
"Albatros" Groß fliegt zum Gold
Als amtierender Welt- und Europameister gehört Michael Groß in Los Angeles per se zu den Favoriten im langen Freistil-Sprint. Sein Sieg in Weltrekordzeit von 1:47,44 Minuten mit mehr als 1,5 Sekunden (!) Vorsprung ist ein Triumph, aber keine Sensation. "Es war einfach ein unbeschreiblich befreiendes Gefühl, am Ziel meiner Träume angelangt zu sein", schreibt der damals 20 Jahre alte Germanistikstudent nach den Spielen im "Stern". Und er deutet die Möglichkeiten des deutschen Staffel-Quartettes über 4x200 Meter bereits an, zumal sein Offenbacher Teamkollege Thomas Fahrner auf dem Bronzerang ankommt.
Neuer Abschnitt
Geschichte
Das war Olympia 1984
-
Das Plakat der Olympischen Spiele von 1984 in Los Angeles.
-
Spektakuläre Eröffnung: Bill Scooter schwebt als "Raketenmann" in das Los Angeles Coliseum.
-
Die Marathon-Läufer vor der markanten Kulisse des Olympiastadions in L.A.
-
Dumm gelaufen: Schwimmer Thomas Fahrner schont sich im Vorlauf und verpasst den Einzug ins 400-m-Freistil-Finale. Im B-Finale gibt er alles und schlägt als Erster an - mit olympischen Rekord.
-
So strahlt ein Sieger: "Albatros" Michael Groß - zweifacher Gold-Gewinner über 100 m Delphin und 200 m Freistil.
-
Doppel-Olympiasieger in der Einzel- und Mannschaftswertung der Dressurreiter: Dr. Reiner Klimke mit seinem Pferd Ahlerich.
-
US-Leichtathlet Carl Lewis zeigt eine galaktische Vorstellung: Mit Gold über 100, 200, 4x100 Meter und im Weitsprung wiederholt er ein Kunststück, das zuvor nur Jesse Owens 1936 in Berlin gelungen war.
-
Einen Zentimeter Vorsprung nach dem letzten Versuch: Claudia Losch (Fürth) holt Gold im Kugelstoßen mit 20,48 Metern.
-
Zwölf Jahre nach München erneut auf dem olympischen Hochsprung-Thron - diesmal mit olympischem Rekord von 2,02 m: Ulrike Meyfarth aus Leverkusen.
-
Auch der Kölner Dietmar Mögenburg springt höher als alle Konkurrenten: Gold mit 2,35 Metern.
-
Die US-Amerikanerin Mary Lou Retton ist der große Star: Sie gewinnt Gold im Mehrkampf, Silber im Pferdsprung und jeweils Bronze beim Bodenturnen und am Stufenbarren. Abgerundet wird der Erfolg der 16-Jährigen durch die Silbermedaille mit der Mannschaft.
-
Eleganz und Ästhetik made in USA: Synchronschwimmerin Tracy Ruiz-Conforto wird mit 198.467 Punkten Olympiasiegerin.
-
Der deutsche 400-m-Hürdenläufer Harald Schmid kommt an Olympiasieger Edwin Moses (USA) nicht vorbei und wird Dritter.
-
Goldjägerin: Die rumänische Turnerin Ecaterina Szabo gewinnt vier Gold- und eine Silbermedaille.
-
Locker und lässig zum Olympiasieg: Der britische Zehnkämpfer Daley Thompson verweist die deutschen Asse Jürgen Hingsen und Siegfried Wentz auf die Plätze zwei und drei.
"Flieg, Albatros, flieg...!"
Dann die 100 Meter Schmetterling. Favorit auf Gold ist Pablo Morales, ein Amerikaner kubanischer Herkunft und Weltrekordhalter seit den US-Olympiaausscheidungen. Er schwimmt so leicht und flüssig, das man ihn mit Mark Spitz vergleicht, den legendären "Schwimm-König" von München 1972. Wer sollte ihn schlagen können? Andererseits: Groß hat nichts zu verlieren. In der Vorentscheidung kommt der Amerikaner auf 53,78 Sekunden - so schnell wie Groß' Europarekord -, der Deutsche auf 54,02 Sekunden. Und auch im Finale ist Morales bei der Wende noch knapp im Vorteil. Auf der zweiten Hälfte kann er sogar noch beschleunigen, aber Groß nicht wirklich abhängen und ganz Deutschland stockt der Atem. Dann der Anschlag: Groß mit seiner unvergleichlichen Spannweite knapp vor Morales: Zweites Gold und zweiter Weltrekord! Über 200 Meter Schmetterling geht Groß als Favorit ins Rennen und führt nach der letzten Wende das Feld an. Doch die Konkurrenz holt auf. "Flieg, Albatros, flieg…!", feuert ARD-Reporter Jörg Wontorra den Offenbacher an. Es reicht "nur" zu Silber. Außenseiter John Siben (Australien) schnappt Groß Gold und den Weltrekord weg. Auch mit der 4x200-Meter-Freistilstaffel gewinnt Groß die Silbermedaille.
Intelligenter Individualist
Der erfolgreichste deutschen Olympionik von Los Angeles wird Ende 1984 zum dritten Mal in Folge zum "Sportler des Jahres" gewählt. Vier Jahre später fügt der Individualist Groß seiner olympischen Medaillensammlung erneut Gold - diesmal über 200 Meter Schmetterling - sowie Bronze mit der 4×200-Meter-Freistilstaffel hinzu. Als Erster wird er dafür zum vierten Mal von der Sport-Fachpresse zum "Sportler des Jahres" gekürt. Nach fünf WM-Titeln, 13 EM-Siegen und 30 deutschen Meisterschaften beendet Groß 1991 seine glanzvolle Karriere.