05:06 min | 29.07.2021 | Das Erste

DOSB-Präsident Hörmann zum Rassismus-Eklat und der Abreise Mosters

Radsport

Rassismus-Eklat bei Olympia: Weltverband suspendiert Rad-Sportdirektor Moster

Radsport-Funktionär Patrick Moster ist nach seiner rassistischen Äußerung vom Weltverband UCI bis auf Weiteres suspendiert worden. Das teilte die UCI am Donnerstag (29.07.2021) mit.

Die Äußerungen von Moster stünden im Gegensatz zu den Anstandsregeln des Weltverbandes, sie seien diskriminierend gewesen und stellten somit eine Verletzung des Artikels 12.4.017 der Regularien dar. Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), hatte eine derartige Konsequenz bereits im Gespräch mit dem Deutschlandfunk erwartet.

Scharping: Mosters Äußerung "völlig inakzeptabel"

"Ich kann mir vorstellen, darüber haben wir auch mit der UCI gesprochen, dass es eine gewisse Zeit der Suspendierung geben kann, was internationale Sportereignisse angeht", sagte Scharping. Moster am Donnerstag vorzeitig nach Hause zu schicken, nannte Scharping eine "gute Entscheidung seitens des DOSB". Der BDR-Präsident nahm Moster aber auch in Schutz, dieser sei ein leistungsstarker Sportdirektor beim BDR und ein Mensch, der sich niemals fremdenfeindlich oder rassistisch geäußert habe.

Mosters verbale Entgleisung sei "völlig inakzeptabel, aber man muss sie auch im Kontext bewerten sowohl des Menschen, seines Lebensweges als auch der Umstände, die in Tokio ganz besondere waren", sagte der ehemalige Verteidigungsminister. Moster hatte während des Zeitfahrens der Männer am Mittwoch (28.07.2021) den deutschen Fahrer Nikias Arndt mit den Worten "hol die Kameltreiber, hol die Kameltreiber, komm" angefeuert. Vor Arndt waren der Eritreer Amanuel Ghebreigzabhier und der Algerier Azzedine Lagab im Kampf gegen die Uhr auf die Strecke gegangen.

IOC macht Druck

Einen Tag nach dieser rassistischen Äußerung hatte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am Donnerstag auf Druck des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) entschieden, dass Moster von den Sommerspielen in Tokio abreisen muss.

01:22 min | 29.07.2021 | Das Erste

Moster muss nach Rassismus-Eklat bei Olympia abreisen

Radsport-Funktionär Patrick Moster muss aufgrund seiner rassistischen Anfeuerungsrufe von den olympischen Spielen abreisen.

"Diese Form einer rassistischen Formulierung ist nicht akzeptabel und widerspricht den Werten des olympischen Geistes. Wir sind zu der Auffassung gelangt, dass es Sinn macht, Patrick Moster nicht weiter in der Aufgabe zu belassen. Er wird zeitnah nach Deutschland zurückreisen", sagte DOSB-Chef Alfons Hörmann im Interview mit der Sportschau.

Hörmann: Entscheidung "mit aller Professionalität" getroffen

Der Abreise war ein brisanter Austausch zwischen IOC und DOSB vorausgegangen. Man habe am Donnerstagmorgen schriftlich den Kontakt zur deutschen Delegation aufgenommen, sagte ein IOC-Sprecher. Dabei sei um die Klärung des Sachverhalts gebeten worden. Abhängig von der Antwort sei das Einsetzen einer Disziplinarkommission in Erwägung gezogen worden.

Hörmann begründete die Entscheidung erst einen Tag nach der massiven verbalen Entgleisung so: "Es handelt sich an der Stelle um eine Entscheidung von großer Tragweite. Da haben wir gelernt, dass es sich lohnt, vor so etwas noch einmal in Ruhe drüber zu schlafen und mit dem Betroffenen selbst zu reden. Um dann mit aller Professionalität eine Entscheidung zu treffen." Zuvor hatte Moster für seine Äußerung um Entschuldigung gebeten.

