00:27 min | 02.08.2021 | Das Erste

Polen gibt Belarussin Timanowskaja humanitäres Visum

Die 24-Jährige sollte nach Einschätzung der Opposition von den autoritären Behörden ihres Landes aus Japan entführt werden.

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Olympia: Belarussische Sprinterin Timanowskaja erhält polnisches Visum

Die belarussische Sprinterin Kristina Timanowskaja hält sich seit Montag (02.08.2021) in der polnischen Botschaft in Tokio auf und hat ein humanitäres Visum erhalten. Ein Eilantrag, um doch noch bei den Olympischen Spielen starten zu dürfen, wurde vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) abgelehnt.

"Polen wird alles Nötige tun, um ihr bei der Fortsetzung ihrer sportlichen Karriere zu helfen", schrieb Vize-Außenminister Marcin Przydacz am Montag auf Twitter. Polen stünde "für Solidarität", fügte der Spitzenpolitiker hinzu. Neben Polen hatten auch Tschechien und Slowenien der 24-Jährigen Asyl angeboten. Aktivisten der oppositionellen belarussischen Athletenvertretung Belarusian Sport Solidarity Foundation (BSSF) teilten mit, für Mittwoch (04.08.2021) bereits einen Flug nach Warschau für die Athletin gebucht zu haben.

Timanowskajas Ehemann Arseni Sdanewitsch erklärte der Nachrichtenagentur AFP, dass er selbst von Belarus nach Kiew geflohen sei und hoffe, seiner Frau "in naher Zukunft" nach Polen folgen zu können.

EU-Kommission begrüßt Unterstützung

Die EU-Kommission hat sich solidarisch mit der Leichtathletin erklärt und die Unterstützung durch Mitgliedsstaaten der Europäischen Union begrüßt. Kommissionssprecherin Nabila Massrali verurteilte in der Zeitung "Welt" zudem das Verhalten von Belarus.

Der Versuch, sie mit Gewalt in ihr Heimatland zu bringen, sei ein weiteres Beispiel dafür, mit welcher Brutalität das Regime von Machthaber Alexander Lukaschenko die Menschen in Belarus unterdrücke, sagte Massrali. "Die Repressalien treffen die gesamte belarussische Gesellschaft, auch Athleten und machen selbst vor dem olympischen Frieden nicht Halt."

Die Bundesregierung forderte die Behörden in Belarus zur Achtung demokratischer Grundrechte auf. Schikane, Verfolgung und Einschüchterung würden auf das Schärfste verurteilt, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

Die Vereinigung Athleten Deutschland zeigte sich entsetzt über den Vorfall. Sollten sich die Vorwürfe gegen Belarus bestätigen, käme "auch ein Ausschluss des belarussischen Regimes vom internationalen Sportsystem und eine Suspendierung des belarussischen Nationalen Olympischen Komitees in Frage", sagte Sprecher Maximilian Klein.

Hilferuf in den sozialen Medien

Timanowskaja sollte nach Kritik an Verbandsfunktionären offenbar zur Rückreise nach Belarus gezwungen werden. Deshalb hatte sie am Sonntag (01.08.2021) über die sozialen Medien um Hilfe gebeten.

Die 24-Jährige hatte in einem Video, das die BSSF veröffentlichte, erklärt, sie habe gegen ihren Willen aus Japan ausgeflogen werden sollen. Grund sei öffentliche Kritik an belarussischen Sportfunktionären gewesen.

Die Sprinterin hatte den Flug verweigert, sich an die japanische Polizei gewendet und dann die Nacht in einem Hotel am Tokioter Flughafen Haneda verbracht. Nach Angaben des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) war sie in einer "sicheren Umgebung".

Es sei wichtig, "dass jedem, der um Schutz, den Flüchtlingsstatus bittet, diese Möglichkeit geboten wird", sagte UN-Sprecher Stephane Dujarric. "Die japanischen Behörden haben alles getan, um sie zu schützen, und ich denke, das ist der wichtigste Teil. Niemand sollte gezwungen werden, unter Drohung oder unter Zwang nach Hause zu gehen", betonte Dujarric.

CAS lehnt Eilantrag von Timanowskaja ab

Der Internationale Sportgerichtshof hat derweil einen Eilantrag von Timanowskaja für die Teilnahme an den olympischen Vorläufen über 200 Meter in Tokio abgelehnt. Sie wollte mit einer einstweiligen Anordnung des CAS die Entscheidung des belarussischen NOC kippen, das Timanowskaja den Start am Montag verwehrt hatte. Der Präsident des Ad-hoc-Komitees des Sportgerichtshofes habe dies jedoch abgewiesen, weil die Athletin nicht in der Lage gewesen sei, ihren Fall ausreichend zu beweisen, teilte der CAS mit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) forderte vom belarussischen NOK einen schriftlichen Bericht an und leitete eine förmliche Untersuchung ein. Man müsse zunächst die genaueren Hintergründe und Einzelheiten zu dem Vorfall abwarten, sagte IOC-Sprecher Mark Adams. Der Dachverband werde mit Timanowskaja weiter darüber sprechen, was sie vorhabe und werde sie bei ihrer Entscheidung "unterstützen".

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia Tokio 2020 | 02.08.2021 | 02:00 Uhr

Stand: 03.08.21 06:00 Uhr

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1. Flagge USA USA 39 41 33
2. Flagge Volksrepublik China CHN 38 32 18
3. Flagge Japan JPN 27 14 17
4. Flagge Großbritannien GBR 22 21 22
5. Flagge Russisches Olympisches Komitee ROC 20 28 23
6. Flagge Australien AUS 17 7 22
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