
Bob Mathias - Jüngster König der Athleten
Szenen wie in einem schlechten Film an diesem 6. August 1948: Es regnet, schon den ganzen Tag. Es ist spät, es ist schon finster, das Stadion fast menschenleer. Scheinwerfer zucken durch die Nacht, sie weisen den Zehnkämpfern den Weg. Es ist die letzte Disziplin, die 1500 Meter. "Bob" Mathias muss diese letzte Disziplin nicht unbedingt gewinnen, aber er darf den Franzosen Ignace Heinrich auch nicht an sich vorbei lassen. Mit letzter Kraft quält sich der Jungspund ins Ziel. Die wenigen verbleibenden Zuschauer im weiten Rund, darunter auch seine Eltern aus Kalifornien, haben ein Stück Sportgeschichte erlebt: sie feiern den mit 17 Jahren und 263 Tagen jüngsten Zehnkampf-Olympiasieger (7.139 Punkte) aller Zeiten.
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Geschichte
Das war Olympia 1948
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Das offizielle Plakat der XIV. Olympischen Spiele in London. Ausgetragen werden sie vom 29. Juli bis 14. August 1948.
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Zentrum der Spiele ist das 25 Jahre zuvor eröffnete Wembley-Stadion mit seinen berühmten "Twin Towers".
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Die Mannschaft der Gastgeber beim Einmarsch ins vollbesetzte Stadion.
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John Mark, ein 22 Jahre alter Medizinstudent des St. Mary Hospital Paddington, trägt die olympische Flamme bei der Eröffnungsfeier ins Wembley-Stadion.
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Francina "Fanny" Blankers-Koen (M.) gewinnt den 80-m-Hürden-Lauf der Frauen. Die "fliegende Hausfrau" ist mit vier Olympiasiegen der Star der Spiele in London.
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Die Marathon-Läufer nehmen am Wembley-Stadion die 42,195 km lange Strecke in Angriff.
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Es siegt Delfo Cabrera. Der Argentinier wird nach seinem Olympiasieg von begeisterten Landsleuten auf den Schultern getragen. Er stirbt 1981 nach einem Autounfall im Alter von 62 Jahren.
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Sieger über die 100-m-Strecke wird der US-amerikanische Sprinter Harrison Dillard (l.).
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Der erst 17-jährige Zehnkampf-Neuling Robert Mathias aus den USA in Aktion - hier beim Diskuswurf. Seinem überraschenden Olympiasieg von London lässt "Bob", wie er von allen genannt wird, 1952 in Helsinki die Titelverteidigung folgen.
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Der legendäre tschechoslowakische Langstreckenläufer Emil Zatopek gewinnt den 10.000-m-Lauf deutlich, belegt aber über 5.000 m mit 0,2 Sekunden Rückstand auf den Belgier Gaston Reiff "nur" Platz zwei.
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Der ungarische Hammerwerfer Imre Nemeth gewinnt Gold mit einer Weite von 56,07 m.
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Die französische Leichtathletin Micheline Ostermeyer gewinnt das Kugelstoßen der Frauen mit einer Weite von 13,75 m.
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Das Fußball-Turnier gewinnt Schweden mit dem legendären Spieler-Trio Gunnar Nordahl, Nils Liedholm und Gunnar Gren. Jugoslawien wird im Endspiel mit 3:1 besiegt.
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Die Schwimmer messen sich im Empire Pool der Wembley Arena. Erstmals in der Geschichte Olympischer Sommerspiele werden die Schwimm-Wettbewerbe nicht unter freiem Himmel, sondern in einer Halle ausgetragen.
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Olympiasieger unter sich: die Goldmedaillengewinnerin im Turmspringen, Victoria Draves aus den USA, und ihr Landsmann Samuel Lee, der das Turmspringen der Männer gewinnt, feiern gemeinsam.
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Im Tandemrennen über 2.000 m erkämpfen sich die britischen Rennradfahrer Reginald Harris und Alan Bannister die Silbermedaille.
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Entscheidung auf königlichem Boden: Der Windsor Great Park ist Schauplatz des Straßenrennens über knapp 200 km. Der Franzose José Beyaert holt Gold.
Erster Athlet mit mehr als 8.000 Punkten im Zehnkampf
Der Oberschüler ist dem Rat seines Trainers gefolgt, es doch mal mit dem Zehnkampf zu versuchen. Keine drei Monate später qualifiziert sich der Schlacks für die Spiele, an denen die Sowjetunion noch nicht teilnimmt. Manche halten seinen Erfolg deshalb nur für einen Zufall. Doch schon zwei Jahre später belehrt Mathias die Kritiker eines Besseren: Bei den US-Meisterschaften 1950 in seiner Heimatstadt Tulare überbietet er mit 8.042 Punkten (nach alter - 1936 eingeführter - Wertung) als Erster die 8.000-Punkte-Marke. Weitere zwei Jahre später gelingt ihm in Helsinki als erstem Zehnkämpfer überhaupt die Wiederholung seines Olympiasieges, erneut mit Weltrekord.
Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus
Der Allround-Sportler, der auch beim Football und Basketball eine gute Figur abgibt, macht sich später als Hauptdarsteller der Verfilmung seines eigenen Lebens ("The Bob Mathias Story") einen Namen. Seiner Film-Karriere folgt ein mehrjähriges Engagement in der Politik als Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus. Anschließend fungiert der Doppel-Olympiasieger als Direktor des olympischen Trainingszentrums der USA in Colorado Springs. Mathias stirbt 75-jährig am 2. September 2006 in Fresno (Kalifornien) an Krebs.