
Von Langen-Parow: "Draufgänger" als Vorreiter
Dressurreiten? Für die Deutschen bei Olympia schon lange eine sichere Medaillen-Bank. Das erste Gold holt 1928 Carl Freiherr von Langen-Parow. Nomen est omen: "Draufgänger" heißt sein Pferd, mit dem der damals schon 39-Jährige in die Phalanx der zuvor dominierenden Schweden eindringt. Der aus Parow in Mecklenburg-Vorpommern stammende Reiter sichert sich in Amsterdam gleich zweimal Gold: In der Einzelwertung souverän vor dem Franzosen Charles Marion auf "Linon" und dem Schweden Ragnar Olson auf "Günstling" und - gemeinsam mit Hermann Linkenbach und Eugen Freiherr von Lotzbeck - auch in der erstmals ausgetragenen Mannschaftswertung. Erfolgsrezept der Deutschen ist die Pferdezucht im eigenen Land: Knapp die Hälfte der 29 Pferde, die in Amsterdam in der Dressur an den Start gehen, stammt aus Deutschland.
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Geschichte
Das war Olympia 1928
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Die Figur eines Läufers ist das zentrale Motiv auf dem offiziellen Plakat der IX. Olympischen Spiele. Sie werden vom 17. Mai bis zum 12. August 1928 in Amsterdam ausgetragen.
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Während der Eröffnungsfeier stellen sich die Fahnenträger und die Sportler der teilnehmenden Nationen auf dem Rasen des Amsterdamer Olympiastadions auf.
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Der kanadische Sprinter Percy Williams gewinnt über 100 m und 200 m als 20-Jähriger zweimal Gold. In den beiden Rennen landen die Deutschen Georg Lammers und Helmut Körnig jeweils auf dem Bronzerang.
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Den 100-m-Sprint der Frauen gewinnt die Amerikanerin Elizabeth Robinson (r.) in 12,2 Sekunden vor Fanny Rosenfeld (l.) und Ethel Smith aus Kanada.
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Der australische Ruderer Henry Pearce erkämpft die Goldmedaille im Einer der Herren.
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800-m-Olympiasieger Douglas Lowe (England) kommt nach 1:51,8 Minuten genau eine Sekunde vor dem zweitplatzierten Schweden Erik Byléhn ins Ziel. Dritter wird der Deutsche Hermann Engelhard.
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Die kanadische Hochspringerin Ethel Catherwood gewinnt Gold mit einer übersprungenen Höhe von 1,59 m und sorgt so für zwei Premieren: Sie ist zugleich die erste weibliche Hochsprung-Olympiasiegerin sowie die erste kanadische Goldgewinnerin in einer Einzeldisziplin.
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Der Finne Paavo Nurmi (r.) heftet sich im 10.000-m-Lauf an die Fersen seines Landsmannes Ville Ritola. Am Ende siegt Nurmi knapp mit 0,6 Sekunden Vorsprung.
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Die Karlsruherin Lina Radke-Batschauer (v.) bei ihrem 800-m-Goldlauf vor der zweitplatzierten Kinue Hitomi (Japan). Radke holt in der Weltrekordzeit von 2:16,8 Minuten das erste Gold für deutsche Leichtathleten und zugleich den ersten Olympiasieg einer deutschen Frau überhaupt.
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Die Läufer verlassen nach dem Start des Marathonlaufs das Olympiastadion von Amsterdam.
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Nach 2:32:57 Stunden überquert der für Frankreich startende Algerier Boughera Mohamed El Quafi als Erster die Ziellinie. 26 Sekunden später folgt ihm Manuel Plaza aus Chile auf Platz zwei.
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Neben Medaillen bekommen erfolgreiche Athleten in Amsterdam diese Urkunde.
Deutsche Erfolgsdisziplin
Von Langen-Parow steht damit am Beginn einer langen Reihe deutscher Top-Dressurreiter. In keiner anderen Sportart kann Deutschland bis heute eine ähnliche Erfolgsstory vorweisen. Zwischen 1964 und 2000 gewinnt die deutsche Equipe - mit zwei Unterbrechungen bei den Boykottspielen 1980 in Moskau sowie 1972 in München - immer Gold. Im Einzelwettbewerb heißen die Olympiasieger von 1984 bis 1996 Dr. Rainer Klimke, Nicole Uphoff (1988 und 1992) und Isabelle Werth (1996), die 1992, 2000 und 2008 auch noch Silber gewinnt. Lieselott Linsenhoff holt 1972 als erste Frau Dressur-Gold bei Olympia.
"...reitet für Deutschland"
Doch die Karriere von Carl Freiherr von Langen-Parow hat auch Flecken. Nach deren Machtergreifung 1933 wird er von den Nationalsozialisten vereinnahmt, spielt in dem NS-Propagandafilm "...reitet für Deutschland" eine Hauptrolle. Seinem guten internationalen Ruf schadet dies allerdings kaum, pflegt er doch engen freundschaftlichen Kontakt mit vielen seiner Konkurrenten. Am 3. August 1934 stirbt von Langen-Parow. Er erliegt den schweren Sturzverletzungen, die er sich wenige Tage zuvor bei einem Military-Wettkampf in Döberitz zugezogen hatte. Nach ihm ist die Freiherr-von-Langen-Straße in Warendorf benannt, in der die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) residiert.