
Deutsches Team peilt 42 bis 71 Medaillen an
"Ausdauer und Geduld" - das ist die Marschroute des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für die am Freitag (05.08.16) beginnenden Sommerspiele in Rio de Janeiro. Bei der Zielsetzung orientiert sich der DOSB an Olympia 2012 in London: Damals holte das deutsche Team 44 Medaillen. Das zu wiederholen, wäre bereits eine "grandiose Leistung".
Die Maßzahl sind 44 Medaillen. "So viele haben wir in London 2012 gewonnen. Das ist der logische Vergleich und die Zahl, an der wir uns orientieren", sagte DOSB-Sportchef Dirk Schimmelpfennig am Mittwoch bei der Pressekonferenz zur Eröffnung des Deutschen Hauses. "Wir würden gerne ein Ergebnis haben, aus dem man nicht schließt, dass wir schlechter geworden sind." Der sogenannte Medaillenkorridor, den Schimmelpfennig und seine Mitstreiter anpeilen, sieht 42- bis 71-mal Edelmetall vor. Auch wenn DOSB-Präsident Alfons Hörmann kürzlich angesichts der Dopingskandale den "Fokus weniger auf Metall" legen wollte.
"Am Ende wird addiert und analysiert"
Schimmelpfennig warb bereits für den Fall um Geduld, dass es wie in London nicht von Anfang an mit den Medaillen klappen sollte: "Wir gehen mit dem Plan rein, dass wir die Spiele mit Ausdauer und Geduld gestalten wollen. Wir haben 16 Wettkampftage. Am Ende wird addiert und analysiert. Man sollte nicht aus der Entwicklung der ersten Tage falsche Schlüsse ziehen." In London waren es am Ende elf Goldmedaillen, 19 silberne und 14 bronzene, nachdem die Deutschen an den ersten vier Tagen leer ausgegangen. Das zu wiederholen, wäre laut dem DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper "in einer verschärften internationalen Wettbewerbssituation eine grandiose Leistung".
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Bildergalerie
Die deutschen Goldkandidaten in Rio
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Er ist Doppel-Olympiasieger von London: Vielseitigkeitsreiter Michael Jung. Und in Rio? Der 33-Jährige dürfte auch ohne sein Top-Pferd Takinou, das wegen eines Infekts ausfällt, nur schwer zu schlagen sein. Jung sattelt nun Sam, mit dem er vor vier Jahren so erfolgreich war.
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Jungs größte Konkurrenz kommt in Ingrid Klimke (Bild) und Sandra Auffahrth aus dem eigenen Lager. Gold für Deutschland in der Mannschaftswertung ist damit fast programmiert.
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Springreiter Christian Ahlmann hat ein grandioses Jahr hinter sich und zählt zum engsten Favoritenkreis. Auch mit Routinier Ludger Beerbaum, bereits viermal mit olympischem Gold dekoriert, ist immer zu rechnen. Marcus Ehning und Daniel Deußer komplettieren das starke Team, das auch im Mannschaftswettbewerb Chancen hat.
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Die Weltranglistenerste Kristina Bröring-Sprehe (r.) begeisterte bei ihrem Sieg in der Grand Prix Kür um den Großen Preis von Aachen mit Desperados, Isabell Werth und Dorothee Schneider (l.) vervollständigten den Dreifacherfolg. Das olympische Mannschaftsgold dürfte den deutschen Dressurreitern in Rio kaum zu nehmen sein.
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Robert Harting ist der Dominator der Diskus-Szene. Trotz Verletzungsproblemen und verspätetem Saisonstart will der dreimalige Weltmeister am Zuckerhut sein zweites Olympia-Gold in Folge einheimsen. Besonders Dauerkonkurrent Piotr Malachowski aus Polen dürfte etwas dagegen haben...
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Zweimal Weltmeister, dreimal Europameister und Olympia-Zweiter von London: David Storl ist im Kugelstoßen eine Macht. Gold in Rio hat der Sachse fest im Blick - trotz anhaltender Knieprobleme. Die größte Konkurrenz kommt aus den USA.
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Storls Disziplin-Kollegin Christina Schwanitz sicherte sich im vergangenen Jahr WM-Gold und reist als frischgebackene Europameisterin nach Rio. "Gold ist realistisch und machbar", sagt sie.
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Thomas Röhler ist die aktuelle Nummer eins der Welt, verpatzte aber mit Platz fünf die Olympia-Generalprobe bei der EM in Amsterdam. "Ich reise mit der Weltjahresbestleistung an und habe gewisse Ansprüche", so der Speerwerfer.
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Lena Schöneborn ist die erfolgreichste Athletin im Modernen Fünfkampf. 31 Medaillen hat sie bei Welt- und Europameisterschaften bereits gewonnen. 2008 in Peking wurde sie schon einmal Olympiasiegerin. Ein Coup, den die Weltmeisterin von 2015 in Rio wiederholen will.
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Marco Koch ist die größte Goldhoffnung der deutschen Schwimmer bei den Olympischen Spielen. Nicht zuletzt ARD-Expertin Franziska van Almsick traut dem Weltmeister über 200 m Brust "einiges zu".
