
Johnny Weissmüller: Gold für "Tarzan"
Über 100 und 400 Meter Freistil sowie mit der 4x200-m-Freistil-Staffel der USA ist Johnny Weissmüller 1924 jeweils in Weltrekordzeit vorn. Ganz "nebenbei" holt er mit den US-Wasserballern Bronze. Fünf Jahre zuvor hatte sein erster Trainer den kränklich wirkenden 15-Jährigen noch abgewiesen: kein Talent, so dessen irrige Diagnose. Erst Starcoach William Bachrach aus Chicago kitzelt das Potenzial des Jungen, der als Dreijähriger aus dem Banat (damals Ungarn, heute Rumänien) mit seinen Eltern in die USA eingewandert war, mit hartem Training heraus. Mit 18 hat Weissmüller bereits zwölf Weltrekorde aufgestellt. Ihn schwimmen zu sehen, sei "ästhetischer Genuss", formuliert der österreichische Sportfotograf Lothar Rübelt später. Weissmüller, der die 100-m-Freistil-Distanz als erster Mensch unter einer Minute zurücklegt, pflegt - vor allem im Schlussspurt - seinen eigenen Stil, den "American Crawl", bei dem er mit dem Oberkörper über Wasser bleibt.
Nicht nur seine Rennen sind spektakulär: In Pausen zwischen den Wettkämpfen unterhält der 20-Jährige die Zuschauer mit einer Sprungnummer vom Turm. Vier Jahre später wiederholt Weissmüller bei den Spielen in Amsterdam seine Erfolge über 100 Meter Freistil und mit der Staffel. In den zehn Jahren seiner Schwimm-Karriere bringt er es auf 51 Weltrekorde; etliche weitere sollen erst gar nicht protokolliert worden sein.
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Geschichte
Das waren die Olympischen Spiele 1924
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Die VIII. Olympischen Spielen werden vom 4. Mai bis zum 27. Juli 1924 in Frankreichs Hauptstadt Paris ausgetragen.
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Auf den französischen Dominikaner-Mönch Henri Didon geht das lateinische Motto der Olympischen Spiele Citius, altius, fortius (deutsch: "Schneller, Höher, Stärker") zurück. In Paris wird es 1924 zum ersten Mal offiziell zitiert.
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Die US-Amerikanerin Helen Wills (l.) gilt noch heute als eine der besten Tennisspielerinnen aller Zeiten. In Paris gewinnt sie im Alter von 18 Jahren Gold im Einzel und im Doppel.
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US-Schwimmer Johnny Weissmüller gewinnt in Paris neben Gold über 400 m noch zwei weitere Goldmedaillen im Schwimmen sowie Silber im Wasserball. Richtig berühmt wird er aber erst später durch seine Hollywood-Karriere als Tarzan-Darsteller.
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Drei Läufer nehmen im olympischen 3.000-m-Hindernisrennen im Pariser Stade de Colombes das Hindernis, das aus einer Hecke besteht, und springen in die Wasserlache.
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Hochspringer Harold M. Osborn aus den USA überquert die Hochsprunglatte bei angezeigten 1,98 m und gewinnt mit dieser Leistung die Goldmedaille. Auch im Zehnkampf wird der 25-Jährige in Paris Olympiasieger.
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Der Geländelauf geht als "Hitzeschlacht von Colombes" in die Geschichte ein. Bei Temperaturen von 45 Grad Celsius erreichen nur 15 der 38 Läufer das Ziel. Am Ende siegt der Finne Paarvo Nurmi (M.) deutlich vor seinem Landsmann Ville Ritola und holt sich so eine seiner insgesamt fünf Goldmedaillen.
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Nurmi siegt außerdem noch über 1.500 und 5.000 m sowie mit der Mannschaft über 3.000 m und beim Geländelauf.
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Der US-Amerikaner William DeHart Hubbard gewinnt am 9. Juli in Paris Weitsprung-Gold mit einer Weite von 7,44 m. Es ist der erste Olympiasieg für einen Schwarzen in einer Einzeldisziplin.
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Das Finish im 200-m-Lauf der Männer im Pariser Stade de Colombe vor einer vollbesetzten Zuschauertribüne: US-Sprinter Jackson Scholz (2.v.l.) wirft sich als erster in die Zielschnur.
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Olympiasiegerin mit 16: Martha Norelius aus den USA gewinnt die Goldmedaille über 400 m Freistil (6:02,2 min).
Hollywood-Karriere mit Urschrei
Seine anschließende Film-Karriere ab 1932 entpuppt sich als Fluch und Segen zugleich für den fünfmaligen Olympiasieger. Einerseits avanciert Weissmüller, dessen athletische Erscheinung ihn für die Darstellung des unbesiegbaren Dschungelhelden prädestiniert, als "Tarzan" abermals zum Weltstar. Er verdient Millionen und zählt Kino-Legenden wie John Wayne und Humphrey Bogart zu seinen Freunden. Andererseits wird das Jahrhunderttalent des Schwimmsports die Rolle des sanftmütigen, aber intellektuell limitierten Dschungelmenschen bis zum bitteren Ende nicht mehr los.
Finanzielle Probleme im Alter
Für Geld hat der Lebemann keine Hand und das Glück mit den Frauen, die ihn vergöttern, ist ihm nicht hold: Gierige Manager und vier Scheidungen lassen das Vermögen Weissmüllers schmilzen wie Eis in der Sonne. Noch im Alter von 69 Jahren muss er als Türsteher in Las Vegas Hotelgäste begrüßen. Und auch hier ist er auf seine Rolle festgelegt: "Ich Tarzan, du willkommen", lautet sein Spruch. Weissmüller verfällt dem Alkohol und landet in einem Altersheim für verarmte Schauspieler. 1979 wird er für "geistig verwirrt" erklärt, seine fünfte Ehefrau Maria bringt ihn nach Acapulco in Mexiko, wo er am 20. Januar 1984 stirbt. Als der Sarg ins Grab hinuntergelassen wird, startet ein Tonband - mit dem Tarzan-Schrei.