Der deutsche Zehnkämpfer Rico Freimuth

Vize-Weltmeister Freimuth - "Klingt ziemlich geil"

Sportart: Leichtathletik
Disziplin: Zehnkampf
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 14.03.1988
in Potsdam
Größe: 196 cm
Gewicht: 94 kg
Verein: SV Halle
Trainer: Wolfgang Kühne
Beruf: Sportsoldat

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
8.663 Punkte (2017)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
6. Platz 2012

Weltmeisterschaften:
Silber 2017
Bronze 2015
7. Platz 2013

Europameisterschaften:
7. Platz 2014

U20-EM:
Bronze 2007


Rico Freimuth wurde das sportliche Talent praktisch in die Wiege gelegt. Vater Uwe Freimuth war 1983 WM-Vierter im Zehnkampf, mit 8.792 Punkten hält er den DDR-Rekord und ist Zweiter der ewigen deutschen Bestenliste. Seine Mutter Anke Tröger wurde 1981 U20-Europameisterin im Siebenkampf (Bestleistung: 6.160 Punkte im Jahr 1983). Uwe Freimuths Zwillingsbruder Jörg gewann 1980 Olympia-Bronze im Hochsprung.

Unverhoffte WM-Premiere 2011

2011 sorgte Rico Freimuth für Furore, als er bei seinem Debüt beim renommierten Zehnkampf-Meeting in Österreich mit 8.158 Zählern erstmals in seiner Karriere die 8.000-Punkte-Marke knackte. "Eigentlich habe ich mir immer gesagt: Nach London 2012 fange ich an, die Großen zu ärgern. Das wirft jetzt meine Pläne völlig über den Haufen", scherzte er im Anschluss. Doch es kam noch besser: Kurz darauf steigerte sich der Youngster bei der WM-Qualifikation in Ratingen erneut, schaffte mit 8.287 Punkten sogar die DLV-Norm für die WM in Daegu. Dort brach er den Wettkampf allerdings nach drei Fehlversuchen im Weitsprung und einer im letzten Sprung erlittenen leichten Knieverletzung schon nach drei Disziplinen ab.

In London als bester Deutscher Sechster

Rico Freimuth (l.) © dpa-bildfunk Foto: Sergei Ilnitsky

Stark über die Hürden: Rico Freimuth (l.).

2012 machte es der junge Mann aus Halle an der Saale besser: Bei den Olympischen Spielen in London belegte als bester Deutscher Platz sechs (8.320). Im Jahr darauf steigerte sich Freimuth in Ratingen auf 8.488 Punkte. Bei der WM in Moskau war er nach einem starkem Wettkampf vor dem abschließenden 1.500-m-Lauf Vierter, schnupperte an einer Medaille. Am Ende langte es für den disziplinierten, trainingsfleißigen Athleten, dessen Paradedisziplinen die 100 m und 110 m Hürden sind, mit 8.382 Punkten zu Rang sieben. Eine Platzierung, die er auch im Folgejahr bei der EM in Zürich erreichte.

WM-Bronze in Peking - Seuchenjahr 2016

Bei den Welt-Titelkämpfen 2015 in Peking drohte der 29-Jährige wie zwei Jahre zuvor in Moskau im 1.500-m-Lauf seine Medaillenchance zu vergeben. Doch Freimuth kämpfte und holte mit persönlicher Bestleistung von 8.561 Punkten Bronze - seine erste WM-Medaille. Im Olympia-Jahr 2016 war er dann allerdings körperlich und mental nicht in bester Verfassung, hatte mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Dreimal trat er zum Zehnkampf an, jedes Mal musste er vorzeitig den Wettkampf abbrechen.

2017 eindrucksvoll zurückgemeldet

In diesem Jahr hat sich der WM-Dritte aber eindrucksvoll zurückgemeldet: Bei 8.365 Punkten und Rang drei in Götzis, wo er endlich wieder einen vollen Wettkampf bestreiten konnte, war die Bestmarke aus Peking schon wieder in Reichweite. In Ratingen überragte er dann mit 8.663 Punkten - Hausrekord, Weltjahresbestleistung und Rang acht in der ewigen deutschen Bestenliste. Nur Ex-Weltrekordler Roman Sebrle war jemals beim Traditionsmeeting am Niederrhein besser.

Gleich drei persönliche Bestleistungen (7,60 m im Weitsprung, 2,01 m im Hochsprung und 51,56 m im Diskuswurf) markierte er und stellte zudem seinen Hausrekord von 4,90 m im Stabhochsprung ein. Hatte er in der Vergangenheit bei den Sprüngen stets Punkte liegen lassen, ist der Knoten nun offenbar geplatzt. "Ich werde noch zum Springertyp", meinte der Hallenser mit einem breiten Grinsen. In London sei nun "alles möglich".

"Sehr stolz" nach Silber-Triumph in London

In der englischen Hauptstadt wurde der Nachfolger von Weltmeisterler Ashton Eaton (USA), der zurückgetreten war. Als Weltjahresbester (8.663) reiste Freimuth nach London. Doch der Olympia-Zweite Kevin Mayer (Frankreich) hatte mit verletzungsbedingt keinen Zehnkampf absolviert - und überraschte die Konkurrenz. "So stark hätte ich ihn nicht eingeschätzt. Er ist der Beste", musste Freimuth schon zur Halbzeit eingestehen.

Doch der Deutsche zeigte sehr eine ausgezeichnete Leistung. Von Rang drei kletterte er zum Ende noch auf den Silberrang - Vizeweltmeister! "Das klingt ziemlich geil", sagte der Athlet vom SV Halle, der mit 8.564 Punkten auf Rang zwei hinter Mayer (8.768) landete. "Ich habe nach der Verletzungssaison vieles richtig gemacht. Die zweite Medaille nach meiner ganzen Geschichte im letzten Jahr ist schon etwas Besonderes, und ich bin darauf sehr stolz."

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 21.08.2016, 07.00 Uhr

Stand: 13.08.17 14:13 Uhr