07:01 min | 04.08.2021 | Das Erste

Olympia-Eklat um die belarussische Sprinterin Timanowskaja

Der Fall Kristina Timanowskaja zeigt, wie eng Sport und Politik im autokratischen Regime von Alexander Lukaschenko verflochten sind.

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Olympia: Timanowskaja in Warschau angekommen - Visum bewilligt

Die um ihren Olympia-Start gebrachte Belarussin Kristina Timanowskaja ist am Mittwochabend (04.08.2021) in Warschau eingetroffen. Die Sprinterin hofft auf Sicherheit in Polen, das ihr und ihrem Ehemann ein Visum erteilt hat. Das Internationale Olympische Komitee hat ein Disziplinarverfahren gegen Belarus eingeleitet und will zwei Funktionäre befragen.

Timanowskaja wurde bei ihrer Ankunft in Warschau von einigen Belarussen empfangen. Sie trugen Nelken und eine rot-weiße Flagge als Zeichen des Widerstands gegen die belarussische Spitze um Machthaber Alexander Lukaschenko.

Polens stellvertretender Außenminister Marcin Przydacz dankte auf Twitter den Diplomaten, die ihre Reise ermöglicht hatten. "Polen zeigt weiterhin seine Solidarität und Unterstützung", schrieb Przydacz. In Polen hatte Timanowskaja Asyl beantragt und inzwischen ein humanitäres Visum erhalten.

Direktflug nach Warschau abgesagt

Die 24-jährige Olympia-Teilnehmerin hatte am Mittwoch aus Sicherheitsgründen einen mehrstündigen Zwischenstopp in Wien gemacht, wo sie von der Öffentlichkeit abgeschirmt und streng bewacht wurde. Ihren ursprünglichen Direktflug nach Warschau hatte sie in letzter Minute abgesagt.

Bei der Landung in der österreichischen Hauptstadt war Timanowskaja vom österreichischen Staatssekretär Magnus Brunner in Empfang genommen worden. Timanowskaja ginge es den Umständen entsprechend gut, hatte Brunner gesagt: "Sie macht sich Sorgen um ihre Familie. Sie ist müde, angespannt und nervös, wie die Dinge weitergehen."

Wie am Mittwochnachmittag war zudem bekannt geworden, dass auch ihr Ehemann Arseni Sdanewitsch ein polnisches Visum erhält. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hatte am Dienstag (03.08.2021) erklärt, dass Sdanewitsch zu Beginn dieser Woche in die Ukraine gereist sei.

Schriftliche Stellungnahme des NOK von Belarus

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) leitete am Mittwoch ein Disziplinarverfahren gegen Belarus ein. "Heute haben wir die schriftliche Stellungnahme des NOK von Belarus erhalten, die jetzt natürlich geprüft wird", sagte Sprecher Mark Adams und kündigte gleichzeitig an, die beiden Offiziellen anzuhören, die vermeintlich an dem Fall beteiligt waren. Befragt werden sollen Leichtathletik-Coach Juri Moisewitsch und Funktionär Artur Schumak. Sie sollen Timanowskaja mitgeteilt haben, dass sie wegen ihrer Kritik an den Entscheidungen der Teamspitze in den sozialen Medien vorzeitig in ihre Heimat zurückkehren muss.

Nach Angaben der Athletin hatten belarussische Behörden sie am Sonntag (01.08.2021) zur Rückkehr nach Minsk zwingen wollen, weil sie Kritik an Sportfunktionären geübt hatte. Timanowskaja wandte sich aber am Flughafen Haneda an die japanische Polizei und verweigerte den Rückflug. Zumal ihr in Belarus "definitiv eine Art der Bestrafung" gedroht haben soll.

Weitere Sportler wollen nicht nach Belarus zurück

Unterdessen wollen weitere Athleten aus Belarus nicht in ihre Heimat zurückkehren. Jana Maximowa schrieb bei Instagram, sie und ihr Ehemann, der Sportler Andrej Krawtschenko, wollten in Deutschland leben. In Belarus könne man seine Freiheit und sein Leben verlieren. Ins Nachbarland Ukraine geflohen ist der Trainer der Handballmannschaft "Witjas" in Minsk, Konstantin Jakowlew.

Lukaschenko hatte Mannschaft unter Druck gesetzt

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hatte vor den Olympischen Spielen großen Druck auf das gesamte Team aufgebaut. "Wenn es keine Erfolge in Tokio gibt, wird kein Offizieller oder Betreuer weiter im Amt bleiben. Wenn ihr da nur als Touristen hinfahrt und mit nichts zurückkommt, dann kommt erst gar nicht wieder nach Belarus", hatte der Autokrat, der als "Europas letzter Diktator" bezeichnet wird, gesagt.

Nach 242 von 339 Wettbewerben belegt sein Land Platz 53 im Medaillenspiegel - gleichauf mit Fidschi. Nur zwei belarussische Athleten schafften es bislang aufs Treppchen: Trampolinturner Iwan Litwinowitsch sicherte sich Gold, Bronze ging an den Hochspringer Maksim Nedassekau.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia Tokio 2020 | 04.08.2021 | 00:55 Uhr

Stand: 04.08.21 20:12 Uhr

Medaillenspiegel

Aktueller Medaillenspiegel
Platz Land G S B
1. Flagge USA USA 39 41 33
2. Flagge Volksrepublik China CHN 38 32 18
3. Flagge Japan JPN 27 14 17
4. Flagge Großbritannien GBR 22 21 22
5. Flagge Russisches Olympisches Komitee ROC 20 28 23
6. Flagge Australien AUS 17 7 22
7. Flagge Niederlande NED 10 12 14
8. Flagge Frankreich FRA 10 12 11
9. Flagge Deutschland GER 10 11 16
Stand nach 339 von 339 Entscheidungen.

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