Die olympischen Ringe vor der Rainbow Bridge in Tokio © imago images/Kyodo News

IOC

"Gibt viele Probleme" - Olympia-Taskforce nimmt Arbeit auf

Wann genau sollen die Olympischen Spiele 2021 stattfinden? Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden? Wer zahlt die Kosten? Am Donnerstag beriet erstmals die neue Olympia-Taskforce.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) muss nach der Verschiebung der Spiele in Tokio in das kommende Jahr reihenweise Probleme lösen und vor allem einen neuen Termin finden. Deshalb wurde eine rund 30 Mitglieder umfassende Arbeitsgruppe mit dem Namen "Tokio 2020 Neustart Task Force"gegründet, die am Donnerstag (26.03.20) zum ersten Mal tagte ."Wir haben keinen festen Plan, wie wir von hier aus weiter vorgehen werden. Wir haben keine Ahnung, wann wir die Termine endgültig festlegen können.", betonte Hidemasa Nakamura, der Verantwortliche für die Durchführung der Spiele.

John Coates, ein enger Vertrauter von IOC-Präsident Thomas Bach, brachte im Gespräch mit der japanischen Zeitung "Yomiuri" indes bereits einen konkreten Termin ins Spiel: Olympia solle im kommenden Jahr zwischen den Tennis-Grand-Slam-Turnieren in Wimbledon und New York stattfinden, also zwischen dem 11. Juli und 30. August.

Telefon-Konferenz mit Fachverbänden: "Gute Diskussion"

Der neue Termin war unter anderem auch Thema in einer Telefonkonferenz des IOC mit den 33 internationalen Sportverbänden. "Es war eine gute Diskussion. Wir haben Stillschweigen über die Einzelheiten vereinbart", teilte Tischtennis-Weltpräsident Thomas Weikert am Donnerstagabend mit. Im Sinne einer schnellen Einigung müsse die Entscheidung nun von oben kommen. "Wir sind übereingekommen, dass das IOC mit den Japanern ein Datum vorschlagen muss", sagte der 58-Jährige, der auf einen Vorschlag "in den kommenden zwei bis drei Wochen" hofft. "Aber es ist kein Wunschkonzert. Die einen haben Pläne im Juli, die anderen im April, es gibt da kein einheitliches Bild", so Weikert.

02:52 min | 25.03.2020 | Das Erste | Autor/in: Barbara Jung

Japan bringt das größte Opfer

Japan und Tokio, die Ausrichterstadt der Olympischen Spiele, trifft die Olympiaverschiebung hart. Die Kosten liegen insgesamt im Milliardenbereich. Viele Händler befürchten Verluste.

OK-Chef Mori: "Wettlauf gegen die Zeit"

"Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit", sagte Toshiro Muto, der Chef des Organisationskomitees in Tokio: "Es gibt so viele Probleme, die nicht gelöst werden können, wenn der neue Termin für die Spiele nicht feststeht." Dazu gehört auch die große Frage, ob das Athletendorf für die rund 11.000 Sportler auch 2021 noch verfügbar ist, weil viele Wohnungen des Komplexes bereits verkauft sind. Bach hatte am Mittwoch gesagt, er wisse nicht, ob das olympische Dorf tatsächlich weiterhin wie geplant genutzt werden könne.

Außerdem bezeichnete Muto Themen wie Kartenverkauf, Sicherheit, Veranstaltungsorte oder den Transport als Probleme. Es gebe zudem "Tausende von Verträgen" und die Interessen der Rundfunkanstalten, Sponsoren, des IOC, der Weltsportverbände und der Nationalen Olympischen Komitees. "Ich habe mir überhaupt nicht vorgestellt, dass wir in diesem Ausmaß getestet werden", räumte er ein.

Kosten werden deutlich steigen

Das ohnehin schon deutlich überzogene Olympia-Budget wird mit Sicherheit noch einmal steigen. Muto betonte, dass er mit "sehr hohen" Zusatzkosten durch die Verlegung rechne. Eine genaue Zahl nannte er jedoch nicht. Nach einer Rechnung der japanischen Tageszeitung "Nikkei" sollen unter anderem für die Miete von Wettkampfstätten, Umbuchungen von Hotels und Kosten für Personal und Sicherheitskräfte zunächst zusätzlich bis zu 2,7 Milliarden Dollar aufgewendet werden müssen. Nach einer Kalkulation des japanischen Rechnungshofes sollen bereits über 20 Milliarden Euro in das Olympia-Projekt geflossen sein.

Tokios Gouverneurin Yuriko Koike will das IOC deshalb um eine Beteiligung an den Kosten bitten, die durch die Verlegung der Sommerspiele auf das nächste Jahr entstehen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 27.03.20 09:04 Uhr