
Peking 2008: Die Spiele der Gegensätze
Die XXIX. Olympischen Spiele in Peking haben viele Gesichter. Während sich die Gastgeber als Sportmacht feiern und sich für ihre angebliche Öffnung auf die Schultern klopfen, sind viele internationale Beobachter der Meinung, dass die Repressionen im Reich der Mitte nach den Spielen sogar noch zugenommen haben. Das hindert freilich das IOC nicht daran, im Sommer 2015 die Winterspiele 2022 nach Peking zu vergeben. Neue Maßstäbe haben die Veranstalter in puncto Organisation, Wettkampfstätten und olympisches Dorf gesetzt. Der deutsche Rückblick fällt gespalten aus. Die 16 Goldmedaillen befriedigen die Ansprüche, aber vor allem in den Kernsportarten Schwimmen und Leichtathletik gibt es viele Enttäuschungen.
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Olympia-Geschichte
Das waren die Olympischen Spiele in Peking
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Umstrittene Tibet-Politik, Zensur, Einschüchterung von Oppositionellen: China steht im Vorfeld der Spiele 2008 massiv in der Kritik. Die Eröffnungsfeier begeistert jedoch die Zuschauer und Berichterstatter.
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Immer präsent im Stadtbild Pekings: Der "Große Vorsitzende" Mao Zedong.
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Für Basketballer Dirk Nowitzki geht mit der Olympia-Teilnahme ein Traum in Erfüllung. Besondere Ehre für den NBA-Star: Er ist bei der Eröffnungsfeier deutscher Fahnenträger.
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Verlass ist wie immer auf die deutschen Reiter: Hinrich Romeike gewinnt Einzel- und Teamgold bei den Vielseitigkeitsreitern...
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... auch in der Dressur siegt die deutsche Équipe um Nadine Capellmann, Heike Kemmer und Isabell Werth.
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Michael Phelps beherrscht das Schwimmen. Der US-Amerikaner holt bei acht Starts achtmal Gold und übertrifft damit seinen Landsmann Mark Spitz (1972). Insgesamt hat Phelps nun 14 Mal Gold bei Olympia gewonnen.
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Der Superstar der Leichtathletik: Usain Bolt gewinnt über 100 m, 200 m und der Sprintstaffel - jeweils mit Weltrekord.
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Drama um Chinas Goldhoffnung Liu Xiang: Der Hürdensprinter trägt in der Leichtathletik die Hoffnungen seiner Landsleute. Doch aufgrund einer Achillessehnenentzündung muss er schon im Vorlauf aufgeben.
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Sein Schicksal rührt die Zuschauer zu Tränen. Gewichtheber Matthias Steiner wird Olympiasieger im Superschwergewicht. Bei der Siegerehrung zeigt er ein Bild seiner ein Jahr zuvor bei einem Unfall verstorbenen Frau.
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Zu Fuß zum Sieg mit dem Rad: Mountainbikerin Sabine Spitz feiert ihr Gold auf ungewöhnliche Art und Weise.
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Lionel Messi gewinnt mit der argentinischen Nationalmannschaft das olympische Fußball-Turnier.
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Unschlagbar sind wieder einmal Chinas Tischtennis-Asse. Die Gastgeber gewinnen alle vier Titel, Ma Lin holt Gold im Herren-Einzel und mit der Mannschaft.
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Hoch fliegen auch wieder die Basketballer der USA. Nach Bronze 2004 werden die Amerikaner in Peking souverän Olympiasieger.
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Gitarrengott im "Vogelnest": Jimmy Page stimmt mit Leona Lewis bei der Abschlussfeier in Peking die Zuschauer auf die Olympischen Spiele 2012 in London ein.
Nur einmal weint das Land des Lächelns
Die Spiele enden wie sie begonnen haben: mit einer perfekt inszenierten, bis ins kleinste Detail durchdachten Show im Pekinger "Vogelnest". Es ist nicht die einzige Gelegenheit, die China nutzt, um sich im Fokus der Welt zu profilieren. Erstmals gewinnt das Reich der Mitte die Nationenwertung mit 51 Gold-, dazu 21 Silber- und 28 Bronzemedaillen. Chinas Staatsrat wertet dies als "historischen Durchbruch". Nur einmal weint das Land des Lächelns, als ihr Liebling, Hürdensprinter Liu Xiang, verletzt aufgibt.
Sportlicher Glanz überdeckt brisante Themen

Dreimal Gold mit Weltrekord: Usain Bolt ist der überragende Sprinter in Peking.
Im sportlichen und organisatorischen Bereich sind es perfekte Spiele. Themen wie mangelnde Meinungsfreiheit, Festnahmen ausländischer Tibet-Aktivisten oder Lagerhaft für zwei alte chinesische Damen, die eigens die drei eingerichteten "Protestzonen" nutzen wollten, werden aber durch den sportlichen Glanz des Spektakels Olympia überdeckt. 77 Anträge für Demonstrationen werden eingereicht. Genehmigt wird keiner. Zur Kenntnis nimmt die Welt dies kaum. Das liegt auch an Stars wie Usain Bolt und Michael Phelps. Der amerikanische Gold-Fisch krönt sich mit acht Goldmedaillen in Peking und mit nunmehr 14 Siegen zum erfolgreichsten Olympioniken aller Zeiten. 43 Weltrekorde werden in Peking erzielt, 25 durch die Schwimmer, an sieben ist Phelps beteiligt. Derer drei erzielt Usain "Lightning" Bolt", der seine Erfolgen über 100 und 200 Meter sowie mit der Sprintstaffel stets mit einer extrovertierten Selbstinszenierung zelebriert. Doch auch Skepsis haftet an den außerirdisch erscheinenden Leistungen des Duos.
Steiners emotionaler Sieg
Das deutsche Gesicht der Spiele ist Gewichtheber Matthias Steiner. Der Superschwergewichtler holt sich in einem dramatischen Wettkampf die Goldmedaille, krönt sich damit zum stärksten Mann der Welt und zeigt bei der Siegerehrung ein Foto seiner rund ein Jahr zuvor tödlich verunglückten Frau. Tränen fließen nicht nur beim Olympiasieger, sondern auch bei vielen Zuschauern. Emotionaler ist eine Medaillenvergabe bei Olympischen Spielen selten gewesen. Gleich zweimal Gold gewinnen Schwimmerin Britta Steffen (50 und 100 m Freistil) und Vielseitigkeitsreiter Hinrich Romeike.