Maximilian Levy, Isabell Werth und Andreas Toba (Fotomontage, v.l.) © imago images / Eibner

Reaktionen

Olympia verschieben? - Die Stimmen der Athleten

Fechter Max Hartung hat mit seinem Olympia-Verzicht für einen Paukenschlag in der Sportwelt gesorgt. Doch längst nicht alle Athleten teilen seine Meinung über eine Verschiebung der Olympischen Spiele. Die Stimmen der Sportler:

Thomas Röhler: Spiele auf 2021 verschieben

"Ich bin für eine Verschiebung in das Jahr 2021. Wer weiß denn schon, was im Herbst ist?", sagte der Speerwurf-Olympiasieger: "2021 bietet aus meiner Sicht derzeit die größte Sicherheit." Die Ankündigung von IOC-Präsident Thomas Bach vom Sonntag (22.03.20), innerhalb der nächsten vier Wochen über eine Austragung der Spiele in Tokio zu entscheiden, geht Röhler nicht weit genug. "Das ist eine vernünftige und gute Entwicklung. Man sollte sich aber nicht zu früh freuen, dass die richtige Entscheidung getroffen wird."

Frank Stäbler: Verständnis für IOC

"Man muss das IOC auch ein wenig in Schutz nehmen. So lange die Olympia-Austragung im Bereich des Möglichen liegt, muss man es auch in Betracht ziehen", sagte der dreimalige Ringer-Weltmeister: "In dieser Zeit verändern sich die Dinge so schnell wie noch nie zuvor. Vielleicht geht es auch ganz rasch in eine positive Richtung, doch da ist wohl mehr der Wunsch Vater des Gedanken."

19:41 min | 22.03.2020

"Olympia fast utopisch" - Sportler im Schwebezustand

Olympia und die Coronakrise: Was wird aus den Sommerspielen in Tokio? Wie geht es den Athleten, wie halten sie sich fit - und ist aus dem Traum schon ein Albtraum geworden?

Patrick Hausding: Hinhaltetaktik des IOC

Der Wasserspringer übt Kritik an der IOC-Entscheidung vom Sonntag: "Das ist alles nur noch Hinhaltetaktik. Es werden wirtschaftliche Faktoren gegen die Gesundheit der Sportler abgewogen", sagte der Olympia-Dritte. Hausding ist mittlerweile "fest der Überzeugung", dass die Olympischen Spiele wegen der Corona-Pandemie verschoben werden müssten - "und zwar um ein Jahr".

Deutsche Schwimmer: 80 Prozent für Verschiebung

Mehr als 80 Prozent der Athleten des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) sprechen sich für eine Verlegung von Olympia aus, fast 90 Prozent empfinden die derzeitigen Wettbewerbsbedingungen als unfair. Das ist das Ergebnis einer internen Umfrage. Der DSV unterbindet ab sofort die noch bestehenden Möglichkeiten eines übergeordneten Bundesstützpunkttrainings und damit sämtliche Reisetätigkeiten. Der Verband könne von seinen Athleten nicht verlangen, "sich selbst und ihre Mitmenschen einem Risiko auszusetzen, um am Traum von Olympia im Sommer festzuhalten", hieß es.

Niklas Kaul: Hoffen, dass die Spiele nicht stattfinden

"Die Gesundheit der Bevölkerung ist im Moment deutlich, deutlich wichtiger als unser Sport. Wenn sich die Situation weiter verschärft, hoffe ich, dass die Olympischen Spiele nicht stattfinden werden zu diesem Zeitpunkt. Ich hoffe, dass auch das IOC das sieht und sagt, wir verschieben die Spiele um ein Jahr, um faire Spiele für die Athleten zu haben", sagte der Zehnkampf-Weltmeister im SWR.

Oliver Zeidler: Keine Absicht zu verzichten

"Ganz klar habe ich keinerlei Intention in diese Richtung. Ich weiß auch nicht, was sich Athleten dadurch erhoffen", sagte Ruder-Weltmeister Oliver Zeidler. "Die letzte Instanz in der Entscheidung haben weder wir Athleten noch das IOC, sondern die WHO, die die ganze Lage am besten einschätzen kann. Wir Athleten sollten statt für eine Verschiebung der Spiele lieber darum kämpfen, Ausnahmegenehmigungen zu erhalten, um uns optimal vorbereiten zu können."

Arne Gabius: Ein Jahr, in dem der Sport ruht

Der deutsche Marathon-Rekordhalter plädiert wie viele andere deutsche Athleten für eine Verlegung der Spiele. Man müsse 2020 "als ein Jahr sehen, in dem der Sport ruht", und das Internationale Olympische Komitee (IOC) müsse "jetzt mal über seinen Schatten springen", sagte der 39-Jährige der "Süddeutschen Zeitung". Dass im Sommer in Tokio Sportler zusammenkommen, ist für den approbierten Arzt nicht zu verantworten. "All diese Leute verteilen sich danach in der ganzen Welt", sagte Gabius, "da verteilt man das Virus natürlich wunderbar." Da ein Impfstoff frühestens im Herbst verfügbar sein soll, könne man die Spiele "nicht Ende Juli ausrichten. Das ist viel zu früh."

