Olympische Sommerspiele in Tokio: Preisgekröntes Emblem der ausgefallenen Spiele 1940 © imago/United Archives International Foto: imago/United Archives International

Geschichte

Krieg verhindert die Spiele in Tokio 1940

Die Diskussionen über eine Absage oder Verlegung von Olympia wecken in Tokio Erinnerungen: 1940 fielen die Spiele in Japans Hauptstadt aus, erst 1964 kam die Sport-Welt nach Tokio.

Gerade einmal zwei Jahrzehnte sind seit dem Ende des Ersten Weltkriegs (1918) vergangenen, als sich die Welt erneut dem Abgrund nähert. Für 1940 sind dennoch Olympische Spiele in Tokio vorgesehen. Doch diese werden nicht stattfinden. Japan verzichtet selbst auf die Ausrichterrolle. Erst 24 Jahre später findet das größte Sportereignis der Welt erstmals in Nippon statt.

Knapper Sieg bei der Vergabe gegen Helsinki

Japan befand sich seit 1931 im Krieg mit China, war 1932 aus dem Völkerbund ausgetreten und wurde dennoch zum Ausrichter für 1940 gewählt. Das Streben nach Überlegenheit, das den damaligen Zeitgeist widerspiegelte, hatte auch Olympia erfasst. Nicht von ungefähr erhielt Japan mit Tokio (Sommer) und Sapporo (Winter) den Zuschlag für 1940 im Umfeld der Spiele von Berlin 1936, die zur propagandistischen Schauveranstaltung des Nazi-Regimes geworden waren. Und für Japan trat Italien, der spätere Kriegsverbündete, als Kandidat zurück. Helsinki hatte bei der Abstimmung knapp das Nachsehen.

Olympia als Zeichen der Versöhnung?

"Die Anforderungen, diese Olympischen Spiele zu organisieren, sind die größten, die jemals einem Land auferlegt wurden", sagte der damalige IOC-Präsident Pierre de Coubertin 1936 in Richtung Japan, "nämlich jene, den Hellenismus als wertvollste Kultur des alten Europas mit der weiterentwickelten Kultur und Kunst Asiens zu verbinden." Trotz seiner Verwicklungen in den Krieg mit China versprach sich Japan von der Ausrichtung eine versöhnende Wirkung.

1938 verkündet Japan seinen Verzicht

Dazu kommen sollte es aber nicht. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 hätte eine Austragung ohnehin verhindert. Doch schon ein Jahr zuvor hatte Japan auf die Olympischen Spiele verzichtet. "Wenn irgendwann einmal wieder Frieden in Fernost herrscht, können wir die Spiele zu uns einladen und der Welt den wahren japanischen Geist beweisen", sagte Wohlfahrtsminister Kido Koichi am 16. Juni 1938.

Auch 1944 fallen die Spiele aus

Spekulationen über einen Rückzug hatte es zu diesem Zeitpunkt schon lange gegeben. Doch die japanische Führung hatte diese stets zurückgewiesen. Der Krieg mit China war allerdings derart kostspielig, dass sich Japan Olympia nicht mehr leisten wollte. Die Spiele des Jahres 1940 waren damit noch nicht gestorben, Garmisch-Partenkirchen (Winter) und Helsinki (Sommer) sollten einspringen - bis der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs dies wie auch die folgenden Spiele 1944 in London verhinderte.

1964 ist Tokio endlich Ausrichter

Yoshinori Sakai, der Schlussläufer der Fackelstafette, grüßt nach dem Entzünden des Feuers ins Stadion während der feierlichen Eröffnung der Olympischen Sommerspiele von Tokio. © picture-alliance / dpa

Yoshinori Sakai enzündet 1964 das olympische Feuer.

Als Kriegsverlierer war Japan auch sportpolitisch nach 1945 zunächst geächtet. Erst 1964 wurden die Tokio-Spiele "nachgeholt". Das Olympische Feuer entzündete der Japaner Yoshinori Sakai. Der Student war in Hiroshima am 6. August 1945 geboren worden - am Tag des Abwurfs der ersten Atombombe. Obwohl die Spiele von massiven politischen Misstönen geprägt wurden, waren sie ein deutliches Zeichen der Versöhnung und Japans Widerauferstehung.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 20.03.20 12:01 Uhr