
Leichtathletik
"Traber" Bolt im Halbfinale - Krause im Finale
Sprintstar Usain Bolt hat am Samstag (13.08.16) bei seinem ersten Auftritt in Rio mühelos das Halbfinale erreicht. Julian Reus enttäuschte dagegen. Freude bei Europameisterin Gesa Felicitas Krause: Sie steht im Finale über 3.000 m Hindernis. Auch Dreispringerin Kristin Gierisch meisterte die Qualifikation erfolgeich - anders als Teamkollegin Jenny Elbe. Ruth Sophia Spelmeyer erreichte das Halbfinale über 400 m.
Auf die Plätze, fertig, Bolt: Der sechsfache Sprint-Olympiasieger aus Jamaika hat in Rio über die 100 m einen ganz lockeren Auftritt hingelegt. Seinen Vorlauf gewann er in 10,07 Sekunden und erreichte damit das Halbfinale (Sonntag, 14.08.16/2.00 Uhr MESZ) mühelos. Der erste Lohn: tosender Applaus für Usain Bolt von den Rängen im Olympiastadion. Bolts großer Kontrahent, der mehrmals als Doper enttarnte US-Sprinter Justin Gatlin (USA), zeigte ebenfalls kein Anzeichen von Schwäche. Der 34 Jahre alte Olympiasieger von 2004 siegte in seinem Vorlauf mühelos in 10,01 Sekunden.
Aus deutscher Sicht verliefen die Sprint-Vorläufe dagegen enttäuschend: Julian Reus (Wattenscheid), der kurz vor der Spielen den deutschen Rekord auf 10,01 Sekunden gedrückt hatte, belegte in seinem Vorlauf in 10,34 Sekunden Platz sieben. "Die Zeit war nicht gut. Ich kann nicht sagen, was ich falsch gemacht habe", sagte der enttäuschte deutsche Meister nach seinem Vorlauf-Aus. Lucas Jakubczyk (Berlin) machte es etwas besser, aber nicht gut genug: Mit 10,29 Sekunden und Platz fünf verpasste auch er das Halbfinale.
Krause will im Finale angreifen

Gesa Felicitas Krause will unter die besten Fünf im Olympia-Finale.
"Das Finale wird sehr, sehr schwer. Aber ein Platz unter den Top Fünf ist das Ziel. Ich bin in der Angreiferposition hinter den Afrikanerinnen." - Gesa Felicitas Krause dachte im ARD-Interview nach ihrem erfolgreich bewältigten Vorlauf über 3.000 m Hindernis bereits voraus auf den Lauf um die Medaillen am kommenden Montag (15.08.16/16.15 Uhr MESZ). Und Grund für Optimismus ist durchaus vorhanden: Die 24-Jährige wurde im ersten und mit Abstand am besten besetzten Vorlauf in 9:19,70 Minuten Dritte und kam problemlos weiter. Krause ("Wir waren schnell unterwegs") blieb nicht einmal eine Sekunde über ihrer persönlichen Bestleistung (9:18,85) aus dem EM-Finale von Amsterdam im Juli und lief in die Nähe des deutschen Rekords von Antje Möldner-Schmidt (9:18,54).
Vorlaufsiegerin wurde Ruth Jibet (Bahrain/9:12,62) vor der Äthiopierin Sofia Assefa (9:18,75), die 2012 in London Olympia-Silber geholt hatte. Krause hatte bei den Weltmeisterschaften 2015 in Peking überraschend Bronze und damit die erste deutsche Lauf-Medaille in einem WM-Einzelwettbewerb seit 14 Jahren geholt. Sie könnte die erste Sportlerin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) seit 1996 werden, die auf der Bahn eine Medaille bei Olympia gewinnt.
Gierisch weiter, Aus für Elbe
Wie Krause durfte auch DLV-Dreispringerin Kristin Gierisch mit ihrem ersten Auftritt im Olympiastadion in Rio zufrieden sein: Die 25 Jahre alte Hallen-Vize-Weltmeisterin aus Chemnitz qualifizierte sich mit einem Sprung auf 14,26 m im dritten und letzten Versuch für das Finale der besten Zwölf in der Nacht zum Montag (01.55 Uhr MESZ). "Das war wieder eine Zitterpartie. Ich weiß auch nicht, warum ich meinem Trainer so viele graue Haare bereite", sagte Gierisch in der ARD. "Mein Ziel habe ich schon erreicht. Jetzt einfach Spaß haben im Finale und die Atmosphäre genießen!" Jenny Elbe aus Dresden schied mit 14,02 m (13. Platz) knapp aus. Tagesbestweite sprang die Weltmeisterin Caterine Ibarguen aus Kolumbien mit 14,52, Gierisch lag in dieser Wertung auf Rang vier.
