Blick auf Sapporo

Der Japan-Reiseblog von Julia Linn

Olympia in Sapporo: Höfliche Verbotsschilder und besorgte Menschen

Unterwegs in der Olympia-Stadt Sapporo - für den Marathon Anfang August steht die Stadt schon jetzt Kopf. Aber längst nicht alle freuen sich auf die Spiele.

Sapporo ist neben dem Großraum Tokio der zweite große Gastgeber der Olympischen Spiele: Fußball, Gehen und Marathon. Vor allem Letzterer bestimmt die Stadt schon jetzt. Der Odori Park mitten in Sapporo ist für Normalbürger gesperrt, alles bereit für die Profi-Läufer. An einen Park erinnert hier nur noch wenig: Große Zäune und Absperrungen, nur noch die Baumkronen lassen erahnen: Das ist eigentlich kein Hochsicherheitstrakt.

Absperrungen in Sapporo

War hier mal ein Park? Erkennt man gar nicht.

An jeder Absperrung steht mindestens ein Aufpasser. Sie sind vor allem damit beschäftigt, sich vor jedem stehenbleibenden Passanten kurz zu verbeugen oder ihn vorbeizuwinken, natürlich nicht ohne ein "Sumimasen" auf den Lippen. In diesem Fall heißt das aber wohl nicht nur "Verzeihung", sondern auch: "Los, weitergehen, mach' dich vom Acker"- aber eben in höflich. Höflich sind übrigens auch die Verbotsschilder. Sogar dort verbeugt sich ein kleiner Aufpasser: "Entschuldigung für die Unannehmlichkeit".

Olympia-Angst wegen Corona

Mit Menschen in Sapporo ins Gespräch zu kommen, ist einfach. Ich habe das Gefühl, sie sind entspannter als die oft gestressten Tokioter. Meine Kollegen und ich wollen wissen, was sie über Olympia in ihrer Stadt denken. Auf der Straße treffen wir zufällig einen Reporter des lokalen Fernsehsenders, wir erkennen uns gegenseitig an den Kameras. Er erzählt, dass viele Menschen hier Sorge wegen Corona haben und fürchten, dass die Spiele zum Superspreader-Event werden könnten.

Yokoi Kouichirou

Yokoi Kouichirou ist eigentlich Olympia-Fan, aber nicht in der Pandemie.

Auch wir treffen quasi ausschließlich Menschen, die unter diesen Bedingungen lieber auf die Olympischen Spiele verzichten würden. Einer von ihnen ist Yokoi Kouichirou, sein Ramen-Restaurant liegt direkt an der Marathon-Strecke. Er selbst ist noch nicht geimpft, denn die Impfkampagne geht in Japan nur langsam voran - auch deshalb hat er Angst, dass Olympia die Fallzahlen nach oben treibt. Vor Corona hatte er geplant, ein Olympia-Menü anzubieten. Aber jetzt hat er Sorge, dass dadurch zu viele Menschen in sein kleines Restaurant kämen. Wegen Corona wäre das nicht gut, sagt er.

Obwohl der Marathon direkt vor seiner Tür stattfindet, hat er kaum Infos. Er sagt, er hätte sich gefreut, wenn die Organisatoren mehr mit ihm gesprochen hätten. Straßen sind für den Verkehr gesperrt, Zuschauer verboten - aber wer hindert die Menschen daran, am Straßenrand und damit auch vor Kouichirous Restaurant zu stehen? Eine berechtigte Frage.

ARD-Reporterin Julia Linn

Julia Linn

Zur Person: Julia Linn arbeitet für den WDR und im ARD-Studio Tokio und berichtet hier täglich von ihren Erfahrungen bei den Olympischen Spielen in Tokio.

 

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia Tokio 2020 | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 15.07.21 12:48 Uhr

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Aktueller Medaillenspiegel
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3. Flagge USA USA 16 17 12
4. Flagge Russisches Olympisches Komitee ROC 10 14 10
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