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Mit ihrem Triumph bei den Australian Open hat Tennisspielerin Angelique Kerber ausgerechnet im Olympiajahr den ersten Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier perfekt gemacht. In Wimbledon bewies die Weltranglistenzweite mit dem Einzug ins Finale, dass dauerhaft mit ihr zu rechnen ist. Eine Medaille in Rio, wo sie nicht nur im Einzel, sondern auch im Doppel mit Andrea Petkovic antritt, ist fest eingeplant. Vielleicht wird es ja sogar Gold...
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Für Schlagmann Hannes Ocik und seine Teamkollegen vom Deutschland-Achter zählt nur die Goldmedaille. "Darauf haben wir über Jahre hingearbeitet, das muss unser Ziel sein", so der Schweriner. Vor allem die Niederlande und Weltmeister Großbritannien dürften dem deutschen Paradeboot, das vor vier Jahren in London erfolgreich war, Konkurrenz machen.
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Laser-Segler Philipp Buhl hat in diesem Jahr bei der Kieler Woche und beim Weltcup in Hyères in Frankreich gewonnen. In Rio gibt es in seiner Klasse einige Medaillenanwärter - der Vizeweltmeister zählt dazu.
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Weltmeister, Europameister und Olympiasieger in London: Sebastian Brendel ist das Maß aller Dinge im Einer-Canadier. In Rio will er "noch mal zuschlagen".
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Franziska Weber (l.) und Tina Dietze waren schon 2012 in London im Kajak-Zweier nicht zu schlagen. Auch in Rio ist mit dem Duo zu rechnen.
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Kristina Vogel (r.) ist bereits Olympiasiegerin. 2012 triumphierte sie gemeinsam mit Miriam Welte im Teamsprint, und auch diesmal hat das Bahnrad-Duo beste Aussichten. Im Einzelsprint führt der Weg zum Gold nur über die siebenmalige Weltmeisterin Vogel.
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Die beiden Beachvolleyballerinnen Kira Walkenhorst (r.) und Laura Ludwig sind Europameisterinnen und führen die Welttour an. Es ist angerichtet für den Gold-Coup.
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Frank Stäbler ist amtierender Weltmeister - als erster deutsche Ringer seit mehr als 20 Jahren. Auch in Rio könnte der Leichtgewichtler ganz oben auf dem Treppchen landen.
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Machen die deutschen Hockey-Männer den Hattrick perfekt? 2008 und 2012 holten sie bereits Gold - in Rio soll der dritte Streich folgen.
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Die Qualifikation für Olympia 2012 hatten Deutschlands Handballer noch verpasst. Nun will die junge, ambitionierte Nationalmannschaft dem überraschenden Gewinn der Europameisterschaft im vergangenen Winter in Polen olympisches Gold folgen lassen.
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In London fehlten die DFB-Frauen, die schon dreimal Olympia-Bronze gewonnen haben. Der Sieg wäre das ideale Abschiedsgeschenk für Silvia Neid, die nach dem olympischen Fußballturnier in Rio nach elf Jahren als Bundestrainerin ihre Karriere beendet.
Deutsches Haus noch nicht ganz fertig
Das Deutsche Haus selbst war am Mittwoch in Teilen noch immer eine Baustelle. Im Treppenhaus war Bohrmaschinenlärm zu hören, der Geruch von Putzmitteln lag in der Luft. Hier und da wurden noch Teppiche verlegt. Vesper schlug deshalb scherzend vor: "Wir können ja ein paar Handwerker aus dem Olympiapark hier hinschicken." Trotzdem zeigte sich der DOSB-Vorstandsvorsitzende bereits sichtlich zufrieden: "Der Platz bietet einiges an Atmosphäre. Ich finde, das Deutsche Haus liegt sehr gut. Für unsere Athleten ist es relativ gut zu erreichen. Barra ist das Zentrum der Spiele."
Neun Millionen Euro Gesamtkosten

Das Deutsche Haus im "Barra Blue Beach Point".
Mit den Kokospalmen vor der Tür, dem mächtigen Strohdach und der direkten Strandlage wirkt das Deutsche Haus wie ein Treffpunkt für Surfer. Ab Donnerstagnachmittag, wenn das Haus auch offiziell eröffnet wird, sollen im "Barra Blue Beach Point" im Süden der Millionenmetropole allerdings die - möglichst erfolgreichen - deutschen Athleten mit Wirtschaftspartnern, Politikern und Medienvertretern zusammenkommen. Zwei Drittel der Mannschaft, 349 Sportler, Trainer und Betreuer, waren bis Mittwoch angekommen. Die Zahl soll auf bis zu 551 wachsen. Vesper nannte als Gesamtkosten für die Reise des deutschen Trosses zu den ersten Sommerspielen in Südamerika rund neun Millionen Euro. Die Entsendungskosten in Höhe von 5,5 Millionen Euro trägt der Bund. Der DOSB zahlt drei Millionen Euro. Weitere 500.000 Euro übernimmt das Internationale Olympische Komitee (IOC).
Stand: 03.08.16 18:31 Uhr