Spelmeyer erreicht Halbfinale in Bestzeit
Die deutsche Meisterin Ruth Sophia Spelmeyer (Oldenburg) darf über 400 m im Halbfinale am Montag (15.08.16/01.35 Uhr MESZ) starten. Die 25-Jährige steigerte ihre Bestzeit um fast eine halbe Sekunde auf 51,43 Sekunden und zog als Dritte ihres Vorlaufs über die Zeitregel in die nächste Runde ein. "Ich bin so froh, dass ich diese Feuertaufe bestanden habe. Die Stimmung ist überwältigend, es ist alles so groß hier, dass man sich nur freuen kann. Ich bin überglücklich", sprudelte es vor dem ARD-Mikrofon aus ihr heraus. Spelmeyer ist die erste Deutsche in einem olympischen Halbfinale über die Stadionrunde seit 1996. Damals war Grit Breuer im Finale Achte geworden.
Schnellste in den Vorläufen war die Amerikanerin Phyllis Francis in 50,58 Sekunden. Auch Shaunae Miller (Bahamas/51,16) und Weltmeisterin Allyson Felix aus den USA (51,24) zogen als Vorlaufsiegerinnen sicher in die Vorschlussrunde ein. Felix kann in Rio zum fünften und sechsten Mal Olympiasiegerin werden. Das Finale über 400 m findet am Montag um 3.45 Uhr MESZ statt.
Neuer Abschnitt
Sportler
Die großen Leichtathletik-Duelle von Rio
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Am Sonntag (14.08.16, 3.25 Uhr) messen sich die schnellsten Männer der Welt im 100-Meter-Lauf. Favorit ist - natürlich - der Jamaikaner Usain Bolt, der auf dieser Strecke zum dritten Mal in Folge Gold holen will. Mit dem möglichen Triple-Titel will er endgültig zur Legende werden. Er wolle für die Leichtathletik das sein, was Muhammad Ali fürs Boxen ist, sagte Bolt in einem Interview. Die Menschen sollten mit Ehrfurcht von ihm sprechen, wünscht sich der Jamaikaner.
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Sein härtester Konkurrent ist der US-Amerikaner Justin Gatlin sein. Der Olympiasieger von 2004 hat eine illustre Dopingvergangenheit. "Wenn man etwa den Amerikaner Justin Gatlin sieht, der mehrfach des Dopings überführt wurde und der jetzt schneller läuft als zu den Zeiten, als er definitiv vollgepumpt war, dann kann da was nicht stimmen", sagt ARD-Leichtathletikexperte Frank Busemann. Gatlin hält mit 9,80 Sekunden derzeit die Weltjahresbestzeit.
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Auch LaShawn Merritt ist bereits als Doper überführt worden. Sechs Jahre nach seiner Sperre von 2010 ist er dennoch das Maß der Dinge über die 400 Meter. Zwei Olympiasiege sowie sieben WM-Titel stehen für den US-Amerikaner in den Statistiken. Auch in 200-Meter-Rennen. Zuletzt sprintete der 30-Jährige bei den US-Trials auf kaum nachvollziehbare 19,74 Sekunden.
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Sein größter Konkurrent über die Stadionrunde (Sonntag, 03.00 Uhr) ist Wayde van Niekerk. Der Südafrikaner schnappte Merritt bei der WM im vergangenen Jahr die Goldmedaille weg und lief dabei eine überragende Zeit von 43,48 Sekunden, die viertbeste Zeit, die jemals über 400 Meter gelaufen wurde. Van Niekerk war 2015 auch der erste Afrikaner, der überhaupt unter 44 Sekunden geblieben war.
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Einer gegen alle - zumindest gegen alle Kenianer. Der Brite Mohamed "Mo" Farah begeisterte vor vier Jahren in London seine Landsleute und sicherte der Läufernation die Goldmedaille über 5.000 und 10.000 Meter. Sieben Rennen in Folge gewann der in Somalia geborene Läufer bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften zuletzt gegen die ehemals so mächtige kenianische Läuferphalanx. Klappt's auch diesmal im 5.000-Meter- (20.08.16, 02.30 Uhr) und 10.000-Meter-Finale (13.08.16., 2.25 Uhr)?
