
Eröffnungsfeier
Olympische Spiele in Rio sind eröffnet
Mit einer brasilianisch-bunten Feier, aber auch nachdenklichen Tönen, sind die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro eröffnet worden. Der frühere brasilianische Langstreckenläufer Vanderlei de Lima entzündete das Olympische Feuer im Maracanã-Stadion.
De Lima ging als Unglücksrabe von Athen in die olympische Geschichte ein. Im Marathonlauf bei den Olympischen Spielen 2004 war der Brasilianer fünf Kilometer vor dem Ziel mit gut 30 Sekunden Vorsprung in Führung liegend von einem irischen Fanatiker von der Strecke gedrängt worden - und musste sich am Ende mit Bronze begnügen. Weil er den Vorfall in Athen damals ohne Murren hingenommen hatte, erhielt de Lima vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die Pierre-de-Coubertin-Medaille. Erst später klagte das brasilianische NOK erfolglos vor dem Sportschiedsgericht CAS auf eine zusätzliche Goldmedaille. Mit 39 Jahren beendete der Leichtathlet seine Karriere.
Pfiffe für Brasiliens Staatschef, Beifall für Bach
Zuvor hatte Brasiliens Interimspräsident Michel Temer die Olympischen Spiele um 04:27 Uhr am Samstagmorgen (06.08.2016) für eröffnet erklärt. Bis zum 21. August werden bei den ersten Spielen in Südamerika in 306 Wettbewerben Medaillen vergeben.
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Während Temer von einem Großteil der 50.000 Zuschauer gnadenlos ausgebuht wurde, erhielt Thomas Bach, Präsident des IOC, ungeachtet der verstörenden Entscheidungen in der "Causa Russland" mehrfach Beifall. In seiner Rede verlor der deutsche IOC-Präsident kein Wort zum Thema Doping, das das IOC und die Sportgerichte im Zuge der russischen Dopingaffäre bis kurz vor der Eröffnungsfeier in Atem hielt. Stattdessen beschwor Bach die olympischen Werte, pries sie als Antwort auf die großen Krisen der Welt und wandte sich an das Flüchtlingsteam, das erstmals bei Olympischen Spielen startet: "Ihr sendet eine hoffnungsvolle Botschaft an Millionen von Flüchtlingen weltweit", so Bach. "Wir leben in einer Welt, in der sich gewisse Menschen über andere stellen wollen. Aber hier ist unsere olympische Antwort. Wir heißen euch willkommen als Bereicherung."
Die mehr als 10.000 Athleten rief er auf: "Achtet die Werte, dank derer die Olympischen Spiele so einzigartig sind!" Der brasilianische Segler Robert Scheidt versprach stellvertretend als Sprecher des Olympischen Eids, dies zu tun.
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Eröffnungsfeier
Die schönsten Bilder der Eröffnungsfeier
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Gut vier Stunden volles Show-Programm sind für die Eröffnung der Spiele in Rio eingeplant.
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Das Maracanã-Stadion erstrahlt am späten Freitagabend (05.08.2016, Ortszeit Rio) in allen Farben.
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Die Darbietung beginnt mit der Nacherzählung der brasilianischen Geschichte. Diese Figur symbolisiert den Bau der ersten Hütten.
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Aber schnell wird es modern: Tanz und Ästhetik vereinen sich auf der Stadion-Bühne.
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Das brasilianische Model Gisele Bündchen absolviert bei der Eröffnung einen 128 Meter langen Lauf durch das Maracanã-Stadion.
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Riesige Luftkissen symbolisieren den Atlantik, über den einst die Portugiesen nach Brasilien kamen.
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Farbenfrohe Kostüme lassen keine Langeweile aufkommen.
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Dabei wird die multikulturelle Historie des Landes immer wieder aufgegriffen.
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Futuristische Bühnenbilder wechseln sich ab mit brasilianischen Rhythmen.
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Die Macher sorgen aber auch immer wieder für ruhige Momente, die die Zuschauer während der vierstündigen Show durchatmen lassen.
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Eine zum Peace-Zeichen geformte Hand ist subtile Mahnung und freudige Botschaft zugleich.
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Manche Bühnenbilder erinnern an andere Planeten.
