IOC-Mitglied Hayley Wickenheiser aus Kanada © picture alliance Foto: Nathan Denette

Coronavirus

IOC-Mitglied Wickenheiser und Prokop kritisieren Bach

Trotz der Corona-Krise sieht das IOC keinen Anlass für eine Verlegung von Olympia. Nun gibt es dafür erstmals Kritik aus den eigenen Reihen. Auch ein deutscher Ex-Funktionär wird deutlich.

Kanadas Eishockey-Star Hayley Wickenheiser hat als erstes IOC-Mitglied angesichts der Corona-Krise deutliche Kritik am strikten Festhalten des Internationalen Olympischen Komitees an den Sommerspielen in Tokio geäußert. "Die Krise ist größer - selbst als die Olympischen Spiele", schrieb die 41Jahre alte Athletensprecherin bei Twitter. "Ich denke, dass das IOC mit einer solchen Überzeugung darauf besteht, dass es weitergeht, ist unverantwortlich und gefühllos."

Wickenheiser betonte, sie sei in das IOC gewählt worden, um die Interessen der Athleten zu vertreten und sie zu schützen. Deshalb habe sie sich zu diesem Statement entschlossen.

IOC-Führung zeigt sich zuversichtlich

Das IOC mit dem deutschen Präsidenten Thomas Bach an der Spitze hatte am Dienstag erneut bekräftigt, dass die Spiele trotz der Coronavirus-Pandemie am 24. Juli in der japanischen Hauptstadt eröffnet werden sollen. "Das IOC bleibt den Olympischen Spielen Tokio 2020 uneingeschränkt verpflichtet", teilte die Organisation nach einer Telefonkonferenz des Exekutivkomitees mit. "Da bis zu den Spielen noch mehr als vier Monate verbleiben, sind zum jetzigen Zeitpunkt keine drastischen Entscheidungen erforderlich." Spekulationen zum jetzigen Zeitpunkt wären "kontraproduktiv".

Wickenheiser seit 2014 IOC-Mitglied

Wickenheiser, einst eine der besten Eishockeyspielerinnen der Welt, ist seit 2014 IOC-Mitglied. Mit dem kanadischen Eishockey-Team gewann sie viermal Olympia-Gold und nahm an insgesamt sechs Spielen teil. "Sollen die Spiele abgesagt werden? Niemand weiß es zum jetzigen Zeitpunkt", schrieb sie. Aber "mit Sicherheit" zu sagen, dass sie stattfinden, sei "eine Ungerechtigkeit für die Athleten und die gesamte Weltbevölkerung", ergänzte Wickenheiser.

Prokop: Bach als Krisenmanager ungeeignet

Clemens Prokop, der ehemalige Chef des Deutschen Leichtathletik-Verbands, hält eine Olympia-Verlegung für alternativlos. Er feuerte zudem eine Breitseite in Richtung des IOC-Präsidenten ab: "Ich halte Thomas Bach als Krisenmanager für ungeeignet, weil er nicht die erforderlichen Entscheidungen trifft", sagte Prokop den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Stuttgarter Zeitung". "Für mich ist klar, dass Olympische Spiele im Sommer 2020 nicht verantwortbar sind und eine Austragung keinen Sinn ergibt", sagte Prokop. "Das IOC muss mit Tokio darüber verhandeln, ob die Stadt in der Lage ist, entweder im Sommer 2021 oder im Sommer 2022 Gastgeber der Olympischen Spiele zu sein." Ansonsten müsse ein anderer Ausrichter gefunden werden.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 18.03.20 18:17 Uhr