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Wenn es ernst wird, ist auf ihn Verlass. Kugelstoßer David Storl ist ein echter Wettkampftyp und damit auch ein Anwärter auf den Olympiasieg - der einzige große Titel, der ihm noch fehlt. 2012 in London gewann Storl Silber hinter dem Polen Tomasz Majewski. Allerdings reist Storl, der Weltmeister von 2011 und 2013, mit Verletzungsproblemen an, Topfavorit ist er nicht.
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Favorit ist nach den in diesem Jahr gezeigten Leistungen Joe Kovacs. Der US-Boy hat bereits dreimal die 22-Meter-Marke geknackt und hält die Weltjahresbestleistung mit 22,13 Metern. 2015 schnappte er in Peking seinem Kontrahenten Storl den WM-Titel weg. Feiert Kovacs auch bei Olympia? Oder wird der Pole Tomasz Majewski, der Olympiasieger von 2008 und 2012, der lachende Dritte im Kugelstoßfinale (18.08.16, 01.30 Uhr)?
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91,28 Meter - so weit warf in diesem Jahr noch kein Leichtathlet den Speer. Thomas Röhler aus Jena hat sich mit einem fulminanten Wurf im finnischen Turku im Juni in eine Mitfavoritenrolle für das Speerwurffinale (20.08.16, 01.55 Uhr) gebracht. Der deutsche Meister ist international allerdings noch ohne Medaille. Bei der WM im vergangenen Jahr landete er auf dem undankbaren vierten Platz.
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Topfavorit auf Gold und Röhlers härtester Rivale ist eigentlich der kenianische Weltmeister Julius Yego. Eigentlich, weil er er in diesem Jahr nur eine Bestweite von 84,68 Metern in der Statistik hat. Und weil die Olympiavorbereitung und vor allem die Anreise recht kurios verlief. Sein Nationales Olympisches Komitee hatte ihm einfach kein Ticket gebucht, er reiste auf eigene Kosten los, dann hing er erst einmal in Angola fest. Sein Trainer sollte ursprünglich erst einen Tag vor der Qualifikation anreisen - und schon vor dem Finale wieder fliegen. Kenias Verband - ein steter Quell des Chaos. Lachender Dritte könnte der Ägypter Ihab Abdelrahman sein, WM-Zweiter 2015 und derzeit Zweiter der Jahresbestenliste hinter Röhler.
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Er ist der Ausnahmeläufer schlechthin über 800 Meter: David Lekuta Rudisha aus Kenia. Olympiasieger 2012, amtierender Weltmeister, amtierender Weltrekordhalter. Mit seiner Saisonbestleistung von 1:43,35 Minuten liegt er in der Jahresweltbestenliste allerdings nur auf Platz drei.
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Der Pole Adam Kszczot ärgerte Rudisha fast schon bei der WM 2015. Nur 26 Hundertstel kam er hinter dem Kenianer als Zweiter an. In diesem Jahr lief er souverän zum Europameistertitel. Im 800-Meter-Finale (15.08.16, 03.25 Uhr) dürfen sich die Leichtathletikfans erneut auf ein packendes Duell zwischen Welt- und Europameister freuen.
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Das 1.500-Meter-Finale bei den Männern (020.08.16, 02.00 Uhr) dürfte einmal mehr eine inoffizielle Afrikameisterschaft werden mit dem zentralen Duell Kenia gegen Marokko werden. Bei der WM 2015 trennten den mittlerweile dreifachen Weltmeister Asbel Kiprop (Kenia), den zweitplatzierten Elijah Motonei Manangoi (Kenia) und Bronzegewinner Abdalaati Iguider (Marokko) gerade einmal 27 Hundertstel. Diese drei Läufer stehen auch in der Weltjahresbestliste ganz vorne und werden wohl auch die olympischen Medaillen unter sich ausmachen.
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Kenia gegen Kenia heißt das Duell über 3.000 Meter Hindernis (17.08.16, 16.50 Uhr). In der Weltjahresbestenliste liegen ausschließlich Kenianer auf den Plätzen eins bis sieben. Drei von ihnen sind in Rio am Start und werden die Medaillen wohl unter sich ausmachen: Weltmeister Ezekiel Kemboi (Bild), der WM-Zweite Conseslus Kipruto und der WM-Dritte Brimin Kiprop Kipruto.
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Über 100 und 200 Meter will die Niederländerin Dafne Schippers die Phalanx der US- und Jamaika-Sprinterinnen durchbrechen. 2015 lief sie in Peking sensationell zum Weltmeistertitel über 200 Meter vor den Jamaikanerinnen Elaine Thompson und Veronica Campbell-Brown - mit einer Zeit, die sie auf Platz drei der ewigen Bestenliste katapultierte. Über 100 Meter gewann sie Silber mit neuem niederländischen Rekord.
