10:05 min | 05.08.2021 | Das Erste

Freiwasserschwimmen: Wellbrock mit Abstand zu Olympia-Gold

Schwimmen

Olympia-Bilanz der deutschen Schwimmer: Wellbrocks Gold und viel Luft nach oben

Die Schwimm-Wettkämpfe der Olympischen Spiele 2021 sind am Donnerstag (05.08.2021) mit dem 10 Kilometer Freiwasserschwimmen der Männer und dem Triumph für Florian Wellbrock zu Ende gegangen. Insgesamt fünf Medaillen gab es in Tokio für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV), aber auch einige Enttäuschungen.

Am Ende der Schwimmwettbewerbe gab es nach 13 Jahren Wartezeit endlich den ersehnten Sieg. Florian Wellbrock gewann in beeindruckender Manier das Freiwasser-Rennen und holte damit das erste olympische Schwimm-Gold für Deutschland seit den zwei Erfolgen von Britta Steffen 2008 in Peking. Wellbrock ist zudem der erste männliche Olympiasieger im Schwimmen seit Michael Groß 1988 in Seoul.

Wellbrock ein Glücksfall für das deutsche Schwimmen

Gold hatte für den 23-Jährigen also fast schon eine historische Dimension. Für Wellbrock war es die zweite Medaille in Tokio. Der Doppel-Weltmeister hatte sich schon im Becken über 1.500 Meter Freistil Bronze gesichert, über 800 Meter Freistil hatte er als Vierter das Treppchen hauchdünn verpasst. Klar ist: Für das deutsche Schwimmen ist Wellbrock ein Glücksfall.

Denn neben seinen Erfolgen gab es für den DSV nur noch drei weitere Medaillen bei den Olympischen Spielen 2021. Jeweils Bronze holten Wellbrocks Verlobte Sarah Köhler, ebenfalls über 1.500 Meter Freistil, sowie im Wasserspringen Patrick Hausding/Lars Rüdiger und Tina Punzel/Lena Hentschel.

DSV fast so erfolgreich wie in Peking 2008

"Für mich persönlich ist das mein Sommermärchen", sagte Wellbrock nach seinem Triumph im Freiwasser. Wohl nicht nur für ihn, sondern auch für den DSV, denn der 23-Jährige hat damit die Bilanz des Verbandes extrem aufgehübscht. Mit einmal Gold und insgesamt fünf Medaillen (1-0-4) hat der DSV bei den Spielen in Tokio klar besser als in Rio 2016 (0-0-1) und London 2012 (0-1-0) abgeschnitten. Erfolgreicher war die deutsche Bilanz zuletzt 2008 (2-1-2).

DSV-Leistungssportdirektor fordert interne Analyse

In der olympischen Kernsportart Schwimmen gab es in Tokio neben dem Licht auch viel Schatten. "Der Olympiasieg, den Florian Wellbrock im Freiwasser für Deutschland und den DSV geholt hat, ist eine exorbitant schöne Sache", sagte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow. Trotzdem müsse man intern analysieren, dass die Erwartungen auf Kurz- und Mittelstrecke nicht wie erhofft erfüllt worden seien.

"Alte Garde" enttäuscht - Hentke macht Schluss

Neben Wellbrock und Köhler gab es bei den Schwimmern nämlich viele Enttäuschungen. Nicht nur auf den von Buschkow angesprochenen Kurz- und Mittelstrecken, auch die Staffeln schnitten schwach ab. Wasserballer und Wasserballerinnen sowie die Synchronschwimmerinnen waren erst gar nicht in Tokio dabei.

Enttäuscht hat auch die "alte Garde" um Marco Koch, Franziska Hentke und Philip Heintz, die in Tokio allesamt chancenlos blieben. Wie Ex-Weltmeister Koch will auch Heintz ab Ende August nur noch in der Profiserie ISL schwimmen und dann die Karriere beenden. Für Hentke ist bereits jetzt Schluss, die 32-Jährige gab am Freitag (06.08.2021) ihr Karriereende bekannt.

"26 Jahre hat mir das Schwimmen beigebracht, dass sich Wille, Leidenschaft, Fleiß und Ehrgeiz auszahlen, um Erfolg zu haben. Ich bin jeden Tag an mein Limit gegangen, um das Beste aus meinem Körper herauszuholen", schrieb die Vizeweltmeisterin von 2017, die über 200 Meter Schmetterling im Halbfinale von Tokio gescheitert war, bei Instagram. "Mein letztes großes Ziel war es, in Tokio im Finale zu stehen. Auch wenn es am Ende nicht gereicht hat, bin ich stolz, dass ich bei meinen zweiten Olympischen Spielen noch einmal auf dem Startblock stehen konnte."

Junge Talente machen auf sich aufmerksam

So machte Tokio auch deutlich: Hinter den beiden Top-Schwimmern Wellbrock und Köhler klafft aktuell eine große Lücke. Immerhin machten bei Olympia 2021 junge Talente wie Isabel Gose oder Lukas Märtens auf sich aufmerksam. Auf sie darf man in Zukunft hoffen, während der 23-jährige Wellbrock und die 27-jährige Köhler wohl auch in Zukunft vorangehen werden.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia Tokio 2020 | 06.08.2021 | 01:05 Uhr

Stand: 06.08.21 18:46 Uhr