
Stockholm 1912: Coubertins "Ode an den Sport"
Die schwedischen Gastgeber sorgen dank mustergültiger Organisation und Sportstätten von höchster Qualität für einen reibungslosen Ablauf der V. Olympischen Spiele 1912. Erstmals sind Athleten aus allen Kontinenten vertreten. Blumen, Fahnen und Girlanden dominieren das Bild der Metropole. Lotterien mit einem Reingewinn von umgerechnet drei Millionen Mark sichern die Finanzierung der Veranstaltung.
"Ritterburg" im Zoo
Schwedens König Gustav V. stellt zehn Hektar seines Tiergartens für den Bau des Olympiastadions zur Verfügung, das mit seinen wuchtigen Ecktürmen etwas von einer Ritterburg hat. 50.000 Zuschauer finden in der in mittelalterlichem Stil errichteten Arena Platz. Elektrische Zeitnahme sowie die Zielfotografie bei der Leichtathletik gelten als die technischen Errungenschaften. Vor allem aber: Das Publikum ist mit Begeisterung dabei; Menschen aus aller Welt gehen offen und herzlich aufeinander zu. Olympisches Edelmetall gibt es erstmals auch in den nach antikem Vorbild aufgenommenen Kunstwettbewerben in Architektur, Literatur, Musik, Malerei und Bildhauerei. Einer der Sieger ist IOC-Präsident Pierre de Coubertin.
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Geschichte
Das war Olympia 1912
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In Englisch wirbt dieses offizielle schwedische Plakat für die V. Olympischen Sommerspiele in Stockholm (29. Juni bis 22. Juli 1912).
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Eröffnungsansprache des Kronprinzen Gustav Adolf am 5. Mai 1912, hinter ihm das Internationale Olympische Komitee.
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Alle an einem Strang: Tauziehen gehört 1912 noch zum olympischen Programm.
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Olympia-Gold in Musik: IOC-Präsident Pierre de Coubertin avanciert inkognito - unter dem Pseudonym George Hohrod und Martin Eschbach - mit seiner "Ode an den Sport" zum Olympiasieger.
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Der Brite Arnold Nugent Strode-Jackson (l.) gewinnt den 1.500-m-Lauf der Herren in der Zeit von 3:56,8 Minuten und sichert sich Gold.
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Richard Verderber (l.) aus Österreich, hier im Gefecht gegen den Briten Seligman, holt Bronze im Florettfechten.
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Offenbar nervendes Posing: die siegreiche englische 4x100-m-Freistil-Staffel der Damen mit ihrer Trainerin.
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Silber aus berufener Hand: Der schwedische Kronprinz Gustav Adolf überreicht der deutschen Damen-Staffel über 4x100 m Freistil das Edelmetall.
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Dreifacher Goldmedaillen-Gewinner: der finnische Langstreckler Hannes Kolehmainen (l.), hier bei seinem Sieg über 5.000 m vor Jean Bouin (Frankreich).
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Publikumsliebling der Spiele 1912: Der US-Amerikaner Jim Thorpe holt Gold im Fünf- und Zehnkampf.
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Ringkampf kurios: Geschlagene zehn Stunden dauert das Halbfinale zwischen Alfred Asikainen (Finnland) und dem Russen Martin Klein, der anschließend als Gewinner vor Erschöpfung auf das Finale verzichten muss.
Deutsche Brustschwimmer glänzen
Die Frauen erobern mehr und mehr Terrain: Nach ihrem Einstand im Tennis (1900) erhalten sie ab 1912 auch die Startberechtigung zu den Schwimmwettbewerben - aber nur über 100 Meter und 4x100 Meter Freistil, "damit sie sich nicht zu sehr erschöpfen". Großbritannien holt das erste Olympia-Gold im Staffel-Wettbewerb - vor Deutschland. Die deutschen Männer triumphieren im Brustschwimmen und belegen über 200 Meter gleich alle drei Plätze auf dem Podium; Sieger Walter Bathe schwimmt sogar Weltrekord. Auch über 400 m Brust kommt an Bathe niemand vorbei.
Dreimal Gold für "Wunderläufer" Kolehmainen
Die Langstreckenläufe sehen die Geburt des "Wunderläufers" Johann Petteri ("Hannes") Kolehmainen. Der Finne - der unter russischer Flagge startet, da das Land damals zum Zarenreich gehört - absolviert innerhalb von acht Tagen einschließlich der Vorläufe sechs Rennen, in denen er viermal Edelmetall gewinnt - davon dreimal Gold - und zwei Weltrekorde aufstellt (über 5000 Meter und im 3000-Meter-Mannschafts-Geländelauf). Der eigentliche Star der Spiele ist aber Leichtathlet Jim Thorpe, der seine Konkurrenten im Fünf- und Zehnkampf zu Statisten degradiert.
Kurios: Für seinen Halbfinal-Sieg über den Finnen Alfred Asikainen im Mittelgewicht griechisch-römisch benötigt der russische Ringer Martin Klein mehr als zehn Stunden. Vor lauter Erschöpfung kann er zum Finale nicht mehr antreten. Olympiasieger wird so - kampflos - der Schwede Claes Johansson.