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Das 100-Meter-Triple (13.08.16, 03.35 Uhr) vor Augen hat Shelly-Ann Fraser-Price, die allerdings in diesem Jahr noch nicht recht in Form war. Über 200 Meter (17.08.16, 03.30 Uhr) zählt sie nicht unbedingt zu den Topfavoritinnen, auch wenn sie vor vier Jahren zur Silbermedaille gelaufen ist. Stark in Form sind dagegen ihre Landsfrauen Veronica Campbell-Brown und Elaine Thompson, die über die 200 Meter Weltmeisterin Schippers ärgern wollen.
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Cindy Roleder ist die große deutsche Sprint-Hoffnung (17.08.16, 03.55 Uhr). Die 100-Meter-Hürden-Europameisterin hat vor allem die starken US-Girls zum Gegner. Weltrekordlerin Kendra Harrison ist jedoch nicht dabei. Sie verpasste bei den US Trials die Qualifikation. Das verbliebene US-Trio um Weltmeisterin Brianna Rollins ist zwar immer noch stark, aber durchaus in Schlagdistanz. 12,26 Sekunden sind Rollins Bestzeit, 12,59 stehen bei Roleder ganz vorne in der Bestzeitenliste. London-Siegerin Sally Pearson aus Australien fehlt in Rio genauso wie die amtierende Weltmeisterin Danielle Williams aus Jamaika.
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Kenia gegen Äthiopien - dieses Duell kennzeichnet die Langstreckenrennen bei den Frauen über 5.000 Meter (19.08.16, 02.40 Uhr), 10.000 Meter und den Marathon (14.08.16, 14.30 Uhr). Die Teams beider Ländern sind bestens besetzt mit Olympiasiegerinnen und Weltmeisterinnen, in den Jahresbestzeitenlisten belegen die Sportlerinnen beider Nationen die Top-7- (5.000 Meter), Top-4- (10.000 Meter) und Top-6- (Marathon) Plätze. Favoritin über 5.000 Meter ist Weltmeisterin Almaz Ayana aus Äthiopien (Bild), die im Juni in Rom nur um 1,44 Sekunden den acht Jahre alten Weltrekord ihrer Landsfrau Tirunesh Dibaba verpasst hat. Die beiden sammelten über 10.000 Meter in Rio bereits Gold und Bronze, Silber ging an die Kenianerin Vivian Jepkemoi Cheruiyot. Und die hält wiederum die Jahresweltbestzeit über 10.000 Meter.
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Weltmeisterin gegen Olympiasiegerin heißt es im Diskusring der Frauen. Denia Caballero, die sich im vergangenen Jahr als erste Kubanerin der Geschichte WM-Gold mit dem Diskus geschnappt hat, will bei ihrer zweiten Olympiateilnahme eine Medaille. In der Jahresbestenliste liegt sie allerdings nur auf Platz zwei hinter der Kroatin Sandra Perković. Die gewann vor vier Jahren Gold in London, bei der WM 2015 war sie hinter Caballero Zweite.
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Jessica Ennis-Hill war vor vier Jahren in London ein Gesicht der Spiele. Die Siebenkämpferin stand unter enormem Druck, hielt diesem aber stand und gewann Gold. Nach Verletzungen und Baby-Pause ist sie zurück in der Weltspitze und demonstrierte dies eindrucksvoll mit dem Gewinn des Weltmeistertitels im vergangenen Jahr in Peking.
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Brianne Theisen Eaton will eine Wiederholung des Triumphs von Ennis-Hill verhindern. Die Kanadierin geht als Weltjahresbeste in den Wettkampf. Bei der WM im vergangenen Jahr war sie Zweite hinter Ennis Hill. Unklar ist die Form der früheren Weltmeisterin Hanna Kasjanowa aus der Ukraine, die die WM 2015 ausgelassen hatte. Kommt sie an ihre Bestleistung heran, kann sie die beiden Topfavoritinnen beim Siebenkampffinale (800-Meter-Lauf, 13.08.16, 3.53 Uhr) durchaus ärgern.
Stand: 13.08.16 19:41 Uhr
Sportarten
Ergebnisse
Medaillenspiegel
Platz | Land | G | S | B |
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1. |
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46 | 37 | 38 |
2. |
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27 | 23 | 17 |
3. |
|
26 | 18 | 26 |
4. |
|
19 | 17 | 20 |
5. |
|
17 | 10 | 15 |
6. |
|
12 | 8 | 21 |
7. |
|
10 | 18 | 14 |
8. |
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9 | 3 | 9 |
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