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Ein zentrales Thema der Macher ist Umweltverschmutzung und Klimawandel. Jedes Team bekommt einen Pflanzensetzling, aus dem ein Wald entstehen soll.
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Dann ist es Zeit für die Athleten: Deutschland läuft als eines der ersten Teams ins Stadion ein - angeführt von Tischtennisspieler Timo Boll.
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Ausgelassen und voller Vorfreude: das Team Frankreich.
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Auch einige optische Überraschungen sind dabei, wie der Teakwando-Kämpfer Pita Taufatofua aus Tonga.
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Das russische Team, wenn auch nicht vollständig, läuft in die Arena ein.
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Prominenter Flaggenträger: US-Schwimmer Michael Phelps.
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Zum Abschluss erneut die Mahnung an den Schutz der Umwelt. Scheinwerfer formen ein abgewandeltes Peace-Zeichen.
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Gemeinschaft steht im Mittelpunkt der Eröffnungsfeier.
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Insgesamt dauert der Empfang der Athleten knapp zwei Stunden.
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Die Olympische Flagge im Maracanã-Stadion - kurz darauf werden die Spiele offiziell eröffnet.
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Über dem nächtlichen Himmel erstrahlt der Schriftzug "Rio".
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Höhepunkt natürlich: das Olympische Feuer. Entzündet vom brasilianischen Marathonläufer Vanderlei Cordeiro de Lima,...
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... leuchtet es für die gesamte Dauer der Spiele.
Brasilianische Lebensfreude und nachdenkliche Momente
Ein bunter Show-Mix hatte zuvor die Eröffnungsfeier im Maracanã-Stadion eingeleitet. Mit einem musikalischen und tänzerischen Abriss von Geschichte und Gegenwart stellte sich Brasilien dem weltweiten Milliarden-Publikum an den Fernsehgeräten als sympathischer Gastgeber vor.
Wie bereits im Vorfeld angekündigt, feierten die Gastgeber mit farbenfroher brasilianischer Lebensfreude, ließen aber auch immer wieder ernste, nachdenkliche Momente in die Show einfließen. Auf dem Höhepunkt der ausgelassenen Stadion-Party, mit Auftritten von Model Gisele Bündchen und Musikstars wie Tom Jobim und Elza Soares, zog die Regie den Stecker - für einen eindringlichen Appell gegen Umweltzerstörung, Klimawandel und die Abholzung des Regenwaldes, der auch den anschließenden Einmarsch der Athleten begleitete. Jede Nation pflanzte den Setzling eines brasilianischen Baums in eine Spiegel-Installation, die sich später zu den fünf olympischen Ringen entfaltete.
Boll führt Deutschland ins Stadion
Als einer der ersten Nationen betrat das deutsche Team kurz vor zwei Uhr morgens den Fußball-Tempel von Rio, angeführt von Fahnenträger Timo Boll. Russlands Olympia-Teilnehmer wurden nach dem Staatsdoping-Skandal bei der Eröffnungsfeier von den Zuschauern überwiegend freundlich begrüßt. Nur vereinzelt waren Pfiffe gegen das Team zu hören, das von Volleyball-Olympiasieger Sergei Tetjuchin angeführt wurde. Den stimmungsvollen Abschluss der Nationenparade bildete das erste olympische Flüchtlingsteam - gefolgt vom umjubelten Einzug des Gastgebers.
Olympischer Lorbeer für Kenias Lauflegende Kip Keino
Ein besonderer Augenblick war die Auszeichnung des zweimaligen Leichtathletik-Olympiasiegers Kipchoge Keino aus Kenia, der für seine Verdienste um Bildung, Entwicklung, Kultur und Sport den Olympic Laurel (Olympischer Lorbeer) erhielt. Der 75 Jahre alte Keino gewann bei den Spielen 1968 in Mexiko Gold über 1500 m und vier Jahre später in München Gold über 3000 m Hindernis. Seit seinem Abschied vom Leistungssport 1973 widmet er sich mit seiner Frau Phyllis der von ihm gegründeten Wohltätigkeitsorganisationen, die sich um kenianische Waisenkinder kümmert.
Stand: 06.08.16 04:50 Uhr