Die Belarussin Kristina Timanowskaja bei einer Pressekonferenz in Warschau/Polen. © dpa-bildfunk Foto: Radek Pietruszka/PAP/dpa

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Olympia: Geflohene Timanowskaja fühlt sich in Polen "in Sicherheit"

Die nach Polen geflohene belarussische Leichtathletin Kristina Timanowskaja hat am Donnerstag (05.08.2021) ihre Erleichterung zum Ausdruck gebracht. Sie sei "froh, in Sicherheit zu sein", sagte die 24-Jährige vor Journalisten in Warschau. Sie ist von der Eskalation ihres Falls überrascht und will ihre Karriere fortsetzen.

Nach Kritik an Sportfunktionären ihres autoritär geführten Heimatlandes sollte Timanowskaja nach eigener Darstellung gegen ihren Willen von den Olympischen Spielen nach Hause geflogen werden. In Belarus hätte ihr nach eigenen Angaben "definitiv eine Art der Bestrafung" gedroht. Sie hatte sich widersetzt, indem sie am Flughafen Haneda in Tokio den Schutz der japanischen Polizei gesucht hatte. Mehrere Länder hatten ihr Hilfe angeboten, sie war schließlich über Wien nach Polen gereist, das ihr ein humanitäres Visum angeboten hatte.

Wiedervereinigt mit dem Ehemann

Ihr Ehemann Arseni Sdanewitsch, der angesichts der Ereignisse seinerseits zu Wochenbeginn aus Belarus in die Ukraine geflohen war, ist laut der Aussage eines belarussischen Oppositionspolitikers mittlerweile ebenfalls in Polen eingetroffen und befindet sich bei seiner Frau. Sdanewitsch sei mit dem Auto von der Ukraine nach Polen gefahren, auch er hatte ein humanitäres Visum offeriert bekommen.

Timanowskaja überrascht über rasche Eskalation

Timanowskaja sagte zu den Ereignissen der letzten Tage, sie sei "überrascht, dass die Situation zu einem solchen politischen Skandal wurde, weil sie als sportliches Problem begonnen hatte". Ursprünglich hatte sie ihrem Unmut über die Nominierung der 4x400m-Staffel in einem Video bei Instagram Ausdruck verliehen.

Trotz der Erleichterung über die Ankunft in Polen denke sie nicht daran, "politisches Asyl" zu beantragen, sondern beteuerte: "Ich will einfach nur meine sportliche Karriere verfolgen. Ich habe mit meinen Eltern gesprochen und sie sagten, Polen wäre eine gute Option, weil sie irgendwann auch hierher ziehen könnten."

Ihre Eltern hätten ihr zudem berichtet, "dass sie im (belarussischen; Anm.d.Red.) Fernsehen schlechte Dinge über mich sagen. Ich habe viele schlechte Nachrichten bekommen, aber noch mehr Unterstützungsbotschaften", sagte Timanowskaja.

Internationale Kritik an Belarus

In ihren Fall hatten sich auch hochrangige Politiker aus Europa und den Vereinigten Staaten eingeschaltet. So hatten sich unter anderem Bundesaußenminister Heiko Maas und sein US-Amtskollege Antony Blinken kritisch über das mutmaßliche Vorgehen der belarussischen Delegation geäußert.

07:01 min | 04.08.2021 | Das Erste

Olympia-Eklat um die belarussische Sprinterin Timanowskaja

Der Fall Kristina Timanowskaja zeigt, wie eng Sport und Politik im autokratischen Regime von Alexander Lukaschenko verflochten sind.

Welche Konsequenzen dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) von Belarus nun drohen, ist ungewiss. Athletenverbände hatten den sofortigen Ausschluss noch während der Spiele in Tokio gefordert. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte das NOK bereits im vergangenen Jahr mit Sanktionen belegt. Der international umstrittene Staatschef Alexander Lukaschenko musste sein Amt als Vorsitzender abgeben, seinem Sohn und Nachfolger Wiktor verweigert das IOC die Anerkennung. Zudem sind die finanziellen Zuwendungen ausgesetzt.

IOC setzt Disziplinarkommission ein

Am Mittwoch (04.08.2021) hatte das IOC eine Disziplinarkommission eingesetzt und angekündigt, Leichtathletik-Trainer Juri Moisewitsch und Funktionär Artur Schumak zum Fall Timanowskaja zu befragen.

Die belarussischen Behörden gehen seit Monaten mit großer Härte gegen Regierungskritiker vor. Im vergangenen Jahr waren Massenproteste nach der umstrittenen Wiederwahl von Machthaber Alexander Lukaschenko brutal niedergeschlagen worden. Timanowskaja gehört zu einer von mehr als 2000 belarussischen Sportlern, die einen offenen Brief unterzeichneten, in dem sie Neuwahlen und die Freilassung politischer Gefangener forderten. In Polen suchten zuletzt vermehrt belarussische Regierungskritiker Zuflucht.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia Tokio 2020 | 06.08.2021 | 01:05 Uhr

Stand: 05.08.21 16:39 Uhr

Medaillenspiegel

Aktueller Medaillenspiegel
Platz Land G S B
1. Flagge USA USA 39 41 33
2. Flagge Volksrepublik China CHN 38 32 18
3. Flagge Japan JPN 27 14 17
4. Flagge Großbritannien GBR 22 21 22
5. Flagge Russisches Olympisches Komitee ROC 20 28 23
6. Flagge Australien AUS 17 7 22
7. Flagge Niederlande NED 10 12 14
8. Flagge Frankreich FRA 10 12 11
9. Flagge Deutschland GER 10 11 16
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