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Olympia-Verschiebung und Corona: Freifahrtschein für Doper

In der neuen Folge des ARD-Olympia-Podcast skizziert Doping-Experte Hajo Seppelt die Probleme mit ausbleibenden Dopingkontrollen. Der Podcast erscheint ab sofort jeden Sonnabend.

Die Corona-Pandemie hat den Sport weltweit zum Stillstand gebracht - und das Dopingkontrollsystem nahezu zum Erliegen. Blut- und Urinkontrollen sind wegen der weitreichenden Reisebeschränkungen und Kontaktverbote häufig nicht mehr möglich. Die Lücke im System wächst. Einen "Freifahrtschein für Doper" nennt Doping-Experte Hajo Seppelt die derzeitige Situation mit Blick auf die ins Jahr 2021 geschobenen Olympischen Spiele in Tokio. "Das ist jetzt mit ein ideales Zeitfenster, um zu manipulieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass das weidlich ausgenutzt wird in bestimmten Ländern, wenn man weiß, dass der Dopingkontrolleur eben nicht um die Ecke kommt", ", sagt Seppelt in der neuen Folge des ARD-Olympia-Podcast "Go To Tokio To Go", der ab sofort jeden Sonnabend erscheint.

24:38 min | 28.03.2020 | NDR 2 | Autor/in: Moritz Cassalette/Fabian Wittke

#11 ARD-Olympia-Podcast: Die Folge mit den Folgen

Ab sofort jeden Sonnabend eine neue Ausgabe! Was hat die Verschiebung der Olympischen Spiele für Auswirkungen auf den Sport? Sehr große, sagt Doping-Experte Hajo Seppelt.

Wie sieht Plan B der Kontrolleure aus?

Wie die Antidopingagenturen weltweit dieses Leck stopfen können, wissen sie vermutlich selbst nicht. Andrea Gotzmann, die Vorsitzende der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) sprach von einem Plan B, der entwickelt werden müsse. Doch wie könnte der aussehen? "Plan B könnte heißen, dass man gezielte Kontrollen macht, dass man verstärkt über Auffälligkeiten im biologischen Passport versucht, an Doper heranzukommen. Aber wenn man diese Auffälligkeiten messen will, muss man natürlich erstmal die Blutproben genommen haben", sagt Seppelt.

Russlands Anhörung steht noch aus

Offen ist jetzt zum Beispiel, wie die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) in der Russland-Frage vorgehen will. Russische Athleten sind für vier Jahre für internationale Großwettkämpfe wie Olympische Spiele und Weltmeisterschaften gesperrt - nur Sportler, die sich unabhängigen Kontrollen unterziehen, sollen als neutrale Athleten zugelassen werden. Was aber, wenn gar keine unabhängigen Kontrollen möglich sind? Gegen das Urteil hat Russland Berufung beim Internationalen Sportgerichtshof CAS eingelegt. Die Anhörung dazu steht noch aus. Sie wurde auf Juni verschoben.

Seppelt: System nahezu gen null gefahren

Momentan weiß keiner, wie lange die Ausnahmesituation anhalten wird - und damit auch die Ungewissheit, wie sauber Athleten weltweit im stillen Kämmerlein weitertrainieren. Das weckt Misstrauen, unter dem vor allem die ehrlichen Athleten zu leiden haben. "Es ist tatsächlich so, dass das Dopingkontrollsystem weltweit nach meinem Eindruck nahezu gen null gefahren ist", lautet Seppelts ernüchterndes Fazit. "Selbst die Weltantidopingagentur gibt inzwischen zu, dass das eine Herausforderung ist, die es so noch nicht gegeben hat."

Olympia-Oldies in der Warteschleife

Im ARD-Olympia-Podcast geht es außerdem um die bereits etwas "betagteren" Olympia-Kandidaten, für die die Verschiebung der Sommerspiele ins kommende Jahr nun vor allem die Frage aufwirft: Aufhören oder weitermachen? Unter anderem geben Wasserspringer Patrick Hausding, Tischtennis-Star Timo Boll, Beachvolleyballerin Laura Ludwig und Ringer Frank Stäbler Einblick in ihr Seelenleben.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 28.03.20 10:30 Uhr