In Tokios Einkaufsviertel Ginza tragen Passanten einen Mundschutz. © imago images / Kyodo News

Coronavirus

Coronavirus: Tokio bereitet sich weiter vor

Japan reagiert mit der Verlegung von Sportevents auf den Ausbruch des Coronavirus. An eine Olympia-Absage mag noch keiner denken. Nach Ansicht von Experten sind die nächsten zwei Wochen entscheidend.

In Japan wächst die Sorge vor einer Ausbreitung des neuen Coronavirus. Knapp fünf Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in Tokio (24. Juli bis 9. August 2020) sehen die Organisatoren jedoch nach wie vor keine Gefahr für die Austragung des weltgrößten Sportevents. "Die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 werden wie geplant fortgesetzt", teilte das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit. IOC-Mitglied Richard Pound schätzt, dass es noch ein dreimonatiges Zeitfenster für eine Entscheidung über eine Olympia-Absage gibt. "Es ist eine große, große, große Entscheidung, und man kann sie erst treffen, wenn man verlässliche Fakten hat, auf die man sich stützen kann", sagte Pound am Dienstag (25.2.2020) der Nachrichtenagentur AP.

Verschiebung oder Umzug fast unmöglich

Was immer das IOC auch für einen Rat bekommen sollte, eine Veranstaltung von der Größe und dem Umfang der Olympischen Spiele "kann man nicht einfach so absagen oder verschieben", sagte der Kanadier. "Man kann nicht einfach sagen, wir machen es im Oktober." Dies würde die TV-Rechteinhaber vor große Probleme stellen, und es würde mit den Terminkalendern im internationalen Sport kollidieren. Pound hält ebenso einen Umzug in eine andere Stadt für fast unmöglich. "Es ist schwierig, den Ort zu verlegen, da es nur wenige Städte auf der Welt gibt, die in dieser kurzen Zeit die Ausrichtung übernehmen könnten", meinte er. Die Athleten ermunterte Pound, trotz der ernsten Lage weiter zu trainieren. "Soweit wir alle wissen, werden Sie in Tokio sein", sagte er.

Bei den Spielen in Tokio werden rund 11.000 Sportler erwartet, weitere 4.400 sollen bei den Paralympics (25. August bis 6. September) an den Start gehen.

Virologe: "Keine wirksame Strategie"

Die Zahl der mit dem Sars-CoV-2-Virus infizierten Menschen in Japan ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO auf über 140 gestiegen (Stand: 24.2.2020), es gab einen Toten. Dazu kommen 695 Menschen, die sich an Bord eines unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiffes im Hafen von Yokohama angesteckt hatten. Der japanische Virologe Hitoshi Oshitani, der die WHO während der SARS-Pandemie 2002/2003 beraten hatte, sagte "Japan Today", niemand wisse derzeit, ob man das Virus bis zum Start der Spiele stoppen könne: "Im Moment haben wir keine wirksame Strategie und es wäre schwierig, wenn die Olympischen Spiele jetzt stattfinden sollten. Aber bis Ende Juli kann sich die Lage ändern."

Marathon abgespeckt, J-League macht Pause

Zu Gegenmaßnahmen, die Japan ergreift, um eine weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen, gehört die Absage von Sportereignissen, vor allem solchen, die viele Zuschauer anlocken würden. Beim Tokio-Marathon am kommenden Sonntag (1.3.2020) dürfen statt 38.000 Läufern nur 200 Elite-Athleten laufen, die sich noch für Olympia qualifizieren wollen.

Die J-League, Japans höchste Fußball-Liga, verschob am Dienstag (25.2.2020) alle bis Mitte März geplanten Spiele. Davon sind insgesamt 94 Begegnungen betroffen. Auch im Ligapokal soll vorerst nicht gespielt werden. Die Liga reagierte damit auf eine Einschätzung von Experten, die die kommenden ein bis zwei Wochen für entscheidend halten, "um die weitere Ausbreitung des neuen Coronavirus zu verhindern". Einzelne Clubs hatten bereits Desinfektionsmittel in den Stadien bereitgestellt und die Zuschauer gebeten, Schutzmasken zu tragen. Der frühere Club von Lukas Podolski, Vissel Kobe, forderte das Publikum auf, auf Fangesänge zu verzichten.

Tischtennis-WM verschoben - "Geisterspiele"

Auch in Südkorea regiert die Vorsicht. Der Tischtennis-Weltverband ITTF verschob am Dienstag die für den 22. bis 29. März in der Hafenstadt Busan geplante Mannschafts-Weltmeisterschaft. Ein möglicher Nachholtermin wurde für Ende Juni reserviert, knapp einen Monat vor Olympia. In China waren zuvor bereits das für April angesetzte Formel-1-Rennen in Schanghai und die für März in Nanjing geplante Hallen-WM der Leichtathleten verschoben worden. Erste Auswirkungen der Epidemie auf Sportveranstaltungen gibt es auch in Europa. Wegen der raschen Ausbreitung des Virus im Norden Italiens werden mehrere Fußballspiele vor leeren Rägen ausgetragen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 25.02.20 12:58 Uhr