Maximilian Levy: Das IOC soll sich Zeit nehmen

Der dreimalige Olympia-Medaillengewinner Maximilian Levy hat sich gegen eine sofortige Entscheidung für eine Verschiebung der Sommerspiele ausgesprochen. "Alle schreien jetzt nach der Absage. Ich hoffe, das IOC beugt sich nicht dem öffentlichen Druck, sondern nimmt sich die nötige Zeit für diese schwerwiegende Entscheidung", sagte der 32 Jahre alte Bahnradfahrer der "Lausitzer Rundschau". "Wenn man jetzt absagt - da brechen Welten zusammen."

00:38 min | 22.03.2020

Hartung & Co: Abstimmen über Olympia

Der Deutsche Olympische Sportbund bezieht seine Topsportler in ein Votum zu einer möglichen Olympia-Verschiebung ein. Athletensprecher Max Hartung lobt dieses Vorgehen.

Isabell Werth: Olympia im Juli ist unmöglich

Die sechsmalige Olympiasiegerin im Dressurreiten, Isabell Werth, setzt in der immer hitziger werdenden Diskussion auf die "Vernunft der Entscheider im IOC und in Japan". "Olympia im Juli ist unmöglich, das wissen wir alle, und ich bin sicher, das IOC und die Japaner wissen das auch und arbeiten an einer Lösung", sagte die erfolgreichste Reiterin der Geschichte.

Philipp Buhl: Olympia hat eine höhere Mission

Segel-Weltmeister Philipp Buhl spricht sich für eine Verschiebung aus: "Olympia hat eine höhere Mission als nur die Medaillenvergaben. Olympia soll die Welt zusammenbringen, und auch das ist aktuell kaum mehr möglich. Aus diesen Gründen plädiere ich für eine Verschiebung", sagte der Laser-Weltmeister aus Sonthofen, der in Kiel lebt.

Andrea Herzog: Absage wahrscheinlicher als Verschiebung

Slalom-Kanutin Andrea Herzog hat sich erstmals für Olympia qualifiziert. Doch sie sieht die Lage nüchtern: "Die Wahrscheinlichkeit, dass Olympia abgesagt wird, ist eigentlich ziemlich groß. Verschieben ist sehr schwer, man müsste zumindest mal langsam anfangen", sagte die Weltmeisterin dem MDR. "Man hat dann eigentlich ein Jahr sinnlos trainiert. Das ist nervig."

Andreas Toba: Es geht um das Wohl der Gesamtheit

"Mein Wunsch ist es, dass das IOC es schafft, die Spiele zu verschieben", sagte Turnstar Andreas Toba dem NDR. "Trotz all der Schwierigkeiten, die damit verbunden sind. Auf einen Zeitraum, in dem wieder gleiche Bedingungen auf der ganzen Welt herrschen und sich die Sportler fair auf die Wettkämpfe vorbereiten können." Prinzipiell gehe es jetzt nicht um Einzelschicksale, sondern um das Wohlergehen der Gesamtheit.

Michael Jung: Kein Weltuntergang, aber so bitter

Der dreimalige Olympiasieger im Vielseitigkeitsreiten hegt noch Hoffnungen, dass Olympia stattfinden kann. "Das ist für jeden Athleten ein großer Traum, ein großes Ziel, da trainiert man jahrelang drauf hin. Wenn das einfach wegfällt, das ist zwar kein Weltuntergang, aber so bitter", sagte Jung dem SWR. "Im Moment hoffe ich immer noch, dass alles klappt oder dass es wenigstens verschoben wird."

Tina Punzel: Kopfmäßig eine Herausforderung

Wasserspringerin Tina Punzel setzt darauf, dass bald eine klare Entscheidung getroffen wird. "Mir würde Gewissheit auf jeden Fall helfen. Dass man sagt, man hat neue Zeiträume, auf die man sich wieder vorbereiten kann", sagte die 24 Jahre alte Dresdnerin dem MDR. "Das Warten, was kommt, ist für mich auch kopfmäßig eine Herausforderung."

Torben Johannesen: Ein, zwei Monate Zeit lassen

Der Hamburger Ruderer Torben Johannesen hofft noch auf einen Start in Tokio: "Ich wünsche mir, dass die Olympischen Spiele stattfinden, dass es faire Spiele werden und dass alle Zuschauer zugucken können", sagte das Mitglied des bereits qualifizierten Deutschland-Achters dem NDR. Mit einer Absage solle man sich noch ein, zwei Monate Zeit lassen. Für Sportler sei es zwar schwierig, sich derzeit zu motivieren. Dennoch hofft Johannesen, dass eine Entscheidung so spät wie möglich fällt.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 23.03.20 18:06 Uhr