering (Hannover), Franziska Weber (Potsdam), Steffi Kriegerstein (Dresden) und Tina Dietze (Leipzig) über Silber ist groß.
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Doch damit noch nicht genug: Auch der Kajak-Vierer der Männer gibt erfolgreich Gas. Mit über einer Bootslänge Vorsprung kommen Max Rendschmidt (Essen), Tom Liebscher (Dresden), Max Hoff (Essen) und Marcus Groß (Berlin) als Olympiasieger ins Ziel.
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Nach dem verlorenen Finale gegen Brasilien zeigt sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft um Davie Selke, Lars Bender, Max Meyer, Sven Bender, Niklas Süle und Matthias Ginter (v.l.n.r.) eher enttäuscht als jubelnd. Trotzdem nehmen sie die Silbermedaille mit nach Hause.
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Er kann es selbst kaum fassen. Thomas Röhler holt Gold im Speerwerfen. Mit 90,30 Meter wirft er gut 2 Meter weiter als der zweitplazierte Kenyaner Julius Yego.
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Der amtierende Handball-Europameister Deutschland strahlt über Bronze. Nach dem unglücklichen und knappen Halbfinal-Aus gegen Frankreich gelingt im Spiel um Platz drei ein deutlicher und ungefährdeter 31:25-Erfolg gegen Polen.
Deodoro, Maracanã und Copacabana

Die Reitsport-Anlage in Deodoro.
Deodoro war der Schauplatz für elf olympische Sportarten: Unter anderem waren hier die Reiter, Modernen Fünfkämpfer sowie die Radfahrer auf BMX und Mountainbike unterwegs. Außerdem wurde geschossen und Kanu-Slalom absolviert. Während der Paralympics werden hier vier Wettbewerbe ausgetragen.
- Die Kanu-Slalom-Anlage soll ein See werden, der als Schwimmbad genutzt werden kann.
- Ein anderer Teil soll als Park mit Sportmöglichkeiten und Grillplätzen genutzt werden. Mehrere Rad-Strecken und eine Skate-Anlage sollen entstehen.
- Auf auf dem Gelände im Norden Rios soll zudem eine große Familienklinik gebaut werden.
- Die Anlagen der Reiter und die Schießstände erhalten die Sportsoldaten zurück - auf Hochglanz gebracht.
Zurück in die Zukunft
Als eine der wenigen Sportstätten unverändert erhalten bleibt das berühmte und zur Fußball-WM komplett umgebaute Maracanã-Stadion mit den 78.600 Plätzen. Die Leichtathleten müssen wieder dem Fußball-Erstligisten Botafogo FR weichen. Die Kapazität im olympischen Leichtathletikstadion war vorübergehend von 45.000 auf 60.000 erhöht worden. Das Maracanãzinho bleibt Heimat der Volleyballer. Im Sambodromo folgt auf Bogenschießen die bunte Samba- und Karnevalsparade. An der Copacabana wurden lediglich provisorische Anlagen wie die Arena der Beachvolleyballer gebaut. Der Strand wird wieder geräumt. Anders ist es an der Lagoa Rodrigo de Freitas, wo die traditionelle Rennstrecke der Kanuten und Ruderer durch die Olympia-Installationen gewonnen hat.
Vier Millionen besuchen Olympia-Boulevard
Ob all die Pläne umgesetzt werden, darf angesichts der leeren Kassen bezweifelt werden. Zumindest einen Erfolg können die Veranstalter schon jetzt verbuchen. Der Olympic-Boulevard in der Hafengegend der Atlantik-Metropole hat sich als voller Erfolg erwiesen - dabei liegt er vom Olympiapark im Stadtteil Barra 37 Kilometer entfernt. Wie das Portal "O Globo" unter Berufung auf Angaben der Stadt berichtet, besuchten während der Sommerspiele rund vier Millionen Menschen den Platz. Das dort installierte olympische Feuer war eines der beliebtesten Foto-Motive. Vor Olympia war die Gegend, in der sich früher einer der größten Sklavenmärkte der Welt befand, eine "No-Go-Area". Nun lockten neue Museen, Musik- und Kulturangebote vor allem Brasilianer zum Flanieren am Meer und machten den Olympic-Boulevard zum zentralen Anlaufpunkt und Feierzentrum.
Stand: 22.08.16 12:53 Uhr