"Im Eifer des Gefechts und mit der Gesamtbelastung, die wir momentan hier haben, habe ich mich in der Wortwahl vergriffen. Es tut mir unendlich leid, ich kann nur aufrichtig um Entschuldigung bitten. Ich wollte niemanden diskreditieren", sagte er.

Persönliche Konsequenzen wollte Moster zunächst nicht ziehen und stattdessen seine Aufgabe bei den am Montag beginnenden Bahnrad-Wettkämpfen wahrnehmen. Dazu kommt es nach den Entscheidungen von UCI und DOSB nun nicht mehr.

Noch keine Entschuldigung von Moster bei Lagab

Bis Donnerstagmittag hatten sich nach Angaben von Lagab gegenüber dem "Spiegel" weder Moster persönlich noch die deutsche Mannschaftsleitung in Tokio bei dem algerischen Radprofi entschuldigt. Lediglich das vom BDR verbreitete offizielle Statement habe er gesehen.

Lagab sagte, er habe zunächst gar nichts von dem Zwischenfall mitbekommen. "Ich habe es während des Rennens nicht gehört", erklärte der 34-Jährige: Später sei er in den sozialen Netzwerken verlinkt worden, "dann habe ich gesehen, was überhaupt passiert ist. Ich war da bereits am Flughafen, um abzureisen."

Deutliche Reaktionen von Arndt, Schachmann und Zabel

Olympia-Teilnehmer Arndt hatte sich am Donnerstag "entsetzt" gezeigt und sich von den Aussagen des Sportdirektors distanziert. Auch Radprofi Maximilian Schachmann, der neben Arndt im Zeitfahren zum Einsatz kam, betonte, dass solche Worte bei Olympischen Spielen und generell in der Welt nichts zu suchen hätten. Auch Lagab hatte sich da schon einmal zu Wort gemeldet.

"Nun, es gibt kein Kamelrennen bei Olympia, deshalb betreibe ich Radsport. Wenigstens war ich in Tokio dabei", schrieb Lagab auf Twitter. Deutliche Worte fand der nicht bei Olympia startende Rick Zabel. "Auf der einen Seite verstehe ich alle SportlerInnen, die nichts dazu sagen, weil man Angst davor hat, selbst in die Schusslinie zu geraten, wenn man seine Meinung äußert oder einfach nicht mehr für eine EM, WM oder Olympia nominiert wird", schrieb der Profi und Sohn des früheren Radstars Erik Zabel bei Instagram.

Zabel kritisiert Mosters "lapidare Entschuldigung"

"Auch wenn ich selber nicht bei den Olympischen Spielen dabei bin, schäme ich mich für die Aussagen." Zabel kritisierte, dass es nach dem Rennen nur eine "lapidare Entschuldigung" gegeben habe. "Ich persönlich kann nicht verstehen, dass nach diesem Verhalten nicht sofortige Konsequenzen vom BDR oder DOSB getroffen worden sind." Wenn man olympische Werte und Anti-Rassismus-Kampagnen nachhaltig glaubhaft vertreten wolle, dürfe ein solcher Vorfall nicht geduldet werden.

 

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia Tokio 2020 | 29.07.2021 | 00:50 Uhr

Stand: 29.07.21 14:36 Uhr

Medaillenspiegel

Aktueller Medaillenspiegel
Platz Land G S B
1. Flagge USA USA 39 41 33
2. Flagge Volksrepublik China CHN 38 32 18
3. Flagge Japan JPN 27 14 17
4. Flagge Großbritannien GBR 22 21 22
5. Flagge Russisches Olympisches Komitee ROC 20 28 23
6. Flagge Australien AUS 17 7 22
7. Flagge Niederlande NED 10 12 14
8. Flagge Frankreich FRA 10 12 11
9. Flagge Deutschland GER 10 11 16
Stand nach 339 von 339 Entscheidungen.

Alle Platzierungen | mehr