00:51 min | 22.03.2020

Hartung lässt Olympia sausen: "Wahnsinnig traurig"

Der Fechter und Athletensprecher Max Hartung will nicht um jeden Preis an Olympia teilnehmen. Mit seinem Verzicht möchte er in der Corona-Krise ein Zeichen setzen.

Corona-Krise

Hartung sagt Nein zu Olympia - Druck auf das IOC wird größer

Fechter Max Hartung hat angekündigt, dass er nicht an Olympia im Sommer teilnehmen will. Der DOSB will weitere Topsportler befragen. Weltweit wächst der Widerstand gegen die Hängepartie des IOC.

Säbelfechter und Athleten-Aktivist Max Hartung hat für sich einen Start bei den Olympischen Spielen in Tokio in diesem Sommer ausgeschlossen. Mit diesem Schritt wolle er in der Diskussion um eine Verlegung der Sommerspiele angesichts der Coronavirus-Pandemie ein Zeichen setzen, betonte der 30-Jährige im ZDF-Sportstudio. Ihm "breche es das Herz", sagte der Vorsitzende des Vereins Athleten Deutschland über die Tragweite seiner Entscheidung. "Ich hätte heulen können."

DOSB befragt Athleten und Bundesregierung

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird nun ein Stimmungsbild seiner Athleten und Athletinnen einholen. Das teilte der DOSB am Sonntag (22.3.2020) nach einer Präsidiumssitzung mit. Die Ergebnisse der Umfrage werden auch über die Haltung des DOSB gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) entscheiden. "Zudem werden wir den Dialog mit der Bundesregierung intensivieren. Nach dem Vorliegen der verschiedenen Positionierungen wird es uns gelingen, eine klare und ganzheitlich ausgewogene Position des DOSB zu formulieren und diese gegenüber dem IOC zu vertreten", sagte Präsident Alfons Hörmann. Eine solche Befragung findet erstmals in der DOSB-Geschichte statt. Das Nationale Olympische Komitee Norwegens hatte am Vortag bereits angedeutet, notfalls keine Athleten nach Tokio zu entsenden.

IOC soll Hängepartie beenden

Das Internationale Olympischen Komitee forderte er auf, die "Hängepartie zu beenden" und die Spiele zu verschieben. Hartung befindet sich derzeit in freiwilliger Quarantäne. "Was ich mir wünschen würde, dass das IOC mit offenen Karten spielt und uns Athleten mit einbezieht", sagte Hartung.

Freitag: Athleten holen sich "ihre Spiele" zurück

Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, lobte das Verhalten Hartungs. Dies sei "jetzt der Punkt, an dem die Athleten sich 'ihre' Spiele gewissermaßen zurückholen. Ich bin sicher, dass Max Hartung nicht der Einzige mit dieser Haltung bleiben wird", sagte Freitag. Die SPD-Politikerin forderte Thomas Bach persönlich zum sofortigen Handeln auf. "Wie das IOC nach allem, was wir mittlerweile über diese Pandemie wissen, überhaupt noch auf den Gedanken kommen kann, in Kürze Menschen aus aller Herren Länder nach Tokio einfliegen zu lassen, ist mir unbegreiflich", sagte sie.

03:11 min | 21.03.2020 | Das Erste

Virologe Kekulé: "Olympia 2020 in Tokio ausgeschlossen"

Der Virologe Alexander Kekulé hält die Austragung der Olympischen Spiele in Tokio in diesem Jahr für ausgeschlossen. "Es gibt für Viren kein tolleres Fest", sagte er im Gespräch mit der Sportschau.

Der Virologe Alexander Kekulé hatte im Sportschau-Interview ausgeschlossen, dass in diesem Jahr Olympische Spiele in Tokio stattfinden können. Olympia mit 11.000 Sportlern aus aller Welt sei ein Fest für Viren.

Athletenvereinigung appelliert an IOC-Gewissen

Am Sonntag (22.3.2020) erhöhten Athleten weltweit den Druck auf das IOC. Die internationale Athletenvereinigung "Global Athlete" forderte das IOC auf, sich nicht länger außerhalb der Gesellschaft zu sehen: "Wenn sich die Welt zusammenschließt, um die Verbreitung des Covid-19-Virus zu begrenzen, muss das IOC das Gleiche tun", hieß es in einer Mitteilung der Organisation. "Unter den gegenwärtigen globalen Beschränkungen, die öffentliche Versammlungen einschränken sowie Trainingseinrichtungen und Grenzen schließen, haben die Athleten nicht die Möglichkeit, sich angemessen auf diese Spiele vorzubereiten. Ihre Gesundheit und Sicherheit müssen an erster Stelle stehen."

Groß schreibt offenen Brief an Bach

Auch ehemalige Sportstars mischen sich ein. Der dreimalige Schwimm-Olympiasieger Michael Groß veröffentlichte bei Facebook einen offenen Brief an Bach, in dem er ihn aufforderte, Olympia durch eine Verschiebung zu retten.

IOC verschickt Fragebögen

IOC-Präsident Thomas Bach lehnt eine Absage der Sommerspiele derzeit noch ab. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP hat das IOC inzwischen Fragebögen an die Nationalen Olympischen Komitees verschickt, in denen unter anderem gefragt wird, wie die Notfallregelungen im Zusammenhang mit COVID-19 das Training und die Vorbereitung ihrer Athleten einschränken.

WHO wird Absage nicht fordern

Bach hatte zuletzt betont, dem Rat der WHO zu folgen. Ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation sagte am Sonntag (22.3.2020), die WHO werde von sich aus nicht die Absage der Olympischen Spiele fordern. Dies sei auch nicht ihre Aufgabe. "Jede Entscheidung, ein geplantes internationales Ereignis abzuändern, sollte auf einer sorgfältigen Bewertung der Risiken (...) beruhen." Die WHO stelle wissenschaftlich fundierte Leitlinien und Empfehlungen für die öffentliche Gesundheit bereit. Diese seien dazu gedacht, dass die Organisationen und Länder angemessene und "evidenzbasierte Entscheidungen" treffen können. Den Beteiligten stehe es aber "frei, eigene Entscheidungen entsprechend ihrer Umstände und ihrer Einschätzung des Risikos zu treffen".

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 22.03.20 15:37 Uhr